Corona und Betriebsschließungsversicherungen – was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Gastkommentar Versicherungen Berater von Timo Heitmann

Das Urteil des Bundesgerichtshofes Ende Januar war für viele Besitzer einer Betriebsschließungsversicherung sicherlich ein Rückschlag. Dennoch bietet es auch Gelegenheit, die Leistungsbereitschaft der Versicherer während der Corona-Zeit in einem anderen, positiveren Licht zu betrachten, findet Versicherungsdetektiv Timo Heitmann in seinem Gastkommentar.

Timo Heitmann, Bild: privat

Timo Heitmann arbeitet als Teamleiter im Schadenaußendienst. Bekannt wurde er durch das TV-Format "Die Versicherungsdetektive" - hier gab er Einblick in seine tägliche Arbeit. Bild: privat

Rund 3,5 Mio Unternehmen könnten eine haben, lediglich ca. 73.000 Verträge existieren laut Angaben des GDV. Ich spreche von Betriebsschließungsversicherungen. Wann leisten Sie? Grundsätzlich, wenn infolge Befalls mit meldepflichtigen bestimmten Erregern und damit einhergehend einer behördlich verhängten Anordnung ein Betrieb schließen muss.

Es kam Corona und unzählige Betriebe waren durch die Lockdownmaßnahmen zum dauerhaften Schließen gezwungen. Trotz Notbetriebes gab es Gewinneinbußen. Manche Kunden meldeten einen Schaden an. Mit Urteil vom 26.01.2022 stellt der BGH allerdings klar: Keine Deckung im vorliegenden Fall.

Maßgeblich hängt nach BGH der Versicherungsschutz davon ab, was im Versicherungsvertrag vereinbart ist. Die relevante Klausel der betreffenden Bedingungen ist abschließend formuliert. Covid-19 als Ursache für eine Betriebsschließung ist dort nicht aufgeführt. Somit besteht kein Versicherungsschutz. Eine reine Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz begründet keinen Anspruch.

Covid-19 hat uns alle gemeinsam überrascht

Eine Deckung für jeden im Zeitablauf neu hinzukommenden Erreger wäre schlichtweg nicht kalkulierbar. Anders gesagt: Die Kunden haben für dieses neu entstandene Risiko bislang eben auch keine Versicherungsprämie gezahlt. Versicherung funktioniert langfristig und verlässlich nur dann, wenn jedes Mitglied des Versicherungskollektivs eine dem Risiko nach adäquate Prämie in den Topf einzahlt.

Ich erinnere noch sehr gut wie zu Beginn des ersten Lockdowns großes Empören durch die Medien ging.  Die Branche kam in Summe mal wieder nicht gut weg. Selbst die sogenannte „Bayrische Lösung“, wonach Kunden bereits damals aus Sicht der meisten Versicherer freiwillig den Schaden bezuschusst bekamen um liquide zu bleiben, stieß auf keinen guten medialen Widerhall. Man liest gar die Bezeichnung von „Friss-oder stirb-Angeboten“.

Wir dürfen gespannt sein, ob im Zuge der Berichterstattung zum BGH-Urteil nun auch einmal entsprechende Zahlen aufbereitet werden. Die deutsche Assekuranz hat in 2020 und 2021 laut GDV ca. 1 Milliarde Euro an Hilfen geleistet, zum Teil vertragsgemäß, zum Teil entgegen fehlenden Versicherungsschutzes, während sich die Beitragseinnahmen aus dem Segment pro Jahr auf ca. 26 Mio. Euro belaufen. Aus meiner Sicht ist dies eine ideale Gelegenheit um positiv über unsere Branche zu berichten – es würde mich sehr freuen.

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