Schadenbearbeitung: Allianz will Einsatz von Künstlicher Intelligenz ausbauen

Martin Thaler Versicherungen

Seit Oktober setzt die Allianz in der Schadenbearbeitung der Kfz-Kaskoversicherung auf Künstliche Intelligenz. Für Versicherer, aber auch Kunden bietet der verstärkte Einsatz Potenzial.

Blechschaden Bild: Adobe Stock/indigo_nifght

Für die Bearbeitung leichter Blechschäden setzt die Allianz verstärkt auf Künstliche Intelligenz. Bild: Adobe Stock/indigo_nifght

Es war eine Nachricht, die im März 2020 für gespitzte Ohren sorgte – zumindest in Branchenkreisen: Die Allianz gab damals bekannt, über ihre digitale Investment-Einheit Allianz X die Mehrheit an Deutschlands größtem Schadenregulierer, der Control Expert GmbH, zu übernehmen. Das Langenfelder Unternehmen gilt als Marktführer im Bereich der Schadensabwicklung mittels Künstlicher Intelligenz.

Nicht bei jeder Firmenübernahme wird dem Beobachter sofort klar, welcher Zweck mit dem Kauf verfolgt wird. Bei Control Expert kann davon keine Rede sein – laut eines Berichts der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gingen im vergangenen Jahr rund 2,3 Millionen Schadensmitteilungen bei der Allianz ein. Diese möglichst schnell und damit im Sinne der Kundenzufriedenheit abzuarbeiten, erfordert einen hohen personellen Aufwand. Kann ein Teil hiervon mittels künstlicher Intelligenz abgedeckt werden, schafft das nicht nur zeitliche Ressourcen und spart Geld, sondern kann auch zu einem Mehr an Kundenzufriedenheit führen.  

30.000 Schadenmeldungen bearbeitet

Seit Oktober vergangenen Jahres setzt die Allianz nun Künstliche Intelligenz für die Bearbeitung von Kasko-Schäden ein, erklärte Christopher Iwanowski, Leiter der Schadenentwicklung bei der Allianz Versicherungs AG gegenüber der „FAZ“. Ein lohnenswerter Bereich – die Allianz ist in der Kfz-Versicherung die Nummer 2 am Markt hinter der HUK-Coburg, Millionen Autofahrer haben ihre Versicherung bei den Münchenern abgeschlossen.  

Rund 30.000 Schadenmeldungen konnte die Allianz laut Iwanowski nun mittels Künstlicher Intelligenz abwickeln. In optimalen Fällen läuft es folgendermaßen: Nach einem geringeren Blechschaden fotografiert der Kunde die Beulen und Dellen an seinem Auto, schickt die Fotos über sein Smartphone an die Allianz, wo die Künstliche Intelligenz die Schadenhöhe einschätzt. Wenn der Kunde es wünscht und die Software es absegnet, wird der veranschlagte Betrag sofort überwiesen, ohne dass ein Sachbearbeiter noch einmal den Vorgang in Augenschein nimmt.  

Bei der Allianz ist man mit den gemachten Erfahrungen offenbar zufrieden und will die Künstliche Intelligenz perspektivisch auch bei komplexeren Schadenfällen sowie in der Haftpflichtversicherung zum Einsatz bringen. 

Einsatz gegen Versicherungsbetrug

Die freiwerdenden zeitlichen Ressourcen der Schadenbearbeiter sollen stattdessen in die Bearbeitung komplexer Schadenfälle fließen. Zumal – gerade wenn es hier zu Ungereimtheiten kommt – der menschliche Spürsinn beziehungsweise die menschliche Intuition dem Computer noch überlegen sind. Bei sich wiederholenden Schäden kann die Künstliche Intelligenz jedoch schneller als der Mensch Muster erkennen und gemachte Angaben zum Unfallgeschehen auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüfen.  

Die Eindämmung von Versicherungsbetrügereien hat für viele Versicherer Priorität. Der Branchenverband GDV schätzt jährlich durch Betrug entstandenen Schaden für die Unternehmen auf fünf Milliarden Euro. In der Corona-Pandemie verzeichnete die Allianz sogar noch einmal mehr dubiose Schadensmeldungen – die nun zum Einsatz kommende Künstliche Intelligenz könnte ein geeignetes Mittel sein, diesen Trend umzukehren.

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