Zielgruppe Tätowierer: Ein Makler geht unter die Haut

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen Top News

Immer mehr Menschen lassen sich die Haut künstlerisch verschönern. Trotzdem ist der Tattoo-Studio-Markt überschaubar und nicht jedes Risiko ist versicherbar. Welche Policen Tätowierer nur schwerlich abschließen können und was stattdessen für sie infrage kommt – darüber sprach procontra mit Makler Michael Malik.

Malik Bild: privat

"Früher konnten viele Versicherer die Berufsgruppe nicht richtig einordnen": Makler Michael Malik versichert seit knapp 14 Jahren Tattoo- und Piercingstudios. Bild: privat

procontra: Sie beraten seit mehreren Jahren die Tätowierer- und Piercer-Branche. Wie kam es zu dieser Spezialisierung?

Michael Malik: Die Idee dazu ist erstmals 2008 entstanden. Damals belieferte ein Freund von mir Tattoo- und Piercingstudios mit Schmuck – und viele seiner Kunden sagten: Wir finden auf Versicherungsebene nichts, hör dich doch mal für uns um. Das war für mich die Initialzündung. Durch den Freund fing ich an, mich mit dieser Branche näher zu befassen. Aber ich musste lange an dem Konzept feilen, bis ich die Spezialisierung in die Tat umsetzen konnte.

procontra: Warum war es für diese Berufsgruppe damals schwierig, Versicherungen abzuschließen? Hat sich das mittlerweile geändert?

Michael Malik: Viele Versicherer waren skeptisch, sie konnten die Berufsgruppe nicht richtig einordnen, siedelten sie im Rotlicht-Milieu an. Ich habe damals mit etlichen Versicherern telefoniert und einige schließlich für die Branche gewinnen können. Auch heute ist die Auswahl der Versicherungsgesellschaften eingeschränkt. Nur ungefähr eine Handvoll versichert die Zielgruppe. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Tätowierer- und Piercer-Szene eine kleine Gruppe ist, der Markt ist stark begrenzt. Derzeit gibt es deutschlandweit rund 7.000 Studios – die Chancen auf Umsatz sind für die Versicherungsgesellschaften also nicht groß. Nach weiteren Versicherern suche ich nicht mehr. Die Gesellschaften, die aktuell Tätowierer und Piercer absichern, machen das schon sehr gut.

procontra: Welchen Bezug haben Sie zur Zielgruppe? Besitzen Sie selbst Tattoos?

Michael Malik: Der Tattoo-Trend ist an mir vorbeigegangen, ich habe keine Tätowierungen. Wichtiger ist, dass man als Makler weiß, was die Zielgruppe umtreibt. Ich habe den Zugang zur Branche durch meinen Freund bekommen. Er hatte tagtäglich mit den Menschen zu tun und erzählte mir beispielsweise, dass es nicht unüblich ist, Tätowierer-Koryphäen aus dem Ausland ins Studio zu holen, sozusagen als Gast-Tätowierer. Da wird es beim Versicherungsschutz knifflig: Der Tätowierer arbeitet für eine gewisse Zeit fest im Studio, ist aber nicht angestellt. Oder aber der Studioinhaber arbeitet mit Freiberuflern zusammen: Es gibt fünf Stühle im Studio, zwei werden an den Gast-Tätowierer oder Freiberufler vermietet. Für den Fall müssen bezüglich der Betriebs- und Berufshaftpflicht Sondervereinbarungen mit den Versicherern getroffen werden. Solche Punkte sind in der Beratung wichtig. Und darauf kann nur ein Branchenkenner aufmerksam machen.   

procontra: An welchen Versicherungen kommt die Berufsgruppe nicht vorbei?

Michael Malik: Auch hier gilt: Ohne Haftpflicht geht nichts. Unbedingt notwendig ist auch eine Unfallversicherung, die die Hände mit einer entsprechenden Summe absichert. Ein schwieriges Feld ist für Tätowierer die BU. Es gibt so gut wie keinen Versicherer, der dieser Berufsgruppe BU-Schutz anbietet und wenn, dann sind schnell 300 Euro Monatsbeitrag fällig – viel zu teuer also. Daher kommen alternative Produkte infrage, die eine Absicherung im Falle längerer Krankheit bieten. Möglich ist beispielsweise der Abschluss einer privaten Krankenversicherung mit Krankentagegeld oder einer Unfallversicherung, die bei Unfall oder bestimmten schweren Krankheiten eine monatliche Rente zahlt. Auch eine Betriebsunterbrechungsversicherung im Krankheitsfall kann sinnvoll sein.

procontra: Wie wichtig ist die Rechtsschutzversicherung? Gibt es häufig Klagen von Kunden, weil Motive nach Fertigstellung nicht der Absprache entsprechen?  

Michael Malik: Motive sind ein schwieriges Thema. Bei einem schlecht gemachten Motiv zahlt die Haftpflicht nicht, nur, wenn der Kunde verletzt wurde – und dann wird in der Regel auch das Nachtätowieren übernommen. Ich rate allen Tätowierern dazu, im Vorfeld die Einigung über das Motiv mit dem Kunden schriftlich festzuhalten. Das muss der Kunde unterschreiben und nach dem Tätowieren unterschreibt er nochmal, dass ihm das Motiv gefällt. Wenn man so verfährt, ist die Vereinbarung im Fall einer Auseinandersetzung für den Richter klarer.

procontra: Wegen der Pandemie waren Tattoo- und Piercingstudios zeitweise geschlossen. Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ihr Geschäft?

Michael Malik: Die Tätowierer- und Piercer-Branche hatte im Großen und Ganzen Glück. Ich habe seit Beginn der Pandemie nur sehr wenige Abmeldungen registriert. Ursprünglich hatte ich nach dem ersten Lockdown mit einer Pleitewelle gerechnet, aber mein Bestand ist solide geblieben. Ich kann mich also nicht beschweren. Aber natürlich weiß man nicht, was noch kommt. 

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