Verbraucherschützer klagen gegen Union Reiseversicherung

Martin Thaler Versicherungen Berater

Viele Reiseversicherer schließen eine Pandemie als Leistungsfall aus. Aus diesem Grund zieht nun die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen die Union Reiseversicherung ins Feld.

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Kann der Leistungsausfall aufgrund einer Pandemie von einem Reiseversicherer grundsätzlich ausgeschlossen werden? Mit dieser Frage muss sich nun das Münchener Landgericht beschäftigen. Bild: Adobe Stock/Thaut Images

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat Klage gegen die zur Versicherungskammer Bayern gehörende Union Reiseversicherung vor dem Landgericht München eingereicht. Grund ist die Tatsache, dass eine Covid-19-Erkrankung generell als Reiserücktrittsgrund nicht anerkannt werde, da „Schäden durch Pandemien“ ausgeschlossen seien.  

„Das verstehen Verbraucher:innen ganz anders“, sagt Rita Reichard, Versicherungsrechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW. „In dieser Form sind normalerweise Schäden durch Krieg, Streik oder Kernenergie formuliert, sogenannte Kumulschäden im Versicherungsrecht, die zeitgleich viele Personen betreffen. Hier geht es aber um die Erkrankung einzelner Versicherter.“  

Nicht auf Abmahnung reagiert

Ein genereller Ausschluss von Covid 19-Erkrankungen ist aus Sicht der Verbraucherzentrale intransparent und sei auch nicht mit den Vorschriften für Allgemeine Versicherungsbedingungen vereinbar. „Damit sind solche Versicherungsbedingungen nach unserer Auffassung unwirksam“, so Reichard. Da der Versicherer nicht auf eine Abmahnung seitens der Verbraucherschützer in Form einer Unterlassungserklärung reagierte, werde nun der Klageweg beschritten, teilte die Verbraucherzentrale mit.  

Auch in diesem Jahr empfiehlt es sich – nicht zuletzt aufgrund des pandemischen Geschehens – den Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung zu prüfen. Insbesondere für Familien, die mit kleinen Kindern reisen, kann der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung Sinn machen, da hier das Risiko einer kurzfristigen Erkrankung und somit einer Stornierung der Reise höher ist. In diesen Fällen, aber auch bei anderen unvorhergesehenen Ereignissen wie einem Todesfall oder einer betriebsbedingten Kündigung, greift eine Reiserücktrittsversicherung und erstattet die anfallenden Stornokosten.

Im Hinblick auf den Umfang des gebotenen Versicherungsschutzes gibt es allerdings deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern, wie ein aktueller Überblick der Zeitschrift „Finanztest“ offenbart (die Testsieger finden Sie hier).  

Große Unterschiede bei Corona

Auch im Hinblick auf eine Corona-Erkrankung fallen die Unterschiede ins Gewicht. Nur in 16 der untersuchten 50 Tarife war auch der Pandemiefall versichert. 18 Tarife schlossen hingegen eine Pandemie als Versicherungsfall aus. Dass von der Verbraucherzentrale nun nur gegen die Union Reiseversicherung geklagt wird, bedeutet nicht, dass diese hier noch einmal negativ im Hinblick auf ihre Versicherungsbedingungen heraussticht ­– vielmehr steht die VKB-Tochter stellvertretend auch für die übrigen Anbieter in der Schusslinie.  

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass auch die Union – wie viele andere Anbieter auch – einen Extra-Corona-Schutz anbieten. Dieser kann bei der Union für 0,6 Prozent der Reisekosten hinzugebucht werden und sichert für den Fall ab, dass der Reisende seinen Trip aufgrund einer Covid-19-Erkrankung beziehungsweise aufgrund der Tatsache, dass er in Quarantäne muss, nicht antreten kann.  

Dieser Schutz sollte aber nicht zusätzlich nötig, sondern bereits in der Reiserücktrittsversicherung automatisch inkludiert sein, argumentiert die Verbraucherzentrale. Die Versicherungskammer Bayern wollte sich zu der Klage indes nicht äußern. Nun bleibt abzuwarten, wie das Münchener Landgericht die Angelegenheit bewertet. Im Erfolgsfall könnten auch zahlreiche andere Anbieter gezwungen sein, ihre Tarife anzupassen.

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