Standards beim Unternehmensschutz: Was ist notwendig, was verzichtbar?

Berater Versicherungen Top News von Lilian Fiala

Egal ob groß oder klein, Marktführer oder Spezialbedarf: Der richtige Versicherungsschutz ist für alle Unternehmen von großer Bedeutung. Doch welche Policen sind wirklich nötig?

Unternehmensschutz, Bild: Adobe Stock/ TimeStopper

Der richtige Versicherungsschutz ist für alle Unternehmen enorm wichtig. Welche Policen dringend notwendig sind erfahren sie hier. Bild: Adobe Stock/ TimeStopper

Cyberangriffe, Naturkatastrophen, ein strengeres Lieferkettengesetz – die Risiken, denen Unternehmen ausgesetzt sind, werden immer vielfältiger. Umso wichtiger ist es, dass die Firmen richtig versichert sind. Doch das ist gar nicht so unkompliziert: „Es gibt nicht die eine, abschließende Liste an Versicherungen, die man einem Gewerbetreibenden oder einem Betrieb empfehlen kann“, sagt Andreas Lindermeir, Leiter des Bereichs Produktentwicklung Gewerbekunden bei der Allianz. Der Versicherungsschutz sei in jedem Fall eine sehr individuelle Frage, die von Fall zu Fall bearbeitet werden muss. „Mit der Unternehmensgröße steigt der Individualisierungs- und damit auch der Beratungsbedarf“, sagt Lindermeir. Dennoch gibt es einige Policen, die Unternehmer unbedingt auf dem Schirm haben sollten.

Betriebs- und Produkt- und Vermögenschadenhaftpflicht

Ähnlich wie jede Privatperson sollten auch Unternehmen eine Haftpflichtversicherung abschließen. Ein Firmeninhaber haftet nämlich nicht nur für die eigenen Fehltritte, sondern auch für die Schäden, die seine Mitarbeiter mitunter verursachen. Die Betriebshaftpflicht deckt Personen- oder Sachschäden an Dritten beziehungsweise an deren Eigentum ab und ist ein Grundbaustein für den Versicherungsschutz aller Firmen. Vermittler können Unternehmen, die bestimmte Dinge produzieren, zusätzlich eine Produkthaftpflichtversicherung empfehlen. Sie schützt Hersteller vor den Schadensersatzansprüchen Dritter, wenn das Produkt fehlerhaft ist und dadurch Personen- oder Sachschäden entstehen.

„Eine weitere Versicherung ist die Vermögensschadenhaftpflicht – die ist für viele Unternehmen jedoch nicht ganz so entscheidend“, sagt Mark Wilhelm, Berater und Rechtsanwalt in der Kanzlei Wilhelm Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB. Vermögensschäden sind Schäden, die nicht als Folge eines Personen- oder Sachschadens entstehen. Besonders in beratenden Berufen können solche Schäden schwerwiegende Folgen haben. Deshalb ist die Vermögensschadenhaftpflicht, oft auch als Berufshaftpflicht bezeichnet, für bestimmte Berufsgruppen verpflichtend. Dazu gehören Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Vertrauensschadenhaftpflicht

Vertrauen Sie ihren Mitarbeitern und Kollegen? Berater können Geschäftsführern, die diese Frage nicht aus vollem Herzen mit „Ja“ beantworten können, eine Vertrauensschadenhaftpflicht für ihr Unternehmen ans Herz legen. Die Police greift, wenn Mitarbeiter im Unternehmen sich oder einen dritten durch strafbare Handlungen bereichern. Dazu zählt etwa der Schutz vor Schäden durch Diebstahl und Betrug sowie die Abdeckung von Schäden durch Unterschlagung und Untreue. Der Schadensummen sind in solchen Fällen aber meist geringer als bei anderen Sachschäden.

D&O-Versicherung

Deutschland hat das schärfste Haftungssystem für Manager weltweit. Die D&O-Versicherung, oft auch als Managerhaftpflicht bezeichnet, ist deshalb für Unternehmen in jeder Größenordnung relevant. „Unternehmerisches Handeln ist ohne die entsprechende Versicherung in Deutschland kaum noch möglich“, sagt Rechtsanwalt Wilhelm. Denn: Management-Handlungen haben fast immer ein gewisses Risiko – ohne lassen sich kaum Entscheidungen treffen oder Innovationen vorantreiben. Diese Entscheidungen sind nicht immer unkritisch. Geht etwas schief, muss ein Manager ohne entsprechende Versicherung sofort persönlich dafür haften. „Die Verantwortung, die Manager hierzulande tragen, ist riesig. Die Gesetzgebung ist an dieser Stelle nachhaltig innovationsfeindlich“, sagt Wilhelm.

Gebäude- und Inhaltsversicherung

Ganz anders sieht es bei Sachversicherungen aus. Wirtschaftlich sind sie am bedeutsamsten. Das ist logisch: Wird das Gebäude- oder der Inhalt einer Firma durch Brände, Hochwasser oder Sturm beschädigt, ist der entstehende Schaden enorm hoch und sollte in jedem Fall abgesichert sein. Die Gebäudeversicherung deckt dabei in der Regel alle vertraglich festgehaltenen Gebäude, also Bürogebäude, Lagerhallen, Garagen, Produktionshallen oder Verkaufsräume. Auch Besitzer von Hotelanlagen und Restaurants können eine Gebäudeversicherung abschließen. Alles, was sich in den Gebäuden befindet, lässt sich wiederum über die Inhaltsversicherung absichern.

Je nach Unternehmen lohnt es sich, den Sachversicherungsschutz zu erweitern. „Wenn Betriebe dazu beitragen, dass etwas Neues entsteht, lohnt sich oft eine Maschinen- und Montageversicherung“, sagt Wilhelm. Der Umfang der Policen ist in vielen Fällen sehr hoch. „Oft handelt es sich um milliardenhohe Deckungssummen, mit 20 bis 30 Versicherern, die sich daran beteiligen“, erklärt der Rechtsanwalt. In Branchen wie der Logistik oder der IT sind wiederum andere Zusatzpolicen interessant. „Für einige Betriebe lohnt sich eine Elektronik- oder Transportversicherung“, sagt Allianz-Experte Lindermeir. Die Essenz der Versicherungen steckt bereits im Namen: Über die Elektronikversicherung sind technische Geräte, wie Server, Geräte aus der Mess- und Prüftechnik, aber auch Daten, die für die Grundfunktion der versicherten Sachen benötigt werden, geschützt. Eine Transportversicherung schützt Unternehmen gegen Schäden beim Warentransport.

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