Pflegeimmobilien: Kein Platz im Heim?!

Stefan Terliesner Versicherungen

Die demografische Entwicklung führt zu einer Verknappung von Pflegeheimplätzen – und damit wohl auch zu steigenden Unterbringungskosten. Private Absicherung wird wichtiger denn je.

Deutschland wird immer älter. Bild: Adobe Stock/ ake1150

Deutschland wird immer älter. Bis 2040 wird der Anteil der Menschen im Rentenalter auf 26,6 Prozent steigen. Damit wächst auch die Nachfrage nach Pflegeheimen. Bild: Adobe Stock/ ake1150

Die Überalterung der Bevölkerung schreitet voran. Der Anteil der Menschen im Rentenalter wird bis zum Jahr 2040 auf 26,6 Prozent steigen – 2017 betrug der Wert 21,4 Prozent. Die demografischen Verschiebungen wirken sich auf den zukünftigen Bedarf an Pflegeplätzen aus. Mehrere Studien belegen: Die Plätze werden knapp.

So heißt es im am 22. Dezember veröffentlichten „Senioren- und Gesundheitsimmobilien-Report 2021“ von CBRE Research: „Deutschland gerät zunehmend in eine Unterversorgung mit adäquaten und modernen Pflegeheimen“. Und weiter: „Der Bedarf an Neubau- und Ersatzinvestitionen ist eine große Herausforderung, die ohne den Einsatz privaten Kapitals nicht annähernd bedient werden kann.“ Hier entsteht ein Wachstumsmarkt. Auch aus diesem Grund bietet der Finanzberater MLP neuerdings auch Pflegeimmobilien als Kapitalanlage an.

Große regionale Unterschiede

Eine zunehmende Knappheit an Pflegeheimplätzen stellen auch die Fachleute von Wüest Partner fest. Laut dem „Pflegeheim-Atlas Deutschland 2021“ des Immobilienberatungsunternehmens kommt es dabei in Zukunft zu großen regionalen Unterschieden. Die Publikation wurde kürzlich zum vierten Mal veröffentlicht. Sie beinhaltet eine Bestandsaufnahme sowie eine Prognose des Bedarfs an Pflegeplätzen für alle Bundesländer sowie alle Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland (siehe Tabelle).

Den zukünftigen Bedarf an Pflegeplätzen in einer Region zu kennen, ist für Versicherungsmakler und deren Kunden wichtig, denn Angebot und Nachfrage entscheiden auch auf dem Markt für Pflegeheimplätze über die Höhe der Unterbringungskosten. Wer in einer Region mit knappem Pflegeheimangebot wohnt, braucht um so dringender eine private Pflegeversicherung, um die in dieser Gegend dann höheren Kosten auffangen zu können. Nach Angaben des Versicherers Allianz beträgt der Eigenanteil, also die Kosten, die ein pflegebedürftiger Heimbewohner aus eigener Tasche zahlen muss, bereits heute im bundesweiten Durchschnitt 2.149 Euro monatlich. Wohlgemerkt im Schnitt, also mal weniger und mal mehr.

Kaum private Vorsorge

Die Wahrscheinlichkeit, eines Tages mit dem Thema Pflege konfrontiert zu werden, ist hoch. Laut einer aktuellen Erhebung des Versicherers Axa werden jeder zweite Mann und zwei von drei Frauen in Deutschland pflegebedürftig. Aber nur 18 Prozent haben für den eigenen Pflegefall vorgesorgt. „Viele machen sich Gedanken, dass sie selbst oder ihre Angehörigen betroffen sein könnten – gleichzeitig stehen sie jedoch dem Thema Pflege oft auch ratlos gegenüber“, so Heike Hage von der Axa Krankenversicherung. Makler mit Pflege-Kompetenz können ihren Kunden also eine wertvolle Hilfe sein – auch, wenn es „nur“ um den zukünftigen Bedarf und das Angebot von Pflegeheimplätzen geht.

Laut dem Pflegeatlas von Wüest Partner waren 2019 rund 4,13 Millionen Menschen pflegebedürftig. Das entsprach 5 Prozent der Bevölkerung.  Dies ist die sogenannte Pflegequote. Im Vergleich zu 2015 sei die absolute Anzahl um gut 44 Prozent gestiegen. Der Anteil der vollstationär in den 15.380 Pflegeheimen betreuten Menschen liege bei 23,2 Prozent. Der Zuwachs gegenüber 2015 betrage rund 22 Prozent.

Der Bedarf an Pflegedienstleistungen werde entsprechend der demografischen Entwicklung stark ansteigen. Im Jahr 2040 würden 6,3 Millionen über 80-Jährige in Deutschland leben. Ein Zuwachs von 22 Prozent gegenüber 2019. Aufgrund der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung sei bis 2040 mit einem zusätzlichen Bedarf von mindestens 184.682 stationären Pflegeheimplätzen zu rechnen. In einem anderen Szenario A hat Wüest Partner einen Bedarf von 230.853 Plätzen ermittelt (siehe Tabelle).

Hoher Bedarf im Osten

Die Bundesländer haben verschiedene Altersstrukturen, was bei den Pflegequoten zu regionalen Unterschieden führt, heißt es in dem Pflegeatlas. Bayern mit 3,7 Prozent und Hamburg mit 4,2 Prozent hätten die geringsten Quoten. Die höchsten Anteile verzeichneten Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen mit jeweils 6,4 Prozent. „Auffällig sind die hohen Pflegequoten in weiten Teilen der östlichen Bundesländer und im ländlichen Raum“, heißt es in der Publikation. Die Autoren haben den zukünftigen Bedarf an Pflegeheimplätzen anhand von zwei Szenarien ermittelt, wobei Szenario B mit dem zusätzlichen Bedarf von 184.682 Plätzen bis 2040 das realistischere sei. Bei einer Belegung mit 100 Pflegeplätzen pro Einrichtung – wie politisch vorgegeben – müssten 1.847 neue Pflegeheime bereitgestellt werden.

Wie sich die zunehmende Verknappung der Plätze auf den Preis für ein Bett auf dem privaten Immobilienmarkt auswirkt, beschreibt Tim Schulte, Director Valuation Advisory Services beim Immobiliendienstleister CBRE so: „Der Spitzenpreis pro Bett, der bei Neubauten in guten Lagen verlangt und bezahlt wird, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Bis zu 170.000 Euro pro Bett sind Investoren inzwischen bereit zu bezahlen, wenn es sich um ein Top-Pflegeheim handelt. Vor einigen Jahren waren es noch unter 100.000 Euro pro Bett.“

Private Absicherung notwendig

Sich beizeiten einen Platz im Pflegeheim zu kaufen beziehungsweise ein Pflege-Appartement als Kapitalanlage anzuschaffen, ist nicht jedermanns Sache. Den meisten Menschen fehlt das Geld dafür. Einen bedarfsgerechten Pflegeplatz sollte jeder Bedürftige bekommen. Auch dafür gibt es die gesetzliche Pflegeversicherung. Mit einer privaten Pflegezusatzpolice verbessert jede Frau und jeder Mann die Chance auf einen Platz im gewünschten Heim.

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