Standards für Nachhaltigkeit kommen später – was tun?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung IDD Top News

Neue EU-Verordnungen sollen mehr Transparenz bei der Nachhaltigkeit bringen. 34d- und 34f-Vermittler müssen ab August 2022 die Präferenzen ihrer Kunden bei Fonds und Fondspolicen abfragen, doch die technischen Standards dafür kommen erst 2023.

Vermittler müssen in die Beratung künftig Nachhaltigkeitsrisiken einbeziehen, doch die harten Kriterien kommen laut EU-Kommission erst ein Jahr später. Bild: Pixabay/anncapictures

Vermittler müssen in die Beratung künftig Nachhaltigkeitsrisiken einbeziehen, doch die harten Kriterien kommen laut EU-Kommission erst ein Jahr später. Bild: Pixabay/anncapictures

Die Transparenzverordnung (englisch: Sustainable Finance Disclosure Regulation) zwingt die Finanzbranche zu mehr Transparenz rund um das Thema Nachhaltigkeit. Diese Verordnung (kurz: TVO) bringt im Moment jedoch vielfach Unsicherheit, weil sie zeitlich der geplanten Änderungsverordnung zu den Delegierten Verordnungen zur IDD vorgreift, die auf Änderungen beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten dringt.

Ab 2. August 2022 kommen weitere Beratungspflichten über die TVO hinaus: Vermittler müssen dann auch aktive Frage- und Beratungspflichten beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten wie Fondspolicen und andere Kapital-Lebensversicherungen beachten (Taxonomie-Verordnung). Folge: Damit Versicherungsanlageprodukte den Kundenpräferenzen entsprechen, wird die Beratung also noch differenzierter. Vermittler sind dann verpflichtet, die Wünsche und Ziele der Kunden bei der Produktauswahl einzubeziehen und müssen dies auch schriftlich zu dokumentieren.

Ab August verschärfte Beratung zu Nachhaltigkeitspräferenzen?

Betroffene Berater müssen wohl ab August 2022 nicht nur die Präferenz ihrer Kunden zu Produkten abfragen, sondern auch über die Nachhaltigkeit der Produkte berichten. „Die gesetzliche Aufgabenstellung ist klar formuliert, nicht hingegen bislang die Umsetzungskriterien“, sagt Bernward Maasjost, Geschäftsführer des Maklerpools [pma:] Finanz- und Versicherungsmakler GmbH. Es gebe noch keine belastbaren Kriterien für nachhaltige Produkte im Rahmen der sogenannten Taxonomie.

Daran wird sich vorerst auch nichts ändern. Voraussetzung wäre nämlich das Inkrafttreten eines sogenannten technischen Regulierungsstandards (RTS) zur einheitlichen Bestimmung der Nachhaltigkeitsfaktoren. Das Europäische Finanzaufsichtssystem (ESA) hatte zwar Ende Oktober 2021 der EU-Kommission einen ersten RTS-Entwurf vorgelegt, der zum 1. Januar 2022 in Kraft treten sollte.

EU-Kommission: Standards kommen erst 2023

Nun hat die EU-Kommission entschieden, den ursprünglichen Starttermin der RTS um ein ganzes Jahr auf den 1. Januar 2023 zu verlegen. „Dadurch ist die sinnvoll aufeinander aufbauende Gesetzgebung komplett auf den Kopf gestellt“, berichtet Rechtsanwalt Martin Klein, geschäftsführender Vorstand des Verbandes Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa (VOTUM).

Hintergrund: Ursprünglich hätte die Beratungspflicht erst zu einem Zeitpunkt gegolten, an dem bereits verbindliche standardisierte Informationen in Bezug auf die Taxonomie zur Verfügung stehen. „Nur auf Basis der RTS gibt es für Berater ein gesetzlich abgesichertes Fundament für die Beurteilung und Einordnung der jeweils am Markt angebotenen Kapitalanlagen und Versicherungsanlageprodukte“, heißt es bei VOTUM.

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