Anlegerverhalten im Ländervergleich: Im Osten ist die Rendite am höchsten

Hannah Petersohn Berater Investmentfonds

Die Bereitschaft, das Ersparte in Aktien zu investieren, hat in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Allerdings zeigen sich erhebliche Unterschiede im Bundesländervergleich – auch bei der Wahl der Aktien selbst. Ein Fazit: Reichtum macht nicht klüger.

Anlegerverhalten im Ländervergleich: Im Osten ist die Rendite am höchsten Bild: Adobe Stock/DDRockstar

Wie groß der Anlagewillen in den unterschiedlichen Bundesländern ausfällt, welche Aktien am beliebstesten sind und in welchem Bundesland die Depotperformance am besten ist, zeigt eine aktuelle Studie. Bild: Adobe Stock/DDRockstar

Über zwölf Millionen Deutsche investieren derzeit in Aktien, Aktienfonds oder ETFs. 2019 waren es noch 2,4 Millionen weniger, wie aktuelle Daten des Deutschen Aktieninstituts zeigen. Die Pandemie ist sicher ein Grund für den verstärkten Run auf Investments. Auch die steigende Inflation und die Negativzinspolitik motiviert die sonst eher konservativen Deutschen zum Börsengang. Schließlich müssen Verbraucher für ihr Erspartes mittlerweile oft schon ab vergleichsweise geringen Sparbeträgen sogenannte Verwahrentgelte an die Banken abtreten. Noch dazu verliert der Wert des Geldes, das auf Giro- und Tagesgeldkonten gehortet wird, zunehmend an Wert. Gleichzeitig haben viele Menschen deutlich mehr gespart als in den Vor-Pandemiejahren; bei Vielen sind große Reisen weggefallen, die Sorge um Kurzarbeit und konjunkturbedingte Einschnitte taten ihr Übriges.

Aber wie groß ist eigentlich der Anlagewillen in Abhängigkeit vom jeweiligen Bundesland? Investiert eine Berlinerin anders als ein Fürther? Welche Aktien favorisieren Hamburger für ihre Geldanlage? Und in welchem Bundesland ist es am besten um die Depotperformance bestellt?

Osten: Kleineres Depotvolumen, aber bessere Performance

Wenig verwunderlich: Über das höchste Depotvermögen verfügen mit durchschnittlich 70.000 Euro die Bayern, knapp dahinter folgen die Hessen und Hamburger, wie eine Auswertung von rund 1,4 Millionen Wertpapierdepots von Privatkunden der Consorsbank zeigt. Im Gegensatz dazu fällt das Depotvolumnen in den neuen Bundesländern hingegen vergleichsweise mager aus: Sachsen bildet mit rund 38.000 Euro das Schlusslicht, Sachsen-Anhalt und Brandenburg liegen nur knapp darüber.

Bild: Consorsbank

Im Osten mögen die angelegten Summen zwar geringer sein, indessen trumpfen Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern im ersten Halbjahr 2021 aber bei der Performance des Depots auf: Mecklenburger belegen dabei sogar deutlich abgeschlagen den ersten Platz mit einem Plus von 14,5 Prozent. Mit zwölf Prozent folgt Thüringen, 11,7 Prozent schaffen Sachsen-Anhaltiner und Sachsen belegen mit 11,6 Prozent-Depot-Perfomance sogar den dritten Platz.

Schlusslicht ist Hamburg mit nur 10,8 Prozent Depot-Steigerung. Viel Geld auf der Kante hat also nicht zwangsläufig ein geschicktes Anlageverhalten zur Folge, wobei natürlich eine Rendite von über zehn Prozent aller Ehren wert ist.

Die drei beliebtesten Aktien sind …

Und wie sieht es im Ländervergleich bei der Wahl der Aktien aus? Unter den Top-3-Aktien, die im Untersuchungszeitraum (1.Halbjahr 2021) am häufigsten gehandelt worden sind, ist Biontech am meisten vertreten. In sieben Bundesländern ist der Corona-Impfstoff-Hersteller aus Mainz sogar der am häufigsten gehandelte Wert. Den zweiten Platz in der Rangliste belegt der Brennstoffzellenhersteller Plug Power, der Wasserstoff-Technologie-Spezialist NEL ASA landet auf dem dritten Platz.

Dass der Reiseveranstalter TUI in dem Zeitraum noch dabei ist, mag eher verwundern. Schließlich machte TUI im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro Verlust. Dennoch stieg der Unternehmenswert 2021 im Vergleich zum Vorjahr wieder an, immerhin haben sich auch wieder mehr Menschen getraut einen Flieger zu besteigen. Die Aufhebung der Reisebeschränkungen wirkte sich positiv auf den Aktienkurs aus.

Insofern könnten Anleger aus Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Sachsen-Anhalt, die das Touristikunternehmen besonders häufig in ihren Portfolios führten, mit ihrer Entscheidung nicht ganz falsch liegen. „Die Aussichten für TUI haben sich de facto aufgehellt“, resümierte gerade erst das Branchenmedium "Der Aktionär".

Frauen investieren seltener, sind aber sparsamer

Der Blick auf den Geschlechtervergleich wiederum fördert wenig Überraschendes zutage: Der Anteil männlicher Privatanleger ist bundesländerübergreifend stets wesentlich höher als der der Frauen. Nur durchschnittlich knapp 27 Prozent der Frauen (26,97) legen ihr Geld in Wertpapierdepots an, während es bei den Männern 73 Prozent sind. Im Hamburg liegt der weibliche Anteil mit 30,6 Prozent am höchsten, während Frauen in Niedersachsen am seltensten investieren (25 Prozent).

Wenngleich sich Frauen also in Sachen Investment zurückhalten, was womöglich auch etwas damit zu tun haben könnte, dass sie im Durchschnitt nach wie vor weniger als Männer verdienen, legen sie aber wesentlich mehr zur Seite: Ganze 22 Prozent ihres monatlichen Einkommens sparen Frauen, bei Männern sind es nur 16 Prozent, wie eine aktuelle Studie der Neobank N26, für die Nutzerdaten in vier europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien) verglichen worden sind, zeigt.

Eine Erklärung: „In Untersuchungen wurde festgestellt, dass das Kontrollsystem im Gehirn von Frauen größer ist als bei Männern”, sagt die Neurowissenschaftlerin Mira Fauth-Bühler, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Neuroökonomie an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management in Stuttgart. Demnach sei könne das weibliche Gehirn vermutlich risikoreiches und impulsives Verhalten besser unterdrücken. Ein Verhalten, dass jedoch eher dazu beitragen könnte, überhaupt den Gang aufs Börsenparkett zu wagen – im ungünstigen Fall aber auch zu hochriskanten, spekulativen Investments oder Kontoüberziehungen führen mag.

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