So funktioniert Krankenversicherung für Grenzgänger in die Schweiz

Gastkommentar Berater Versicherungen Top News von Harald Wesely

Hohe Löhne in der Schweiz, niedrigere Lebenserhaltungskosten in Deutschland – das Pendeln zur Arbeit in die Schweiz stellt für viele Arbeitnehmer eine interessante Option dar. Beim Krankenversicherungsschutz gibt es jedoch einiges zu beachten, wie Makler und Grenzgänger-Spezialist Harald Wesely in seinem Gastbeitrag verrät.

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Wer in der Schweiz arbeiten, in Deutschland aber wohnen möchte, muss bei seinem Krankenversicherungsschutz einiges beachten. Bild: Adobe Stock/Jürgen Fälchle

Das Modell „Leben in Deutschland – Arbeiten in der Schweiz“ wird für immer mehr Menschen eine interessante Alternative. Die im Verhältnis deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten in Deutschland und das hohe Gehalt in der Schweiz sind hierfür Gründe. Theoretisch besteht für Grenzgänger die Wahl zwischen drei möglichen Krankenversicherungsvarianten – in der Praxis ist jedoch nur eine davon wirklich sinnvoll.

Das Krankenversicherungssystem in der Schweiz

In der Schweiz ist die Krankenversicherung ebenso eine Pflichtversicherung wie in Deutschland. Jeder Arbeitnehmer muss sich bei einer Schweizer Krankenversicherung nach KVG (Krankenversicherungsgesetz) versichern oder sich befreien lassen. Dabei kennt die Schweiz keine Unterscheidung in Gesetzliche und Private Krankenversicherung, so wie wir das in Deutschland kennen. Es gibt für alle einheitlich die obligatorische Grundversicherung nach KVG. Diese Grundversicherung ist bei allen Krankenkassen nahezu identisch und umfasst die wirtschaftliche und wirksame Behandlung im Krankheitsfall. Ergänzend zur Grundversicherung bieten diese Krankenkassen leider keine wichtigen Zusatzversicherungen für Grenzgänger an um gegebenenfalls bestehende Versicherungslücken zu schließen.

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Das Wahlrecht für Grenzgänger: 3 Optionen sind möglich

Für Grenzgänger gibt es neben der Pflichtversicherung nach KVG auch die Option, sich von der Krankenversicherungspflicht in der Schweiz befreien zu lassen. Dafür muss die Mitgliedschaft bei einer deutschen Krankenversicherung nachgewiesen werden – entweder PKV oder GKV. Aus diesem Grund stehen viele angehende Grenzgänger vor der Wahl, für welche Art der Krankenversicherung sie sich entscheiden sollen. Schaut man etwas genauer hin, ist jedoch nur eine der Option für das Gros der Grenzgänger wirklich ratsam.

Option 1: Freiwillige Mitgliedschaft in der deutschen GKV

Die erste Möglichkeit wäre die freiwillige Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland. In diesem Modell haben Grenzgänger den gleichen Versicherungsschutz wie alle anderen Mitglieder der GKV, jedoch mit zwei entscheidenden Nachteilen:

  • hoher Versicherungsbeitrag ohne Arbeitgeberzuschuss
  • hohe Zuzahlungen bei Behandlungen in der Schweiz

Das Schweizer System kennt keinen Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung. Grenzgänger müssen den gesamten Versicherungsbeitrag selbst bezahlen. Zusätzlich bemisst sich der Beitrag am Einkommen, weswegen viele Grenzgänger den Höchstbetrag zur GKV entrichten müssen. Im Vergleich zur Schweizer Variante ein deutlich höherer Beitrag.

Zweitens besteht das Risiko, bei Behandlungen in der Schweiz eine hohe Zuzahlung aus eigener Tasche leisten zu müssen. Die Behandlungskosten in der Schweiz sind ebenso deutlich teurer und werden durch die GKV nicht komplett getragen. Für wen lohnt sich die GKV als Grenzgänger? Arbeitnehmer, die Ehepartner und Kinder mitversichern wollen beziehungsweise solche mit einem geringen Einkommen. In der Schweiz wird für jedes Familienmitglied ein Zusatzbeitrag fällig, während in der GKV Familienangehörige mitversichert sind.

Option 2: Private Krankenversicherung in Deutschland

Die zweite Variante ist die PKV mit alle ihren Vor- und Nachteilen. Für Grenzgänger ist wieder zu beachten, dass es keinen Arbeitgeberzuschuss gibt und somit 100 Prozent des Beitrags selbst zu tragen sind. Außerdem werden unter Umständen nicht alle Kosten in der Schweiz getragen oder nur anteilig erstattet (GOÄ).

Option 3: Schweizer Grundversicherung nach KVG

Die mit Abstand günstigste Variante der Krankenversicherung für Grenzgänger ist die Versicherung bei einer Krankenkasse in der Schweiz. Die drei Anbieter Sympany, SWICA und Helsana haben spezielle Grenzgänger-Tarife für die obligatorische Grundversicherung. Bis zum 25. Lebensjahr kostet die Variante zum Beispiel bei der Sympany 146,60 Schweizer Franken (CHF) und ab 26 Jahren 183,60 CHF pro Monat.

Was spricht neben den günstigen Beiträgen für die Versicherung nach KVG?

  • Rückkehr in die GKV bei Beschäftigungsende garantiert
  • durch EU/EFTA Modell und Formular E106/S1 Versicherungsschutz auf GKV-Niveau in Deutschland
  • Behandlung in der Schweiz mit kleiner Zuzahlung genannt Franchise (Grundversicherung)
  • geringer Selbstbehalt / Selbstbeteiligung KVG bei Behandlungen in Deutschland

Diese Vielzahl an Vorteilen macht die Entscheidung für die Grenzgänger-Krankenversicherung recht einfach. Für 95 Prozent aller Grenzgänger ist es sinnvoll, die Krankenversicherung in der Schweiz zu wählen. Nur in wenigen Ausnahmefällen (beispielsweise bei Familien mit Kindern oder geringem Einkommen) sollte man genauer hinschauen und vergleichen.

Ganz ohne Nachteile ist die Versicherung nach KVG jedoch nicht. Beispielsweise im Bereich der Pflegeversicherung muss der Grenzgänger privat vorsorgen. Im Modell KVG ist er zwar ebenso abgesichert wie ein GKV-Versicherter in Deutschland, jedoch mit der Einschränkung, dass nur Sachleistungen erstattet werden. Es gibt keine Kostenerstattung für beispielsweise die häusliche Pflege durch Familienangehörige. Im Durchschnitt sind 84 Prozent Geldleistungen – die somit nicht abgesichert sind.

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