Europa-Aktien: Die bessere Alternative zum überhitzten US-Markt?

Mariam Misakian Investmentfonds Top News

Risiken einkalkulieren

All diese Prognosen setzen voraus, dass das aktuelle Winterloch, geprägt von Lieferengpässen, Sorgen um die Omikron-Variante des Coronavirus und steigenden Energiepreisen, bald überwunden ist. Sicher ist das natürlich nicht – so sind die Märkte nach wie vor von vielen Unsicherheiten geprägt. Berater sollten ihre Kunden in jedem Fall auf ein volatiles Jahr einstellen. Neben den Sorgen rund um die Pandemie, sind die wachsende Inflation und mögliche Zinsanstiege auch in Europa weiterhin Dauerthema. Die Verbraucherpreisinflation liegt schon lange weit über dem angestrebten Ziel von zwei Prozent – welches Ausmaß die Teuerung im weiteren Jahresverlauf noch annehmen könnte und wann und wie die EZB darauf reagiert, darüber scheiden sich die Meinungen.

Auch in politischer Hinsicht ist das Jahr 2022 in Europa von einigen Unsicherheiten geprägt. Ein Risikofaktor sind etwa die Präsidentschaftswahlen im wirtschaftlichen Aufsteigerland Italien. Verliert Mario Draghi darüber seinen Posten als Premierminister, fürchten viele, dass es mit Italiens Wirtschaftswunder des vergangenen Jahres wieder vorbei sein könnte. Auch in Frankreich stehen im April Präsidentschaftswahlen an.

Außenseiterwette

Doch auch unabhängig von politischen Fragen gibt es Experten, die eine Aufholjagd der EU kritisch sehen. So etwa Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch: „Wer auf eine bessere Wertentwicklung europäischer Aktien setzt, geht ein hohes Risiko ein. Es wäre ähnlich wie bei einer Sportwette, bei der man auf den Außenseiter setzt.“ Der Top-Legist ist aus seiner Sicht immer noch der US-Markt. Die Kursrallys dort seien aufgrund der steigenden Unternehmensgewinne durchaus gerechtfertigt. Die niedrige Bewertung der europäischen Titel preise allerdings den großen Anteil der Zykliker in der europäischen Börsenlandschaft ein. „Durch diese stark zyklische Ausrichtung fällt das Wachstum der Gewinne der Unternehmen im Index über die Jahre nicht nur magerer aus. Es schwankt auch viel stärker und zwar abhängig davon, ob die Wirtschaft läuft oder eben nicht.“

Wer also in den kommenden Jahren mit einer wachsenden EU-Wirtschaft rechnet, kann seinen Kunden raten, europäische Aktien überzubewerten, sollte dabei aber besonders solche mit etwas höherer Risikoaffinität im Blick haben – denn das Risiko europäischer Titel bleibt verglichen zu US-Werten auf lange Sicht etwas höher.

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