Reisepolicen: Finanztest sieht weniger Fallen wegen Corona

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Auslandsreisen sind wegen Corona erschwert, Inlandsreisen wegen der 2G+-Regel auch kein Vergnügen. Demnach könnten Rücktritts- oder Abbruch-Versicherungen besonders wertvoll sein. Doch die Leistungen sind nicht immer top.

Viele sehnen Palmen und Strand herbei. Eine Police für Kostenübernahme bei Stornierung oder Reiseabbruch sollten im Gepäck sein. Bild: Pixabay/Máté Markovics

Viele sehnen Palmen und Strand herbei. Eine Police für Kostenübernahme bei Stornierung oder Reiseabbruch sollten im Gepäck sein. Bild: Pixabay/Máté Markovics

Die Liste des Auswärtigen Amtes für Länder mit Reisewarnungen wächst vor allem wegen der Omikron-Variante des Corona-Virus weiter an. Reisende sollten nicht nur für Infektionsschutz sorgen, sondern auch die finanzielle Absicherung bei Reiserücktritt oder -abbruch neben der Auslandsreise-Krankenversicherung im Blick behalten. Die Policen sollten vor allem auch Corona-tauglich sein.

Die Versicherer übernehmen die mit Reiserücktritt oder -abbruch verbundenen Kosten, wenn der Grund eine schwere Erkrankung wie Corona, ein Todesfall oder eine Schwangerschaftskomplikation ist. Auch andere unvorhersehbare Ereignisse wie Kurzarbeit oder eine betriebsbedingte Kündigung sind versichert und somit indirekte wirtschaftliche Folgen der Pandemie. Mitunter kommt es zum Streit, weil Fallen bei Corona im Kleingedruckten lauern, wie auch Entscheidungen des Versicherungsombudsmanns zeigen.

Viele Policen nur eingeschränkt Corona-tauglich

Die Rücktrittsversicherung übernimmt auch die Stornokosten, falls der Reisende selbst oder eine sogenannte Risikoperson wie ein Kind, der Lebenspartner oder die Eltern in eine versicherte Notlage gerät und beispielsweise an Corona erkrankt. Aber viele Policen sind nur eingeschränkt Corona-tauglich. Wird das Zielland erst nach der Buchung vom Auswärtigen Amt als Risikogebiet eingestuft, kann man nicht auf Kosten des Versicherers stornieren, sondern muss sich an den Reiseveranstalter oder die Airline wenden, schrieb Finanztest in der Januar-Ausgabe 2021.

Ein neuerlicher Test, publiziert von Finanztest in der Januar-Ausgabe 2022, ergab nun: Testsieger sind die Hanse-Merkur, die Travelsecure und die Europ Assistance. Einen „Corona-Rundum-Schutz“ bietet nach Ansicht der Verbraucherschützer allerdings nur die Hanse-Merkur. Beurteilt wurden 130 Tarife, von denen 48 Vollschutztarife ohne Selbstbeteiligung im Heft vorgestellt werden, die den Pandemiefall mindestens eingeschränkt versichern. Über Policen mit Selbstbeteiligung informieren die Tester nur online.

Wie Finanztest jetzt gewertet hat

Die Bewertung erfolgt in Form von Schulnoten und setzt sich aus drei Teilwertungen zusammen, die unterschiedlich gewichtet wurden. In der Kategorie Reiserücktritt (65 Prozent Anteil am Gesamturteil) gingen die Tester unter anderem der Frage nach, in wieweit Pandemien abgedeckt sind. „Manche Anbieter leisten nicht, wenn eine Pandemie den Schaden auslöste, andere nur dann nicht, wenn bei Reiseantritt eine Reisewarnung vorlag“, heißt es.

Die Bedingungen zu einem Reiseabbruch (25 Prozent) wurden unter anderem dahingehend analysiert, ob der Versicherer in einem solchen Fall zusätzliche Kosten trägt und nicht in Anspruch genommene Leistungen erstattet. Oder ob er bei einer verspäteten Rückkehr Mehraufwendungen für Rückreise, Unterkunft und Verpflegung übernimmt. Die Verständlichkeit der Vertragsunterlagen ging zu zehn Prozent in die Wertung ein. Maßstab war dabei der sogenannte Hohenheimer Verständlichkeitsindex.

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