Warum der Hausbau immer teurer wird

Martin Thaler Berater Sachwerte

So stark wie zuletzt stiegen die Baupreise für Wohngebäude schon lange nicht mehr. Auch für 2022 gibt es keine Entwarnung. Was Experten Bauherren nun für die Finanzierung raten.

Baukosten Bild: Adobe Stock/Ingo Bartussek

Die Baukosten stiegen zuletzt so stark wie seit 1970 nicht, vermeldet das Statistische Bundsamt. Bild: Adobe Stock/Ingo Bartussek

Wer seine Mietwohnung gegen ein eigenes Haus eintauschen möchte, muss hierfür – sofern er neu bauen möchte – immer tiefer in die Tasche greifen. Denn der Neubau von Wohngebäuden wird immer kostspieliger, wie nun aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen.

So seien die Preise für den Bau neuer Wohngebäude im vergangenen November um 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Um einen stärkeren Anstieg innerhalb eines Jahres festzustellen, muss man weit in die Vergangenheit blicken. Laut den Wiesbadener Statistikern war ein stärkerer Anstieg zuletzt im August 1970 zu verzeichnen, als die Baupreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 17 Prozent anstiegen.  

Mehrwertsteuersätze wieder auf Normalniveau

Verantwortlich für diese Entwicklung ist zum einen die Rücknahme der befristeten Mehrwertsteuersenkung. Diese war im Frühjahr 2020 von Finanzminister Olaf Scholz bekannt gegeben worden, um mit „Wumms“ aus der Corona-Krise zu kommen und die Wirtschaft wieder durchstarten zu lassen. Seit 1. Januar liegen die Mehrwertsteuersätze jedoch wieder auf Normalniveau – und das macht sich entsprechend auch im Geldbeutel der Bauherren bemerkbar. Ohne den Mehrwertsteuereffekt wären die Baupreise rechnerisch nur um 11,6 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit.  

Größter Preistreiber der vergangenen Monate war allerdings die Preisentwicklung bei Baumaterialien. So ließen die gestiegenen Energiekosten den Preis für Stahl und Beton in die Höhe steigen. Doch vor allem für Holz mussten Häuslebauer richtig tief in die Taschen greifen. Laut Statistischem Bundesamt ließ die erhöhte Nachfrage nach Bauholz im In- und Ausland Zimmer- und Holzbauarbeiten um fast 40 Prozent teurer werden.  

Bauherren müssen Pläne einschrumpfen

Den Preisschub bekommen auch immer mehr Bauleute zu spüren: „Mehr als zwei Drittel der von uns befragten Bauleute sind von einer starken Kostensteigerung betroffen“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft beim Baufinanzierungsvermittler Interhyp. Ein Fünftel der insgesamt 110 Befragten (21 Prozent) gab an, dass sich ihr Bauvorhaben um 20 bis 40 Prozent verteuert habe. Bei fünf Prozent ist es sogar noch mehr. Fast die Hälfte (46 Prozent) erklärte, bei ihrem geplanten Traumhaus aufgrund der Preisentwicklung Abstriche in Kauf nehmen zu müssen und auf bestimmte Vorhaben wie Garage oder Carport vorläufig verzichtet zu haben.  

Zudem kommt es durch Lieferengpässe zu Verzögerungen. Während sich bei knapp der Hälfte Bauabschnitte nur um wenige Woche nach hinten verschoben, betrugen die Verzögerungen bei 41 Prozent zwischen drei und sechs Monaten. „Für knapp zehn Prozent hieß es es sogar, länger als sechs Monaten mit bestimmten Bauabschnitten ins Hintertreffen zu geraten“, berichtet Mohr.    

Ein Ende dieser Entwicklung sei bislang nicht absehbar. „Wir erwarten, dass sich die Preisspirale auch in 2022 zunächst weiter nach oben drehen wird“, so Mohr.  

Was Experten Bauherren jetzt raten

Was heißt das jetzt für die Finanzierung? Nach wie vor ist der Wille zum Eigenheimbau bei vielen ungebrochen. Die Beratungsgesellschaft PwC rechnet für 2022 bei Immobilienkrediten mit einem weiteren Rekordjahr. Mohr rät Bauwilligen dazu, die Kosten im Vorfeld so gut es möglich ist abzuklären und dabei insbesondere darauf zu achten, ob es eine Preisgarantie von Herstellerseite gibt. Auch ein Sicherheitspuffer von rund zehn Prozent sollten Bauherren einplanen.  

Angesichts der zeitlichen Verzögerungen am Bau gilt es auch für Kunden, die vertraglich zu vereinbarende bereitstellungszinsfreie Zeit im Auge zu behalten. Hierbei handelt es sich um den Zeitraum, in dem die Bank dem Kreditnehmer ein Darlehen zur Verfügung stellt, hierfür jedoch keine Zinsen für die Bereitstellung verlangt, wenn der Kunde dieses noch nicht vollständig abgerufen hat.  

Der Großteil der Kunden vereinbare hier eine Frist zwischen sechs und zwölf Monaten, berichtet Mohr. „Wir sehen mittlerweile, dass zwölf Monate oft nicht ausreichen und empfehlen je nach Bauvorhaben sogar bis zu 24 Monate, wenn die Banken dies mittragen.“  

Schwerer als die Baukostenentwicklung wiegt für viele – insbesondere jüngere Menschen – der Mangel an Eigenkapital. So hatte eine Interhyp-Umfrage im vergangenen Jahr offenbart, dass ohne Hilfe aus dem privaten Umfeld – sprich Erbschaft, Schenkung oder einen privaten Kredit – der Traum vom Eigenheim oftmals ein solcher bleibt.

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