Investments in Cannabis: Rausch im Pottfolio?

Martin Thaler Investmentfonds Top News

In immer mehr Staaten wird der Gebrauch von Cannabis entkriminalisiert. Mit der geplanten Legalisierung von Cannabis in Deutschland könnte das Thema auch für Anleger interessant werden – doch der Markt ist nicht ohne Tücken.

Cannabis-Investments, Bild: Adobe Stock/ Hanna Aibetova

Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap errechnete für das Jahr 2021 einen Cannabis-Bedarf von 400 Tonnen – ein Milliardengeschäft. Bild: Adobe Stock/ Hanna Aibetova

„Niemand soll sich die Birne wegkiffen, aber ich freue mich, dass der Irrsinn des Cannabis-Verbots endlich endet“, erklärte Cem Özdemir „kürzlich“ gegenüber der „Bild am Sonntag“. Der neue Landwirtschaftsminister drängt zum Aufbruch – das heißt in diesem Fall zur Legalisierung von Cannabis, wie sie die Ampel-Koalition vertraglich vereinbart hat. Laut Özdemir warteten viele Landwirte zwischen Flensburg und Garmisch nur auf den Startschuss, um mit dem Anbau von Hanf zu Genusszwecken zu beginnen.

Es herrscht Aufbruchsstimmung, nicht nur in deutschen Ministerbüros. In vielen Staaten wird die restriktive Cannabis-Politik derzeit überdacht. Die Prohibition weicht mehr und mehr der Legalisierung, die von Staat zu Staat unterschiedlich umfangreich ausfällt. Während in Kanada seit 2018 „Recreational Marihuana“ – Cannabis für den reinen Genuss – komplett für den entspannungsbedürftigen Genießer freigegeben ist, darf in der amerikanischen Hauptstadt Washington Cannabis zwar angebaut und verschenkt, nicht aber verkauft werden. Das Großherzogtum Luxemburg sprach sich zwar unlängst gegen den Handel von Marihuana aus, erlaubte aber den Anbau sowie den Konsum im privaten Raum – Luxemburger mit grünem Daumen können nun bis zu vier Pflanzen aufziehen und ernten.

Kontrollierte Abgabe in Deutschland

In Deutschland soll, wer Lust auf einen Joint hat, diesen künftig in ausgewählten Geschäften kaufen dürfen. „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizensierten Geschäften ein“, heißt es auf Seite des 87 des Ampel-Koalitionsvertrags.  Die beschlossene Legalisierung elektrisiert dabei nicht nur Konsumenten, sondern auch Investoren. „Die deutsche Legalisierung wird als Zugpferd innerhalb der EU dienen“, glaubt Daniel Stehr, der 2018 den Cansoul Fonds Hanf Aktien Global gründete.

Anders als Luxemburg oder Malta, wo im Dezember ebenfalls der Konsum und Eigenanbau entkriminalisiert wurde, hat der deutsche Markt Gewicht. Laut epidemiologischem Suchtsurvey haben 2018 insgesamt 3,7 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 zumindest einmal im Jahr Cannabis konsumiert – Tendenz steigend. Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap errechnete für das Jahr 2021 einen Bedarf von 400 Tonnen – ein Milliardengeschäft, das der jungen Branche Auftrieb verleihen könnte – so die Hoffnung.

Diese erweist sich bislang als höchst volatil. Nachdem Hoffnungen auf eine bundesweite Legalisierung in den USA durch Präsident Joe Biden erst einmal enttäuscht wurden, gingen die zuvor stark gestiegenen Kurse vieler amerikanischer und kanadischer Unternehmen in den Sinkflug. Der Markt ist unübersichtlich: Viele Firmen weisen eine geringe Marktkapitalisierung auf, Übernahmen und Insolvenzen sind keine Seltenheit.

„Heute sind die Gewinner von übermorgen noch nicht feststellbar“, ist Fondsmanager Stehr überzeugt und zieht einen Vergleich zur Telekommunikationsindustrie. „Vor 15 Jahren hätte man gedacht, dass sich Nokia und Ericsson am Markt durchsetzen. Heute sind sie praktisch nicht mehr vorhanden.“

Aus diesem Grund stelle er seinen Fonds entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf, vom Anbau über Lizenzen und Patente, die Forschung, Technologie bis zur Distribution. Investiert wird sowohl in medizinisches Marihuana (in Deutschland seit 2017 legal), Genuss- sowie Nutzhanf. Hier liege auch der Unterschied zwischen seinem Fonds und den am Markt befindlichen ETF „Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF“ und „The Medical Cannabis and Wellness UCITS ETF“ der ETF-Anbieter HANetf und Rize, die sich ausschließlich auf den Bereich des medizinischen Cannabis konzentrieren, erklärt Stehr.

Schwergewichte der Branche, wie Aurora Growth oder Tilray, die sowohl für den medizinischen als auch den Genussmittel-Bereich produzieren, finden sich hier nicht wieder. Dafür einige Unternehmen, bei denen das Cannabis-Geschäft nur einen verhältnismäßigen kleinen Teil der Aktivitäten einnimmt.

Nutzhanf mit großem Potenzial

Auch wenn derzeit viel über Recreational Marihuana gesprochen wird, sieht Stehr vor allem im Nutzhanf großes Potenzial. Ob als Beton (Hempcreed), in Autokarosserien, als Dämmmaterial, in Textilien als auch in Nahrungsmitteln – Hanf gilt als äußerst vielseitig und zugleich anspruchslos im Anbau. Experten bestätigen dieses Potential. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass die Anbauflächen bislang nur sehr gering sind. Das kann auf eine mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenüber Konkurrenzfrüchten hindeuten, andererseits aber auch teils politisch bedingt sein. In den USA wurde der Anbau von Nutzhanf beispielsweise erst mittels der sogenannten „Farm Bill“ 2020 durch Donald Trump genehmigt.

Anleger, die vom Potenzial der Hanf-Pflanze überzeugt sind, sollten aber langfristig orientiert sein, rät Stehr. „Es handelt sich um einen jungen, dynamischen Markt mit hoher Volatilität, in dem Anleger auch einen Abschwung von 20 bis 30 Prozent aushalten können müssen.“ Zudem rät Stehr nur zu einem begrenzten Kapitaleinsatz. „Wir befinden uns hier im Wagniskapitalbereich und sollten darum nur als Beimischung zum restlichen Portfolio verstanden werden.“

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