Diese Unfallversicherer büßten die meisten Verträge ein

Florian Burghardt Versicherungen Top News

Die private Unfallversicherung bringt den Anbietern seit Jahren satte Gewinne. Doch bei den Vertragszahlen gab es im Jahr 2020 überwiegend Verluste. Fünf große Versicherer mussten teilweise über 75.000 Policen ziehen lassen.

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Eigentlich bot das erste Pandemiejahr zahlreiche Beratungsansätze für die private Unfallversicherung. Statt vieler Abschlüsse mussten die meisten Anbieter aber Bestandsverluste verbuchen – teilweise sehr deutliche. Bild: Adobe Stock/only_kim

Einerseits steht es nicht schlecht um die privaten Unfallversicherer. Die Sparte bringt ihnen konstant hohe Gewinne. Laut GDV-Zahlen lag die Combined Ratio im branchenweiten Schnitt der letzten zehn Jahre unter 80 Prozent. Von jedem verdienten Beitragseuro blieben also über 20 Cent Profit hängen.

Auf der anderen Seite ist die Entwicklung der Vertragszahlen für die Versicherer kein Grund zum Jubeln. Sie verharrt seit fünf Jahren auf einem relativ konstanten Niveau. Daran konnte auch das Geschäftsjahr 2020 nichts ändern. Vielmehr hat es die Lust auf Unfallschutz offenbar sogar noch verringert. Denn laut dem Gesamtverband ging der Vertragsbestand der Anbieter um rund 300.000 auf noch 25,5 Millionen Policen zurück (-1,2 Prozent).

Viele neue Beratungsansätze, aber…

Dabei hätte im ersten Pandemiejahr eigentlich Vieles für den Abschluss einer privaten Unfallversicherung gesprochen. Zunächst einmal förderte die plötzlich großflächige Arbeit im Homeoffice zahlreiche Lücken im Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV) zu Tage. Zwar wurden vieler dieser Gefahren (zum Beispiel Arbeitswege wie die Fahrt zum Kindergarten und zurück oder Betriebswege wie der Gang zur Toilette) mittlerweile in den Schutz der GUV mit aufgenommen. Doch im Freizeit- und Sportbereich gibt es weiterhin zahlreiche Ansätze. Aufgrund von Lockdowns und Reisebeschränkungen probierten viele Menschen neue Sportarten im Freien wie Klettern oder Kanufahren aus. Die Verkaufszahlen von Motorrädern und E-Bikes stiegen sprunghaft an. Heimwerkerprojekte wurden angepackt – sehr wahrscheinlich nicht immer mit professionellen Sicherheitsvorkehrungen. Und nicht zuletzt verdammten Quarantäne und Kurzarbeit viele Menschen in die eigenen vier Wände, wo bekanntlich die meisten Unfälle passieren.

Ein Blick auf die einzelnen Anbieter zeigt, dass sich nur wenige Unternehmen diese Entwicklungen zu Nutze machen und Verbraucher von ihren Produkten überzeugen konnten. Von den 50 größten Unfallversicherern auf dem deutschen Markt (94 Prozent Marktanteil nach Prämieneinnahmen) mussten 31 Bestandsverluste verbuchen. Nur 19 Unternehmen konnten einen Zuwachs ausweisen. Das geht aus dem aktuellen „Branchenmonitor Unfallversicherung“ hervor, für den die V.E.R.S. Leipzig GmbH die Geschäftsberichte der besagten Anbieter analysiert hat.

Fünf Schwergewichte ließen ordentlich Federn

Fünf große Unfallversicherer stachen dabei – nach absoluten Zahlen – besonders heraus. Allen voran die Allianz, die das Geschäftsjahr 2020 mit 77.822 Verträgen weniger beendete (-1,7 Prozent). Mit Ergo, Signal Iduna, Generali Deutschland und Axa mussten noch vier weitere Anbieter unter dem Strich mehr als 25.000 Policen ziehen lassen (siehe Grafik).

Prozentual betrachtet büßten Ergo (-4,4 Prozent), Generali (-1,7 Prozent) und Axa (-3,6 Prozent) nicht unerhebliche Anteile ihrer Gesamtbestände ein. Bei der Signal Iduna waren es sogar 5,0 Prozent. Das wurde nur noch von Dialog (-6,9 Prozent), Barmenia (-5,7 Prozent) und Rheinland (-5,2 Prozent) überboten, die aber alle drei deutlich kleinere Vertragsbestände halten.

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