Versicherer vermelden Neugeschäfts-Boom bei Riester-Renten

Martin Thaler Versicherungen

Im zweiten Corona-Jahr blieben die Versicherer bei der Geschäftsentwicklung hinter ihren Erwartungen zurück. Allerdings gibt es auch Aspekte, die in der Branche für Freude sorgen.

Vorsorge Bild: Adobe Stock/Marco2811

Bei der Riester-Rente verbuchten die Versicherer das beste Neugeschäft seit 2016. Bild: Adobe Stock/Marco2811

Vor genau zwei Jahren, am 27. Januar 2020, vermeldete die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml den ersten Corona-Fall für Deutschland: Ein 33-Jähriger aus dem Landkreis Starnberg hatte sich bei einer Fortbildungsveranstaltung bei einer chinesischen Kollegin angesteckt. Wie stark die Pandemie in den folgenden Jahren das Leben in Deutschland beeinflussen würde, ahnten zu diesem Zeitpunkt wohl nur die wenigsten.  

Auch die Versicherungswirtschaft wurde durch Corona stark beeinträchtigt. Im zweiten Jahr konnte die Branche spartenübergreifend dennoch ein Beitragsplus von 1,1 Prozent auf 223,4 Milliarden Euro verbuchen – das sei zwar zufriedenstellend, bemerkte GDV-Vorsitzender Wolfgang Weiler auf der diesjährigen Jahresmedienkonferenz, jedoch weniger als man sich zu Beginn 2021 vorgenommen hatte. Zudem lag das Ergebnis auch noch einmal unter dem des Vorjahres – dem ersten Corona-Jahr – als die Versicherer noch ein Gesamtbeitragswachstum in Höhe von 1,6 Prozent gemeldet hatten.  

310.000 neue Riester-Verträge

Es gab jedoch auch Entwicklungen, die seitens der Versicherer wohlwollend registriert wurden. Zu nennen ist hier an erster Stelle das gute Neugeschäft bei Riester-Verträgen. Die vielerorts in ihrer jetzigen Form bereits als tot geltende geförderte Altersvorsorge konnte im vergangenen Jahr so viele Neukunden überzeugen wie seit 2016 nicht mehr. Das Neugeschäft legte um 12 Prozent auf 310.000 Verträge zu, der Bestand an Versicherungs-Riesterverträgen blieb somit konstant bei 10,4 Millionen – auch, weil die Stornoquote mit 2,6 Prozent vergleichsweise gering war.  

„Viele Kundinnen und Kunden haben sich angesichts der laufenden politischen Debatte um Reformen der privaten Altersvorsorge noch einen Vertrag gesichert“, versuchte sich Weiler in einer Erklärung. Wie es mit Riester weitergeht, ist derzeit noch unklar. Zehn Versicherer bieten nach wie vor klassische Riester-Verträge an – oft jedoch mit Einschränkungen im Hinblick beispielsweise auf die Vertragslaufzeit –, viele Anbieter haben sich indes aus dem Geschäft zurückgezogen. Ihr Blick ist gen Berlin gerichtet, wo die Regierung über die Zukunft der geförderten Altersvorsorge berät.  

„Die Bundesregierung sollte die Voraussetzung dafür schaffen, dass es auch künftig noch eine geförderte private Altersvorsorge gibt. Darauf sind viele Menschen angewiesen, die von einer rein steuerlichen Förderung nicht so stark profitieren können“, bemerkte Weiler. Beraten will die Ampel-Regierung auch über eine staatliche Lösung mittels Vorsorge-Fonds nach schwedischem Vorbild. „Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen Prüfauftrag“, merkte Gerhard Müller, stellvertretender Vorsitzender des GDV-Präsidialausschusses Altersvorsorge und Zukunftsversicherung an. Man sei durchaus optimistisch, die Politik mit eigenen Vorschlägen zu einer Reform überzeugen zu können. Konkrete Gespräche seien allerdings noch nicht geführt worden – auch, weil sich die neue Regierung erst einmal orientieren müsse.  

Neugeschäft bei Basis-Rente legt um 40 Prozent zu

Erfreulich ist aus Versicherersicht auch die Entwicklung des Geschäfts mit der Basis-Rente. 119.000 Verträge wurden im vergangenen Jahr neu abgeschlossen – das bedeutet ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtbestand stieg dadurch um vier Prozent auf insgesamt 2,5 Millionen Verträge.  

Stagnation herrscht indes weiterhin bei der betrieblichen Altersversorgung. Zwar stieg der Vertragsbestand von 16,4 auf nun 16,5 Millionen – von einem Durchbruch bei der Verbreitung, wie er durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz erreicht werden sollte, kann nach wie vor jedoch keine Rede sein. Die Ampel-Koalition möchte die betriebliche Altersversorgung darum weiter stärken – so soll unter anderem die Kapitalanlage in renditeträchtigere Anlagen ermöglicht werden. Das bedeutet im Umkehrschluss: Einen Verzicht beziehungsweise eine Reduzierung von Garantien – eine Maßnahme, die sich die Versicherer auch für die Riester-Rente wünschen. Es gelte darum, „Freiraum zu schaffen“, erklärte Weiler, „Raum für breitere Anlagemöglichkeiten, Raum für mehr Renditechancen“. Dies setze aber voraus, dass die Garantien mit Augenmaß gelockert werden, so Weiler.  

Beitragswachstum bis zu drei Prozent erwartet

Die politischen Rahmenbedingungen sind – neben der wirtschaftlichen Perspektive der privaten Haushalte – auch maßgeblich dafür, wie sich das Geschäft der Versicherer in diesem Jahr entwickeln wird. Von gedämpften Geschäftserwartungen geht die Branche allein schon durch Corona aus – so wird lediglich ein Beitragswachstum zwischen einem und zwei Prozent erwartet. Insbesondere bei klassischen Produkten sind die Erwartungshaltungen gering – hier dürfte das Wachstum – wenn überhaupt – unter dem genannten Korridor liegen. Für kapitalmarktorientiertere Produkte, wie beispielsweise Fondspolicen, erwarten die Versicherer indes eine stärkere Entwicklung.  

Spartenübergreifend – also Lebensversicherung sowie Kranken- und Schaden-/Unfallversicherung zusammen betrachtet – könnte das Wachstum bis zu drei Prozent betragen.

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