Ottonova verdreifacht Kundenzahl im ersten Corona-Jahr

Martin Thaler Digital Berater Versicherungen

Nach einem Holperstart nimmt der Münchener Krankenversicherer Ottonova immer mehr an Fahrt auf: Sowohl bei Voll- als auch Zusatzversicherten konnte Ottonova merklich zulegen – auch weil Makler immer wichtiger werden.

Ottonova-CEO Roman Rittweger Bild: ottonova

Konnte Kundenzahlen im ersten Corona-Jahr deutlich ausbauen: Ottonova-CEO Roman Rittweger Bild: ottonova

Aller Anfang ist bekanntlich schwer: Als der neugegründete Krankenversicherer Ottonova 2018 erstmals Zahlen zu seiner Geschäftsentwicklung veröffentlichte, war der Spott groß: Gerade einmal 406 Versicherte hatte das Unternehmen für sich gewinnen können. Firmenchef Roman Rittweger zog angesichts der Berichterstattung irgendwann die Reißleine: „Wir veröffentlichen keine Kundenzahlen mehr“, erklärte der gelernte Mediziner entnervt einer Journalistin.  

Mittlerweile ist die Lage eine komplett andere, wie ein Blick in den am Donnerstag dieser Woche veröffentlichten Geschäftsbericht für 2020 im Bundesanzeiger zeigt. So konnte Ottonova im ersten Corona-Jahr deutlich zulegen. Insgesamt 9.517 Neukunden gewannen die Münchener 2020 für ihre Produkte – das bedeutet gegenüber 2019 ein Plus von 115 Prozent.  

14.042 versicherte Kunden

Der Bestand versicherter Personen wuchs von 4.840 um 190 Prozent auf 14.042 versicherte Personen. Zwar entfiel der Löwenanteil dieses Wachstums auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen (von 3.980 auf 12.187), doch auch seinen Bestand an Vollversicherten konnte Ottonova 2020 mehr als verdoppeln – von 860 auf 1.854. Die Kunden seien in der Regel jung (Durchschnittsalter 28 Jahre) und Angestellte, teilt der Versicherer in seinem Geschäftsbericht mit. Auch bei den Beitragseinnahmen fällt das Wachstum deutlich aus: 2020 lagen diese bei 9,045 Millionen Euro, nachdem sie 2019 noch 3,511 Millionen betrugen.  

Erneut zeigt sich, dass sich der Kurswechsel des Krankenversicherers nicht nur auf das Direktgeschäft, sondern auch auf Makler zu setzen, auszahlt. „Der deutliche Anstieg im Neukundengeschäft ist auf die intensivierte Zusammenarbeit mit Vermittlern sowie die Zunahme der Direktabschlüsse zurückzuführen“, teilt der Versicherer mit.  

Mittlerweile verkauft Ottonova seine Versicherungen auch als White-Label-Produkte. So können seit vergangenem Sommer auch Kunden des Heidelberger Versicherers Getsafe Zahnzusatzversicherungen erwerben, bei denen Ottonova als Risikoträger fungiert.

Abschlusskosten verdoppelt

Das hohe Wachstum des Jahres 2020 hat allerdings auch seinen Preis. So haben sich die Abschlusskosten mehr als verdoppelt, von 2,1 auf 4,3 Millionen Euro – das dürfte mit den hohen Marketingaufwendungen zusammenhängen, mit denen Ottonova seinen Bekanntheitsgrad insbesondere in der jungen Zielgruppe erhöhen möchte. 2020 war unter anderem eine neue TV-Kampagne zur Zahnzusatzversicherung gestartet, Neukunden wurden mit hohen Rabatten umworben.

Um das hohe Wachstum weiter finanzieren zu können, hatte Ottonova im vergangenen Jahr noch einmal 40 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Die Kriegskasse ist also gut gefüllt, um weitere Kunden zu gewinnen, aber auch neue Geschäftsfelder zu erschließen. Laut Medienberichten plant der Münchener Krankenversicherer nämlich, noch in diesem Jahr ins Geschäft mit Lebensversicherungen einzusteigen. Noch fehlt aber die nötige Lizenz der BaFin, um hier loslegen zu können.

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