Ottonova übernimmt KVpro.de: Wie unabhängig bleibt der Tarifvergleich?

Hannah Petersohn Versicherungen Berater

Ottonova hat kürzlich das Analysehaus KVpro.de übernommen. Der digitale Krankenversicherer will damit Kunden, Makler und Versicherer gleichermaßen zusammenbringen. Doch stehen hinter dem Coup noch andere Ziele?

Ottonova übernimmt KVpro.de: Wie unabhängig bleibt der Tarifvergleich? Bild: AdobeStock/Gajus

Der digitale Krankenversicherer Ottonova hat das Analysehaus KVpro.de übernommen. Was steht hinter der Übernahme? Bild: AdobeStock/Gajus

Der digitale private Krankenversicherer Ottonova hat den Krankenversicherungsdienstleister KVpro.de übernommen. Der Gründer des Portals, Gerd Güssler, firmiert weiterhin als Geschäftsführer. Bernd Meyer, Chief Marketing Officer bei Ottonova, wird auf der Website des Portals nun ebenfalls als Geschäftsführer genannt.

KVpro.de bietet seit 2001 Tarifvergleiche im Bereich privater und gesetzlicher Krankenversicherungen an, die von Verbrauchern, Beratern, Maklern wie Pools und Versicherern gleichermaßen genutzt werden können. Das Unternehmen wirbt auf seiner Seite damit, Verbraucher könnten sich „auf das transparente und ehrliche Qualitätsurteil“ des Portals verlassen. Aber kann durch die erfolgte Übernahme die versprochene Unabhängigkeit wirklich gewährleistet werden?

„Die Plattform steht selbstverständlich allen Versicherern weiterhin offen“, sagt Jesko David Kannenberg, Vorstand Vertrieb und Marketing bei Ottonova. Man wolle Kunden „so viele und transparente Angebote wie möglich machen“, wozu auch der Qualitäts- und Leistungsvergleich deutscher Krankenversicherungsprodukte gehöre. Verbraucher würden durch die Übernahme von einer „größeren Informationstiefe“ profitieren, Makler wiederum den „‘richtigen‘ Weg zum Kunden finden“. Mit der Übernahme verfolge der Krankenversicherer das Ziel, einen virtuellen Treffpunkt, an dem Kunden mit Vermittlern und Versicherern vernetzt werden, zu schaffen.

Gleichzeitig solle das Angebot von KVpro.de ausgebaut werden, wofür der Bereich der Pflegeversicherung in Frage komme. Man wolle „das Krankenversicherungssystem transparenter und effizienter machen“, so Kannenberg.

Aber natürlich geht es Ottonova nicht allein um hehre altruistische Motive, sondern um knallharte Kundenakquise, oder neudeutsch formuliert: „um weitere Leadgenerierung“, wie Kannenberg es formuliert. Beide Zielsetzungen, die Tarifanalyse durch KVpro.de und die Kundengewinnung seitens Ottonova, seien „operativ streng voneinander getrennt“. Die Außenwirkung allerdings bleibt: Das Tarifanalyse-Portal wird vom Krankenversicherer geschluckt.

Ottonova bemüht sich schon seit Längerem die Strategien zur Kundengewinnung auszubauen. Ottonova-Gründer Roman Rittweger bekannte in einem Interview mit procontra bereits vor zwei Jahren: „Wir tüfteln nun eher an unserer Vertriebsstrategie – dazu kann ich aber noch nichts preisgeben. Für den Kunden soll der ganze Prozess ohne Schnittstellen funktionieren. Wer dahinter steckt und wie kooperiert und sein Geld verdient, interessiert ihn nämlich nur selten.“

Ob das so ganz stimmt, sei dahingestellt, denn Kunden sind mittlerweile vor dem Hintergrund diverser Wirtschaftsskandale durchaus für die Hintergründe wirtschaftlicher Prozesse sensibilisiert und fordern mehr denn je Transparenz darüber ein, welche Unternehmen auf welche Art und Weise mit ihrem Geld Gewinne machen.

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