Die gute Nachricht: Spendenbereitschaft der Deutschen erreicht Rekordniveau

Hannah Petersohn Berater Versicherungen Panorama

Ein Viertel aller Deutschen haben allein bis September vergangenen Jahres knapp vier Milliarden Euro gespendet, die Gesamtbilanz dürfte sogar bei fast sechs Milliarden liegen – ein Rekordwert. Ein Grund für die gestiegene Spendenbereitschaft ist die verheerende Flutkatastrophe im Sommer 2021.

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Im vergangenen Jahr haben die Deutschen nach einer vorläufigen Schätzung des Deutschen Spendenrats knapp sechs Milliarden Euro gespendet. Bild: picture alliance/Zoonar/DesignIt

Normalerweise heißt es ja: Wer hat, dem wird gegeben. Wer nichts hat, bekommt demzufolge auch nichts. Diesem sogenannten Matthäus-Effekt trotzten die Deutschen im vergangenen Jahr allerdings erfolgreich. Zwischen Januar und September 2021 haben 16,8 Millionen Deutsche etwa 3,8 Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet. Im Vergleich zum Betrachtungszeitraum 2020 haben damit acht Prozent mehr Menschen gespendet. Die Spendenbereitschaft hat damit einen Rekordwert erreicht. „Das ist das mit Abstand beste Ergebnis seit Beginn der Erhebung“, heißt es vom Deutschen Spendenrat.

Prozentual betrachtet ist auch der Anteil der Spender an der Bevölkerung, entgegen dem Trend der Vorjahre, um 1,8 Prozentpunkte auf insgesamt 25,3 Prozent gestiegen. „Das erheblich gesteigerte Spendenverhalten von deutlich mehr Spendern ist ein fantastischer Beleg der Solidarität der Deutschen, auch in sehr schweren Zeiten“, sagt Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats.

Spendenbereitschaft abhängig vom Alter

Noch dazu waren sie mit einer durchschnittlichen Spendenhöhe von 40 Euro so generös wie noch nie, wie die Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigen. Das Spendenvolumen sei insgesamt um 14 Prozent gestiegen. Während die Spendenbereitschaft zwar in der Alterskohorte der 40- bis 49-Jährigen gesunken ist, ist sie in allen anderen Altersgruppen gewachsen, bei älteren Menschen sogar von 43,2 (2020) auf 44,5 Prozent (2021). Die durchschnittliche Höhe der Spenden von über 70-Jährigen ist von 288 Euro auf 315 Euro gestiegen.

„Ganz erfreulich finde ich, dass sich bei der jüngeren Generation ein deutliches Wachstum bei den Spendeneinnahmen zeigt“, sagt Bianca Corcoran von der GfK gegenüber der FAZ. Hier beträgt der Zuwachs der Spender unter den 10- bis 29-Jährigen 272.000 gegenüber dem Vorjahresbetrachtungszeitraum.

Flutereignis weckt Mitgefühl und Großzügigkeit

Ein Grund für den erfreulichen Anstieg vermutet der Deutsche Spendenrat in dem Unwetterereignis im Sommer vergangenen Jahres: Im Zeitraum von Juli bis August flossen besonders viele Zuwendungen. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass zwei Drittel der Gelder für lokale und nationale Projekte gespendet worden sind.

Lokal initiierte Projekte sind gerade vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe in den Fokus gerückt, weil sie Menschen niedrigschwellig Hilfe anbieten. So sorgte eine Spendeninitiative aus dem Wangerland für besondere Aufmerksamkeit: Opfer aus den Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz konnten eine Woche Urlaub an der Nordsee machen – kostenlos. Nach einem Bericht des ZDF wurden auch in Thüringen und im Allgäu kostenlose Aufenthalte gespendet.

Noch liegen die Zahlen für den gesamten Vorjahreszeitraum zwar nicht vor, aber der Deutsche Spendenrat prognostizierte bereits im Dezember eine positive Bilanz: „Selbst bei einer realistisch optimistischen Prognose ist mit einer Steigerung um acht Prozent auf über 5,8 Milliarden Euro zu rechnen.“

„Geben ist seliger denn nehmen“, ist demnach ein Bibelspruch, der sich auch bewahrheitet.

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