bAV: Was die Staatsfonds-Prüfung bringen könnte

Detlef Pohl Versicherungen

Die Perspektive der bAV bleibt insgesamt unklar. Bisher hat die Ampel-Koalition das Thema nicht angefasst. Eine Fachtagung hat das Reizthema Staatsfonds auch nur vorsichtig angerissen. Kein Wunder: Es enthält einige Sprengkraft.

Bohrinsel Bild: Adobe Stock/Mike Mareen

Der eine Billion schwere norwegische Staatsfonds wird vor allem durch die sprudelnden Ölvorkommen in der Nordsee gespeist, für die auch Bohrplattformen vor der Küste platziert sind. Bild: Adobe Stock/Mike Mareen

Schon vor der Bundestagswahl im vergangenen Herbst geisterten zahlreiche Staatsfonds-Modelle für die Zusatzvorsorge in Deutschland durch den Markt. Gute Chancen werden dem skandinavischen Rentensystem mit staatlichen Aktienfonds in den ersten beiden Säulen zugeschrieben. Einen freiwilligen öffentlich-rechtlichen Bürgerfonds als bAV-Vehikel halten mehrere Politiker der Ampel-Koalition für eine gute Alternative.

Das taugt aber nur sehr bedingt für Deutschland. Beispiel Schweden: Der fast 66 Milliarden Euro schwere Staatsfonds hatte in den vergangenen zehn Jahren vielfach von steigenden Aktienkursen im Niedrigzinsumfeld profitiert. Mit der quasiobligatorischen bAV sparen 90 Prozent der Beschäftigten in Schweden für das Alter an. Unterm Strich kommen sie damit auf 25 bis 35 Prozent ihrer Gesamtrente. Doch Schweden hat mit gut zehn Millionen Einwohnern nur ein Achtel der deutschen Bevölkerung zu versorgen. Und den verspäteten Umstieg in den Aktienmarkt für die bAV müsste Deutschland mit heftigen Aufschlägen bei den Börsenkursen bezahlen.

Warum Schweden und Norwegen als Vergleich kaum taugen

Noch schiefer fällt der Vergleich mit Norwegen aus, dessen staatlicher Pensionsfonds sogar 1,11 Billionen Euro schwer ist und damit der weltgrößte rohstoffbasierte Staatsfonds der Welt. Er machte im vergangenen Jahr sagenhafte 158 Milliarden Euro Gewinn. Der Staat investiert durch den in den 90er-Jahren gegründeten Pensionsfonds die Einkünfte aus der Öl- und Gasproduktion an den globalen Finanzmärkten, hält Beteiligungen an rund 9.100 Unternehmen weltweit und investiert darüber hinaus in Anleihen, nicht börsennotierte Immobilien und Infrastruktur für erneuerbare Energien.

Dabei muss der Staatsfonds in Norwegen nur eine Bevölkerung versorgen, die mit 5,1 Millionen lediglich halb so groß wie in Schweden ist. Damit taugt der Vergleich noch weniger für Deutschland, das bekanntlich keine Ölquellen und nur sehr wenig Gas besitzt, sich aus der Atomkraft verabschiedet und den Kohleabbau beerdigt. Dennoch ist der Glaube an Staatsfonds hierzulande weit verbreitet.

Offenkundig liebäugelt die Politik mit einem öffentlich verantworteten Fonds samt Opt-out-Möglichkeit in der dritten Schicht, für dessen Umsetzungsweg man sich die Arbeitgeber vorstellen kann, die bekanntlich die bAV in der zweiten Vorsorgeschicht organisieren, und zwar freiwillig. Das rief bereits den Protest der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge (Aba) hervor.

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