Hausrat: Diese Versicherer machten während Corona kräftig Gewinn

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Die Hausratversicherung gilt seit Jahren als Cash-Cow der Branche. Corona hat diese Entwicklung nochmal befeuert. Ein Dutzend Anbieter machte über 40 Cent Gewinn pro Beitragseuro. Mit einer Rückerstattung können die Versicherten aber nur selten rechnen.

Bild: Adobe Stock/Dmitry Lobanov

Das letzte Mal, dass einer der 50 größten deutschen Hausratversicherer Verlust machte, war im Jahr 2015 die Rhion Versicherung (Combined Ratio damals 103,5 Prozent). Bild: Adobe Stock/Dmitry Lobanov

Die Corona-Pandemie wirkt sich unterschiedlich auf die einzelnen Versicherungssparten aus. Während die Combined Ratio zum Beispiel in der Rechtsschutzversicherung und im gesamten Schadenversicherungsbereich Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft im Jahr 2020 auf über 100 Prozent kletterte, ging sie in der Hausratversicherung auf einen neuen Rekordtiefstand von 68,7 Prozent zurück. Das geht aus dem Statistischen Taschenbuch 2021 des GDV hervor.

Betrachtet man nur die 50 größten Anbieter auf dem deutschen Markt (91 Prozent Marktabdeckung nach Prämien), lag sie sogar noch minimal niedriger bei 68,4 Prozent. Das hat die V.E.R.S. Leipzig GmbH in ihrem Branchenmonitor Hausratversicherung nach Analyse der Geschäftsberichte der 50 Unternehmen ausgerechnet. Betrachtet man die gebuchten Bruttoprämien der Anbieter in Höhe von 2,96 Milliarden Euro, so ergibt sich eine Gewinnspanne von 936 Millionen Euro.

Deutlich weniger Einbrüche

Als bedeutendste Ursache für die erneut gesunkene Schadenkostenquote – bereits seit Jahren gilt die Hausratversicherung als Cash-Cow der Branche – geben die Leipziger Analysten die in 2020 deutlich reduzierte Anzahl von Einbruchdiebstählen an. Von 95.000 auf 85.000 gingen diese zurück. Auch die durchschnittlichen Kosten pro versichertem Wohnungseinbruch gingen von gut 3.000 Euro auf 2.600 Euro zurück. Da die Menschen unter anderem aufgrund von Homeoffice-Regelungen und Reisebeschränkungen viel mehr Zeit als sonst zuhause verbrachten, hatten es Einbrecher deutlich schwerer.

Insgesamt verzeichneten die Hausratversicherer etwa 9,6 Prozent weniger Schadenfälle im Vergleich zu 2019. Auch in Bezug auf andere versicherte Gefahren spielte die vermehrte Anwesenheit zuhause aller Wahrscheinlichkeit nach eine Rolle, weil zum Beispiel Brände oder Rohrbrüche schneller entdeckt und dadurch Schäden gemindert werden konnten.

Über 40 Cent Gewinn pro Beitragseuro

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erscheint es fast logisch, dass in 2020 keiner der 50 größten Hausratversicherer einen Verlust verbuchen musste. Alle blieben mit ihrer Combined Ratio bei unter 100 Prozent. Das letzte Mal, dass einer der 50 größten deutschen Hausratversicherer Verlust machte, war im Jahr 2015 die Rhion Versicherung (Combined Ratio damals 103,5 Prozent).

Während sich also alle großen Anbieter mindestens über ordentliche Gewinne freuen durften, fielen diese bei manchen Unternehmen regelrecht enorm aus. So konnten gleich 12 Versicherer eine Gewinnspanne von über 40 Prozent erzielen (siehe Tabelle).

Die größten Hausrat-Gewinnmaximierer 2020
UnternehmenBeitrags-
einnahmen in Mio. Euro
Combined Ratio in %Gewinnspanne
in Mio. Euro
WGV-Versicherung AG1539,539,1
VGH Landschaftl. Brandkasse Hannover AöR8847,0246,6
Adler Versicherung AG1149,885,5
Cosmos Versicherung AG1050,255
VRK Sachvers. AG1652,647,6
Provinzial Rheinland Versicherung AG7954,3436,1
Westfälische Provinzial Versicherung AG8955,3939,7
Huk-Coburg VVaG13556,2659
Huk24 AG3057,4712,8
Itzehoer Brandgilde VVaG1258,035
Provinzial Nord Brandkasse AG3358,5413,7
Bayerischer Vers.verband AG6259,9924,8

Über die seit Jahren hohen und immer weiter steigenden Gewinnspannen vieler Hausratversicherer hat procontra bereits berichtet. Versicherungsvereine geben solche Überschüsse zumindest teilweise an ihre Mitglieder zurück. Bei Aktiengesellschaften ist das Vorgehen weniger klar. Während manche das gleichbleibende Beitragsniveau mit zusätzlichen Leistungen aufwiegen, betonen andere, dass sie bei langfristig sehr hohen Gewinnen zur Überprüfung des Beitragsniveaus verpflichtet seien. Spätestens mit Blick auf die Geschäftszahlen 2020 dürfte es dafür nun Zeit sein.

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