Frank Thelen: „Tesla ist das interessanteste Technologie-Unternehmen der Welt“

Stefan Terliesner Investmentfonds Investment-Talk Top News Meistgeklickt

Erst „Löwe“, jetzt Fondsmanager - Frank Thelen über Chancen disruptiver Kräfte, die faszinierendste Technologie und welchen „unfairen“ Vorteil junge Startups jetzt nutzen sollten.

Frank Thelen, Bild: privat

Frank Thelen, Buchautor, Startup-Investor und Juror der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“. Bild: privat

procontra: Herr Thelen, die meisten Menschen kennen Sie als Investor bei „Die Höhle der Löwen“. Was hat Sie bewogen, den Aktienfonds „10xDNA Disruptive Technologies“ aufzulegen?

Frank Thelen: Ich investiere privat schon länger den liquiden Teil meines Vermögens in Technologieaktien. Durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, 3D-Druck, Blockchain, Roboter und vieles mehr sehe ich hier in den kommenden Jahren auch am öffentlichen Markt großes Potenzial und wollte diesen Bereich meiner Geldanlage ebenso professionalisieren wie mein Venture Capital-Geschäft mit Freigeist Capital. Mit 10xDNA Capital Partners bauen wir ein größeres Expertenteam auf, das die Technologien hinter den Unternehmen fundiert bewerten und unseren Venture Capital-Ansatz auf den Aktienmarkt übertragen kann. Über den 10xDNA Fonds wollen wir Privatanlegern die Möglichkeit geben, an diesem Ansatz teilzuhaben.

procontra: Wie viel Vermögen haben Sie selbst in den Fonds investiert?

Thelen: Ich habe den Fonds in erster Linie initiiert, um mein eigenes Vermögen effektiv zu verwalten und mir ein Team aus Biologen, Chemikern, Physikern und Kapitalmarktexperten aufbauen zu können. Aktuell habe ich knapp 10 Millionen Euro in den Fonds über frei zugängliche Tranchen investiert, ein Großteil meines Geldes ist momentan noch in meinen Startup-Investments gebunden und wird schrittweise in den Fonds fließen. Neben mir sind alle Freigeist Partner, das 10xDNA Management und viele unserer Gründer und Partner investiert. Wir öffnen unsere Strategie für Privatanleger und nutzen die Gebühren, um ein breites Expertenteam zu finanzieren. Weder ich noch andere Freigeist Partner erhalten Zahlungen vom Fonds, alle Einnahmen gehen ins Research- und Management-Team.

procontra: Wie erfolgt die Auswahl der Portfoliounternehmen?

Thelen: Unser Investment-Prozess folgt einem klaren Schema: Zunächst identifizieren wir einen Markt, in dem wir durch Ineffizienzen und neue technologische Entwicklungen das Potenzial für signifikantes Wachstum oder Werteverschiebung sehen. Dann ermitteln wir die führenden Player in diesem Markt anhand von fünf Faktoren: Technologische Führerschaft, Management, Strategie/operative Umsetzung, politische/strukturelle Risiken sowie Nachhaltigkeit.

procontra: Und wo bleiben klassische Bewertungskriterien?

Thelen: Die Hauptkriterien des klassischen Value-Investings wie Buchwerte und so weiter haben für uns eine untergeordnete Rolle, da sie exponentielle Wachstumschancen nicht adäquat abbilden können. Wir wollen die Unternehmen identifizieren, die durch ihre technologische Platzierung und ihre Disruptionskraft das Potenzial haben, exponentiell zu wachsen. Das sehen wir zum Beispiel bei Palantir und Coinbase. Palantir ist mit seiner Business Intelligence Software in einem sehr attraktiven Markt unterwegs, für die meisten CIOs steht das Thema Business Intelligence aktuell sehr weit oben auf der Agenda. Coinbase sehen wir als Investment in die gesamte Krypto-Ökonomie, die unserer Einschätzung nach gerade erst am Anfang steht, da die darunter liegende Distributed Ledger Technologie viele Ineffizienzen unserer Finanzindustrie ausgleichen wird.

procontra: Die größte Position im Fonds ist Tesla. Nicht wenige Analysten halten die Aktie für zu teuer. Gründer und CEO Elon Musk selbst hat etliche Anteile verkauft. Wieso sind Sie von Tesla überzeugt?

Thelen: Für uns ist Tesla das interessanteste Technologie-Unternehmen der Welt. Die Autos bei Tesla sind vergleichbar mit den Büchern bei Amazon. Tesla ist führend in Batterie-, Produktions-, Chip-, KI-Technologie und vielen weiteren entscheidenden Feldern. Vor allem ist es Elon Musk gelungen, eines der hochwertigsten und progressivsten Teams aufzubauen.

procontra: Welche Rendite strebt der Fonds an?

Thelen: Wir haben ein sehr konzentriertes Portfolio, weshalb auch mit einer höheren Volatilität zu rechnen ist. Grundsätzlich sehen wir den Fonds als Beimischung zu einem ausgewogenen Portfolio für Anleger mit einer gewissen Risikobereitschaft und einem Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren. Wenn es nach Plan läuft, sollten wir das Geld in vier bis acht Jahren verdreifachen.

Procontra: Wofür steht eigentlich der Begriff „10xDNA“?

Thelen: 10xDNA beschreibt das Mindset, das es braucht, um die Chancen technologischer Disruption zu erkennen. Unternehmen mit 10xDNA setzen die neu entstehenden Technologie-Plattformen wie KI, 3D-Druck, Blockchain und Co. ein, um Produkte zu bauen, die 10x besser, effizienter und nachhaltiger sind. Diese Unternehmen wollen wir für den 10xDNA Fonds identifizieren.

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