In diesen Bundesländern stiegen die Pflege-Eigenanteile am stärksten

Martin Thaler Berater Versicherungen

Für Pflegebedürftige wird es immer teurer. Durchschnittlich 2.179 Euro müssen sie mittlerweile für Pflege, Unterkunft und Verpflegung aus eigener Tasche zahlen, wie aktuelle Zahlen zeigen. In manchen Bundesländern stiegen die Kosten zuletzt besonders stark.

Pflege Bild: Adobe Stock/Halfpoint

Auch in den vergangenen sechs Monaten sind die Pflege-Eigenanteile bundesweit deutlich gestiegen. Bild: Adobe Stock/Halfpoint

Die finanzielle Belastung für pflegebedürftige Heimbewohner ist auch im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Laut aktuellen Zahlen des Verbands der Ersatzkassen lag der von den Gepflegten zu zahlende Eigenanteil – hier sind die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung schon herausgerechnet – im Bundesschnitt zum 1. Januar 2022 bei 2.179 Euro – das sind 54 Euro mehr als zum 1. Juli 2021 sowie 111 Euro mehr als vor einem Jahr, als im Bundesdurchschnitt 2.068 Euro im Monat aus eigener Tasche zu zahlen waren.  

Nach wie vor fallen die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern enorm aus. Unrühmlicher Spitzenreiter bleibt dabei Nordrhein-Westfalen, wo Pflegebedürftige im Durchschnitt 2.542 Euro selbst bezahlen müssen, gefolgt von Baden-Württemberg (2.541) und dem Saarland (2.517). Vergleichsweise günstig ist es hingegen im Osten der Republik: So zahlen Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 1.588 Euro im Monat bundesweit am wenigsten, auch in Mecklenburg-Vorpommern (1.696) sowie Thüringen (1.806) sind die Kosten im Bundesvergleich niedrig.  

Allerdings sind insbesondere östlich der Elbe in den vergangenen sechs Monaten die Eigenanteile kräftig gestiegen. In Sachsen mussten Pflegebedürftige im Januar durchschnittlich 1.869 Euro selbst für einen Heimplatz bezahlen – das waren 104 Euro mehr als noch im Juli 2021. Auch in Thüringen wurden Heimplätze in den vergangenen Monaten deutlich teurer: Um 82 Euro verteuerte sich der durchschnittliche Eigenanteil. Weitere deutliche Anstiege waren auch in Baden-Württemberg (+78 Euro), Schleswig-Holstein (+67 Euro) und im Saarland (+62 Euro) zu verzeichnen.  

Gering fielen die Aufschläge indes in Rheinland-Pfalz (+7 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (+11 Euro) aus, günstiger wurde es für Pflegebedürftige nirgends.

Immer mehr Menschen können Kosten nicht aufbringen

Die steigenden Eigenanteile werden dabei für immer mehr Menschen zu einer nicht mehr zu stemmenden Belastung – immer häufiger musste zuletzt das Sozialamt aushelfen, da die Rente beziehungsweise anderen Einkommen der Pflegebedürftigen nicht mehr zur Finanzierung der Pflege-Eigenanteile ausreichten.  

Zwar greift seit diesem Jahr die noch vom ehemaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf den Weg gebrachte Pflegereform, die Zuschläge zum Eigenanteil beinhaltet – diese Zuschläge gelten aber nur für die eigentlichen Pflegekosten. Die ebenfalls weiter steigenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen müssen indes weiterhin allein von den Pflegebedürftigen gezahlt werden. Zudem könnten die politischen Hilfsmaßnahmen „durch steigende Löhne und bessere Personalausstattung der Pflegeeinrichtungen wieder neutralisiert werden“, mahnte der vdek-Vorsitzende Uwe Klemens in der „Berliner Zeitung“.  

Die Ampel-Koalition will – bevor sie weitere Maßnahmen ergreift – erst einmal abwarten, welchen Effekt die Spahn’sche Reform bewirkt. Die Opposition drängt indes zum Handeln: Mit den neuen Daten sei „klar, dass die Regierung vom Beobachten ins Handeln kommen muss“, erklärte die Linken-Gesundheitspolitikerin Ates Gürpinar in der „Berliner Zeitung“.  

Eine Maßnahme könnte dabei die Einführung einer freiwilligen Vollversicherung sein – diese Idee hatte die Ampel bereits im Koalitionsvertrag formuliert. Im Gespräch mit der „Bild-Zeitung“ bestätigte FDP-Fraktionschef Christian Dürr nun noch einmal dieses Vorhaben. Diese solle paritätisch finanziert werden, so Dürr, und die Übernahme der Pflegekosten im Alter garantieren. Weitere Details sind allerdings noch nicht bekannt.

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