Riester: Kundenfrust bei Debeka, Proxalto & Co.

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Die Riester-Rente ist 20 Jahre alt und hat akuten Reformbedarf. Geändert hat die alte Regierung nichts. Gerade bei den Kosten müssen die Versicherer mehr Fairness walten lassen, wie Beispiele von Finanztest zeigen.

Die Riester-Kosten sind mitunter intransparent. Hier sollten Vermittler für Klarheit beim Kunden sorgen. Bild: Pixabay/Michael Schwarzenberger

Die Riester-Kosten sind mitunter intransparent. Hier sollten Vermittler für Klarheit beim Kunden sorgen. Bild: Pixabay/Michael Schwarzenberger

20 Jahre nach ihrer Einführung ist die Riester-Rente hinsichtlich Rentabilität, Marktdurchdringung, gewünschter Kundengruppen sowie Verbreitung ein Erfolg. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Die Riester-Rente: ‚Abwracken‘ oder ‚Aufrüsten‘?“. Die durchschnittliche Nettorendite nach Kosten, Förderung und Besteuerung betrug demnach 3,4 Prozent für das Jahr 2018.

Dennoch müssten Fördersystematik und laufende Verwaltung  deutlich vereinfacht werden. Ebenso sollte die obligatorische Beitragsgarantie flexibilisiert und den Kunden die Wahlmöglichkeit gegeben werden, in chancenreichere Produkte zu investieren. Die Riester-Rente soll einfacher, billiger und effizienter werden. Dies bestätigt auch eine Umfrage der Stiftung Warentest, veröffentlicht in der Februar-Ausgabe von Finanztest.

Danach gibt es laut Finanztest-Übersicht derzeit für Neukunden nur noch einen einzigen Fondssparplan-Anbieter, keinen Anbieter für einen Banksparplan, sechs Anbieter für Wohn-Riester und 35 Versicherer, die Riester-Tarife anbieten. 17 dieser Versicherer haben einen Tarif mit Garantiezins.

Weniger Garantiezins bei erhöhtem Eigenbeitrag

Kritik gibt es in einer parallelen Leser-Umfrage vor allem zu hohen Kosten bei Riester-Rentenversicherungen und neuerdings auch zu Problemen mit der bisherigen Garantiehöhe bei Gehaltserhöhung. So reklamierte ein Kunde mit bisher 2,25 Prozent Garantiezins seiner Riester-Rentenversicherung bei der Debeka, dass der Versicherer für den Teil des erhöhten Eigenbeitrags nach einer Gehaltserhöhung nun nur noch 0,25 Prozent Garantie gibt. Das Problem ist auch in der bAV-Entgeltumwandlung mit dem AG-Zuschuss in Bestandsverträgen bekannt.

„Es geht womöglich nicht ohne Anwalt“, schreibt Finanztest, denn die Debeka weise Kunden ab und habe in der Sache schon vor mehreren Land- und Amtsgerichten Recht bekommen. Andererseits gibt es auch anders lautende Urteile. Das OLG Koblenz hatte im letzten Sommer einen Vergleich vorgeschlagen, den beide Seiten angenommen haben (Az.: 10 U 1500/20). Demnach bleibt es bei dem ursprünglich vereinbarten Rechnungszins, solange der Kunde im vereinbarten Versicherungstarif verbleibt.

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