Habeck: Wer will, soll freiwillig länger arbeiten

Anne Mareile Walter Versicherungen

Die Debatte um eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung gewinnt erneut an Fahrt: Nun bringt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ein freiwilliges höheres Renteneintrittsalter ins Spiel.

Habeck Bild: picture alliance/Jens Büttner

Bundeswirtschaftsnminister Robert Habeck will mit einem freiwilligen höheren Renteneintrittsalter dem Fachkräftemangel begegnen. Bild: picture alliance/Jens Büttner

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will den drohenden Fachkräftemangel kompensieren und legt dafür einen neuen Vorschlag vor: Längere Lebensarbeitszeiten – und zwar auf freiwilliger Basis. „Man sollte länger flexibel arbeiten können. Das wäre ein doppelter Gewinn: Wer will, kann sein Wissen, sein Können, seine Erfahrung noch länger einbringen“, sagte er im Gespräch mit dem „Handelsblatt“. Davon könnten Betriebe und Gesellschaft profitieren. „Wir sollten also über so etwas wie ein Renteneintrittsfenster sprechen, kein fixes Alter", ergänzte Habeck.

Die Regierung will das „Arbeitsvolumen" erhöhen

In einem Papier, das der Deutschen Presseagentur vorliegt, warnt das Bundeswirtschaftsministerium: Die Zahl der Erwerbspersonen werde mit dem Übergang der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand signifikant zurückgehen, der Fachkräftemangel sich in den kommenden Jahren verschärfen – parallel würden Digitalisierung und die Transformation zur Klimaneutralität den Fachkräftebedarf erhöhen.

Um diese Herausforderungen zu meistern, wolle die Bundesregierung ihre Fachkräftestrategie weiterentwickeln und das Arbeitsvolumen erhöhen. Insbesondere bei Frauen und Älteren gebe es noch ungenutzte Potenziale. Die Regierung plane „einen Rahmen“ zu schaffen, damit Beschäftigte mindestens bis zur Regelaltersgrenze arbeiten und möglicherweise freiwillig darüber hinaus. Um dieses Ziel zu forcieren, könne beispielsweise die Flexibilisierung des Renteneintritts mit finanziellen Anreizen verbunden werden.  

Erst in der vergangenen Woche hatte die Ernennung des Freiburger Ökonomen Lars Feld zum persönlichen Berater von Finanzminister Christian Lindner der Debatte um eine Anhebung des Renteneintrittsalters neuen Auftrieb beschert: Feld gilt als klarer Befürworter eines dynamischen Renteneintrittsalters. In einem Interview mit der „Zeit“ sprach er sich kürzlich für eine Koppelung an die Lebenserwartung aus, was eine Erhöhung des gesetzlichen Eintrittsalters nach sich ziehen würde. „Wir haben das in meiner Zeit im Sachverständigenrat mehrmals vorgerechnet. Man würde höchstens bei einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren enden“, erklärte Feld dazu.  

Zwei Drittel der Lebenserwartung anrechnen

Auch der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Reformpapier zur Rente, in dem Rentenexperte Axel Börsch-Supan dafür plädierte, zwei Drittel der zusätzlichen Lebenserwartung auf das Renteneintrittsalter anzurechnen.

Nach geltender Rechtslage wird derzeit das Renteneintrittsalter schrittweise erhöht und für die abschlagsfreie Rente von 65 auf 67 im Jahr 2029 angehoben. Im Koalitionsvertrag einigten sich die Ampelparteien darauf, dass es keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben werde. Stattdessen solle das Rentensystem mithilfe einer teilweisen Kapitaldeckung generationengerecht abgesichert werden. Dafür soll zunächst ein Kapitalstock von zehn Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Experten halten den Fonds allerdings für vielzu klein. „Selbst wenn man unterstellt, dass die Rentenversicherung mit dem ihr anvertrauten Geld eine überdurchschnittlich hohe Rendite erwirtschaften könnte, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der keinem Rentner wirklich etwas nützt“, kritisierte bereits der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Ragnitz vom Institut für Wirtschaftsforschung.

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