PKV: Run auf Zusatzpolicen und betriebliche Krankenversicherungen

Hannah Petersohn Versicherungen Berater

Trotz Corona und steigenden Ausgaben verzeichnen die privaten Krankenversicherer höhere Beitragseinnahmen. Während die Anzahl der Vollversicherten leicht sinkt, boomt das Geschäft für Zusatzpolicen und betrieblichen Krankenversicherungen.

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Die Pandemie hat die Versicherungsbranche getroffen, dennoch gibt es auch positive Entwicklungen: Die Nachfrage nach privaten Zusatzpolicen und betrieblichen Krankenversicherungen boomt. Bild: Adobe Stock/tostphoto

Das zweite Pandemiejahr konnten die privaten Krankenversicherer aus geschäftlicher Sicht als ein weitgehend erfolgreiches für sich verbuchen: Demnach haben sich die Beitragseinnahmen um fünf Prozent auf 45 Milliarden Euro erhöht. Das berichtete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Rahmen seiner diesjährigen Jahresmedienkonferenz am Mittwoch.

Ein Großteil der Einnahmen, nämlich ganze 40,5 Milliarden Euro, entfalle davon auf die Krankenversicherung – ein Plus von 4,7 Prozent. Die Einnahmen in der privaten Pflegeversicherung lagen bei 4,5 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 7,3 Prozent entspricht. Die Steigerung erklärt sich allerdings vorrangig, wie procontra kürzlich berichtet hat, durch Beitragsanpassungen (BAP) der Versicherer sowohl in der Pflegeversicherung als auch im Bestandgeschäft mit privaten Krankenvoll- und Zusatzversicherungen. Hinzu kommt die steigende Nachfrage nach Zusatzversicherungen, die, wie die V.E.R.S. Leipzig GmbH in ihrem Branchenmonitor Krankenversicherung zeigt, bereits 2020 besonders bei Zahntarifen gestiegen sei.

Der PKV-Vertragsbestand habe 2021, nach Angaben des GDV, um knapp 950.000 auf 37,1 Millionen zugelegt, ein Plus von 2,6 Prozent. Während die Anzahl der PKV-Vollversicherten im vergangenen Jahr auf 8,7 Millionen Versicherten gesunken ist, was einem Minus von 0,1 Prozent entspricht, nimmt das Geschäft mit den Zusatzversicherungen weiter an Fahrt auf: „Die Zahl der Zusatzversicherungen stieg um 3,4 Prozent auf insgesamt 28,4 Millionen“, so Ralf Kantak, Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Das vierte Jahr in Folge seien mehr Menschen aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gewechselt als andersherum: 2021 entschieden sich 145.700 Verbraucher für einen Wechsel aus der GKV in die Private. Umgekehrt wechselten 123.000 Personen in die GKV. Im Saldo habe sich demnach ein Plus von 22.500 Versicherten zu Gunsten der PKV (Saldo 2020: + 21.400) ergeben. Dass die Anzahl der Vollversicherten trotzdem zurückging, erkläre sich durch die Sterbefälle.

Run auf betriebliche Krankenversicherungen

Einen auffallend starken Positivtrend verzeichneten 2021 die betrieblichen Krankenversicherungen (bKV): 17.5000 Unternehmen haben ihren Mitarbeitern eine solche bKV angeboten. Das entspricht einer Zunahme von 34 Prozent gegenüber 2020, als es noch 13.100 Betriebe waren, die ihren Mitarbeitern eine betriebliche Krankenversicherung zahlten. Die Zahl der Beschäftigten mit einer bKV stieg um 56 Prozent von 1,02 Millionen (2020) auf 1,59 Millionen Personen (2021).

Aber auch die Versicherungsleistungen haben im vergangenen Jahr zugenommen: Immerhin um zwei Prozent auf 31,4 Milliarden Euro. Auf die Krankenversicherung entfallen davon 29,3 Milliarden Euro, auf die Pflegeversicherung 2,1 Milliarden Euro. „In diesen Daten zeigen sich neben den gestiegenen Leistungsausgaben auch die Kosten der Corona-Rettungsschirme“, so der PKV-Vorsitzende Kantak.

Gedämpfte Aussichten mit leichtem Positivtrend

Die Pandemie hat die Versicherungswirtschaft insgesamt stark beeinträchtigt. Wenngleich die Branche 2021 spartenübergreifend zwar ein Beitragsplus von 1,1 Prozent auf 223,4 Milliarden Euro verbuchen konnte, war das jedoch weniger als man sich zu Beginn 2021 vorgenommen hatte, – das sei zwar zufriedenstellend, so GDV-Vorsitzender Wolfgang Weiler auf der diesjährigen Jahresmedienkonferenz. Zudem lag das Ergebnis auch noch einmal unter dem des Vorjahres – dem ersten Corona-Jahr – als die Versicherer noch ein Gesamtbeitragswachstum in Höhe von 1,6 Prozent gemeldet hatten.

Die Branche dämpft vor diesem Hintergrund ihre Geschäftserwartungen – so wird lediglich ein Beitragswachstum zwischen einem und zwei Prozent erwartet. Spartenübergreifend – also Lebensversicherung sowie Kranken- und Schaden-/Unfallversicherung zusammen betrachtet – könnte das Wachstum immerhin bis zu drei Prozent betragen.

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