„Provisionsabzocke den Kampf ansagen“

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Die jüngste Ankündigung der BaFin, die Provisionen für Lebensversicherungen genauer prüfen zu wollen, stößt in der Branche auf geteilte Meinung. Während der BVK dafür keinen Anlass sieht, interpretieren Verbraucherschützer den Vorstoß als Kampfansage gegen unrechtmäßige Gebühren.

Provisionsabzocke den Kampf ansagen Bild: Bund der Versicherten

Wirft der Branche Provisionsabzocke vor: BdV-Chef Axel Kleinlein. Bild: Bund der Versicherten (BdV)

Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die Finanzaufsicht BaFin das Thema Vermittlerprovision für Leben-Verträge genauer unter die Lupe nehmen will. Demnach wolle die Behörde prüfen, inwieweit dabei die Vorschriften zur Vermeidung von Fehlanreizen eingehalten werden, ob also Versicherungsvermittler unangemessen hohe Provisionen von Kunden kassieren.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) reagiert gelassen auf die Ankündigung. Er sieht keine Anhaltspunkte dafür, dass es beim Vertrieb von Lebensversicherungen zu weitreichenden Fehlanreizen komme. Auch die Gefahr gesetzeswidriger Interessekonflikte sei nicht gegeben. BVK-Präsident Michael H. Heinz argumentiert, selbst die alte Bundesregierung habe den Provisionsdeckel nicht angefasst und die neue Ampel-Koalition lasse das Thema ebenfalls unangetastet.

Heinz sieht den Verbraucherschutz durch das Versicherungsaufsichtsgesetz genügend abgedeckt. Darin ist festgelegt, dass die Vertriebsvergütung von Versicherungsunternehmen und deren Vertrieben nicht mit ihrer Pflicht, im bestmöglichen Interesse des Kunden zu handeln, kollidieren darf. Heinz beobachtet vielmehr bei den Strukturvertrieben die Gefahr vertrieblicher Fehlanreize, was angesichts jüngster Medienberichte wenig verwundern mag.

Kampf gegen zu hohe Provisionen

Der BVK-Präsident kritisiert allerdings im Zuge dessen, dass es „selbsternannten“ Verbraucherschützern in erster Linie darum gehe, „künstlichen Handlungsdruck“ aufzubauen und schießt damit offensichtlich gegen den Bund der Versicherten (BdV), der naturgemäß den Vorstoß der BaFin begrüßt: „Es ist längst an der Zeit, dass eine selbstbewusste Aufsichtsbehörde der Provisionsabzocke bei Versicherungen den Kampf ansagt“, so Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. „Schon jetzt gibt es genügend rechtliche Grundlagen für die Aufsichtsbehörde, um gegen überhöhte Provisionen vorgehen zu können.“

Bis zu vier Prozent der Beitragssumme könnten für Abschlussprovisionen draufgehen und: Die Gesamtsumme könne wegen weiterer Posten durchaus noch höher ausfallen, so der Verbraucherschützer. Er fordert perspektivisch eine Obergrenze von 1,5 Prozent der Beitragssumme und sieht dabei die Finanzaufsicht in der Pflicht: „Auf kurze Sicht brauchen wir eine aktivere BaFin.“

Allerdings müsse für diesen Schritt die BaFin „mutiger“ werden, damit der aufsichtsrechtliche Spielraum auch ausgeschöpft werde. Wie Heinz bringt auch Kleinlein den fehlenden politischen Gestaltungswillen beim Thema Provisionsdeckel ins Spiel. Allerdings mit anderer Konnotation: „Es ist schade, dass gerade Herr Scholz, dem das Thema als ehemaliger Finanzminister sehr bekannt ist, keinen politischen Handlungsbedarf zu sehen scheint“, moniert der BdV-Chef. Kleinlein hofft deswegen, dass der aktuelle Finanzminister Christian Lindner der BaFin auch wirklich weitreichendere Zuständigkeiten einräumt.

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