EU-Vergleich: Deutsches Gesundheitssystem überzeugt

Florian Burghardt Versicherungen

Das deutsche Gesundheitssystem liegt im Vergleich von 26 EU-Staaten ziemlich weit vorne. In mehreren Kategorien ist der Mix aus GKV und PKV Spitze, in manchen gibt es aber noch Aufholbedarf.

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Ein Sidefact aus der Studie: Hierzulande hat etwa jeder Vierte eine private Krankenzusatzversicherung, in anderen Ländern liegt die Abdeckungsquote dagegen bei fast 100 Prozent. Bild: Adobe Stock/beermedia

Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den besten in Europa. In vielen Bereichen liegt es sogar an der Spitze. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP). In die Untersuchung einbezogen wurden die 26 Länder, die sowohl OECD-Mitglied als auch EU- beziehungsweise EFTA-Mitglied sind (Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn).

Die Studie kürt zwar keinen Gesamtsieger anhand einer Ergebnisliste. Jedoch zeigt der Blick auf verschiedene Kategorien, dass die Menschen hierzulande häufig leichter, schneller und kostengünstiger an Leistungen kommen als in anderen Mitgliedsstaaten. Bei der Kostenübernahme für Arzneimittel beispielsweise liegt Deutschland mit 82,3 Prozent an der Spitze. Das bedeutet, dass die Bundesbürger für 17,7 Prozent ihrer Arzneimittelkosten selbst aufkommen oder diese über Zusatzversicherung abgedeckt werden.

Hohe Kostenübernahme in Deutschland

Bei der Kostenübernahme für die ambulante Versorgung liegt Deutschland mit 89,1 Prozent auf Platz sechs, ganze vorne ist die Slowakei (98,4 Prozent). Bei der stationären Versorgung übernimmt das deutsche Gesundheitssystem aus GKV und PKV im Durchschnitt 96,7 Prozent der Kosten. Das reicht für Platz fünf hinter Norwegen, Island, Schweden und Estland.

Mit Blick auf die Arzneimittel haben die Menschen in Deutschland den schnellsten Zugang zu neuen Medikamenten. Von der Marktzulassung eines neuen Arzneimittels bis zu dessen Verfügbarkeit für die Patienten vergehen hierzulande, laut der Studie, im Durchschnitt 50 Tage. In dieser Zeit regelt das Gesundheitssystem vor allen die Beschaffung und Bepreisung der Medikamente. Erst mit 87 Tagen liegt die Schweiz auf Rang zwei, als erstes EU-Land folgt Dänemark auf Rang drei (94 Tage).

Arzttermine für jeden

Eine möglichst kurze Wartezeit spielt für Patienten auch bei der Vereinbarung von Arztterminen eine wichtige Rolle. In Deutschland erhielten 74 Prozent der für die Studie Befragten am selben oder am nächsten Tag einen Arzttermin, als sie das letzte Mal ärztliche Hilfe benötigten. Dieser Wert ist in Deutschland bei Menschen mit höheren und geringeren Einkommen gleich hoch. In anderen Ländern klafft er um bis zu neun Prozentpunkte auseinander und liegt zudem überall niedrigerals hier.

Das liegt sicher auch daran, dass die Ärztedichte in Deutschland bei 4,5 pro 1.000 Einwohner liegt und damit ziemlich hoch ist. Höher ist diese nur in Österreich (5,4), Norwegen (5,1) und Litauen (4,6). In Polen gibt es mit einer Quote von 2,4 die wenigsten.

In Belgien hat quasi jeder eine Krankenzusatz

Doch auch das deutsche Gesundheitssystem weist Verbesserungebedarf auf. So hinkt die Bundesrepublik bei der Verfügbarkeit von Videosprechstunden, Möglichkeiten zur Online-Terminvereinbarung sowie zur Online-Einsehbarkeit von Testergebnissen deutlich hinterher.

Und: Obwohl die Nachfrage nach privaten Krankenzusatzversicherungen hierzulande seit Jahren ungebrochen hoch ist und auch immer mehr Arbeitgeber ihren Angestellten eine betriebliche Krankenversicherung (auf PKV-Zusatzniveau) ermöglichen, verfügt immer noch nur jeder vierte Deutsche über einen Zusatzschutz. In vielen europäischen Ländern ist der Anteil deutlich größer, beispielsweise in Belgien (98 Prozent) und Frankreich (95,5 Prozent).

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