Bitte keine Wetten auf das Alter!

Versicherungen Gastkommentar von Dr. Friedemann Lucius

Die Deutschen werden immer älter. Seit 1960 hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer eines Menschen auf rund 20 Jahre verdoppelt. Das ist ein erfreulicher Fakt. Aber wer allein die statistische Lebenserwartung für die Planung seiner Altersvorsorge zugrunde legt, geht ein hohes Risiko ein, warnt Dr. Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS).

Dr. Friedemann Lucius, Bild: IVS

Dr. Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS). Bild: IVS

Denn wer so agiert, verhält sich eigentlich nicht anders als ein Spekulant, der alles auf eine Karte setzt: nämlich die Karte, nicht länger zu leben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Diese Strategie ist riskant. Denn sie impliziert die Erwartung, dass man auf jeden Fall zu jenen 50 Prozent der Bevölkerung gehört, die kürzer leben, als es der statistische Durchschnittswert in Aussicht stellt. Die Erkenntnis, dass man doch länger lebt als gedacht, kommt regelmäßig zu spät, um noch korrigierend einzugreifen.

In der öffentlichen Diskussion wird kapitalmarktnahes Fondssparen als Vorsorgelösung angepriesen. Der Grundgedanke mag richtig sein, aber diese Form des Sparens mit Auszahlplänen kann nur die Kür für die Altersvorsorge sein. Für das Pflichtprogramm, das die Lebenshaltungskosten lebenslang sicher abdecken muss, ist sie ungeeignet. Denn in 50 Prozent aller Fälle ist noch Leben übrig, wenn der anfänglich große Sparbetrag aufgebraucht ist. 

Absicherung nur durch lebenslange Rente

Grundsätzlich steht fest: Eine echte Absicherung des Lebensstandards im Alter kann nur durch eine lebenslange Rente erreicht werden, also stabile Zahlungen, die garantiert bis zum Lebensende laufen. In der zweiten und dritten Säule ist das Instrumentarium vorhanden, um aus Beiträgen, die bis zum Rentenbeginn gezahlt werden, einfach, effektiv, effizient und verlässlich ein lebenslanges Einkommen zu organisieren.

Durch den Ausgleich im Kollektiv bleiben Einzelne mit Risiken der Kapitalanlage und der Langlebigkeit nicht auf sich allein gestellt, sondern werden in ein großes Versicherten- beziehungsweise Versorgungskollektiv einbezogen, welches Kapitalmarktschwankungen ausgleichen kann. Aus den Beiträgen in der Ansparphase wird ein gemeinschaftlicher Kapitalstock aufgebaut, aus dem nach Renteneintritt gemeinschaftlich die Renten ausgezahlt werden. Diejenigen, die früher versterben, vererben ihren Anteil an das Kollektiv. Genau so funktioniert nachhaltige Altersvorsorge!

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