ESG-Indizes: So behalten Berater den Überblick

Investmentfonds von Udo Trichtl

Investitionen in nachhaltige Finanzprodukte boomen. Damit einher gehen ein regelrechtes Begriffs-Wirrwarr und intransparente Kriterien. Wie Berater im ESG-Dschungel den Überblick bewahren.

ESG-Indizes: So behalten Berater den Überblick Bild: Adobe Stock/Jon Anders Wiken

ETF und Nachhaltigkeitsthemen werden von Kunden immer stärker nachgefragt. Allerdings verliert man bei dem immer breiter werdenden Angebot schnell den Überblick. Bild: Adobe Stock/Jon Anders Wiken

Finanzberater müssen sich immer stärker mit nachhaltigen Indexfonds beschäftigen, ihre Kunden tun das nämlich bereits: Ende November 2021 verwalteten ESG-ETFs ein weltweites Vermögen in Höhe von 371 Milliarden US-Dollar – ein Plus von unglaublichen 84 Prozent seit Jahresanfang. Leider ist nicht alles grün, wo das Label ESG draufsteht. Der Nachhaltigkeitsboom hat zu einem Dschungel aus wunderlichen ESG-Begriffen und branchenweiter Intransparenz geführt. Finanzberater müssen daher nicht nur die Präferenzen ihrer Kunden zu ökologischen Fragen, sozialen Aspekten und guter Unternehmensführung abklären, sondern sie auch über etwaige Nachhaltigkeitsrisiken aufklären.

Das grüne Farbspektrum

Bei der Auswahl eines geeigneten ESG-ETFs gilt es je nach Kundenpräferenz einige wichtige Punkte zu beachten, etwa den Unterschied zwischen positiven und negativen Screenings. Negative Screenings begnügen sich damit, die kontroversesten Branchen und Unternehmen auszuschließen, beispielsweise Tabak, konventionelle Waffen oder unkonventionelle Energieförderung. Das negative Screening ist die weltweit verbreitetste ESG-Strategie.

Beim positiven Screening werden die einzelnen Unternehmen hingegen anhand von ESG-Kriterien bewertet. Anschließend wählen Fondsmanager nur die besten Unternehmen ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe aus, das sogenannte Best-in-Class-Prinzip.  

Die wichtigsten Index-Kürzel

Berater sollten die wichtigsten Index-Kürzel beider Screening-Verfahren kennen. Je nach Anbieter können diese variieren. Da nach Angaben der Ratingagentur Scope zwei Drittel aller nachhaltigen Aktien-ETFs MSCI-Indizes abbilden, orientiert sich die Übersicht an MSCI.

ESG-Universal: Unternehmen mit besserem Nachhaltigkeits-Rating werden gegenüber schlechteren Mitbewerbern im Index übergewichtet. Bei den Universal-Indizes werden lediglich Unternehmen ausgeschlossen, die gegen den UN Global Compact verstoßen, etwa aufgrund eindeutiger Verstöße gegen die Menschenrechte, und Hersteller kontroverser Waffen. Dazu zählen etwa Landminen und Streubomben. Umfangreichere Ausschlüsse gibt es in einzelnen Sub-Indizes, etwa dem ESG Universal Low Carbon Select 5%.  

ESG-Screened: Ausgeschlossen werden Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken und all jene, deren Produkte negative soziale oder ökologische Auswirkungen haben, zum Beispiel Tabak, Kraftwerkskohle oder Ölsand.

ESG-Enhanced: Wie auch bei den Screened-Indizes werden kontroverse Branchen und Unternehmen umfangreicher ausgeschlossen als bei Universal-Indizes. Die anschließende Gewichtung erfolgt jedoch nicht nach der Marktkapitalisierung, sondern nach dem ESG-Score der einzelnen Unternehmen.

ESG-Leaders: Kontroverse Unternehmen werden ausgeschlossen. Von den verbleibenden Unternehmen werden nur jene 50 Prozent mit dem besten ESG-Rating im Index widergespiegelt. Hierbei handelt es sich also um eine positive Screening-Methode. Die anschließende Indexgewichtung erfolgt nach der Marktkapitalisierung.

SRI (für: Socially Responsible Investment): SRI-Indizes weisen die strengsten Ausschlusskriterien aller nachhaltigen MSCI-Indizes auf. Sie sind ähnlich aufgebaut wie ESG-Leaders, jedoch schaffen es nur die grünsten 25 Prozent in den Index. Darüber hinaus existiert eine Reihe von Sub-Indizes, die einen strengen Fokus auf unterschiedliche Klimaschutzpraktiken legen (Low Carbon SRI Leaders, SRI Select Reduced Fossil Fuels).

Hieran wird ersichtlich: Während ESG-Universal herzlich wenig mit einem grünen Portfolio zu tun hat, können Screened- sowie Enhanced-ETFs maximal als blassgrün bezeichnet werden. Dunkelgrün sind einzig und allein SRI-Indizes. Doch auch diese Darstellung kann lediglich eine erste Orientierung bieten. Darüber hinaus sollten Makler stets einen Blick in die jeweilige Indexkonstruktion werfen, um auf Nummer sicher zu gehen. Nur dann ist sichergestellt, dass sich der Kunde nicht unwissentlich eine Dreckschleuder ins vermeintlich grüne Portfolio holt.

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