Datennutzung: Viele kleine Versicherer könnten unter die Räder kommen

Florian Burghardt Digital Versicherungen

Nur knapp jeder fünfte Versicherer ist laut einer Studie in der Lage, mit seinen Datensätzen etwas Sinnvolles anzufangen. Drei Echtzeit-Datenquellen halten die Studienautoren in Zukunft für besonders wertvoll.

Bild: Adobe Stock/metamorworks

Laut einer aktuellen Studie müssen in den nächsten Jahren vor allem kleine Versicherer zunehmend die Konkurrenz von InsurTechs, BigTechs und den Versicherungsangeboten von Produktherstellern fürchten. Bild: Adobe Stock/metamorworks

Am 28. Januar ist Europäischer Datenschutztag. Er soll darauf hinweisen, wie wichtig der seriöse und sichere Umgang mit personenbezogenen Daten ist – und schielt dabei vor allem auf Unternehmen, die auf Basis der ihnen zur Verfügung gestellten Daten viel Geld verdienen. Allerdings müssen sie dazu erstmal in der Lage sein. Das trifft aber offenbar nur auf wenige Unternehmen zu, zumindest mit Blick auf die Versicherungsbranche.

Denn von 204 befragten Versicherern konnten sich nur 18 Prozent als Insurance Data Masters erweisen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Capgemini Deutschland hervor. Wie es darin heißt, verfügen die Data Masters „sowohl über die technologische Kompetenz als auch über die Unternehmenskultur und die Verhaltensmuster, um datengetriebene Programme erfolgreich einzusetzen und Wettbewerbsvorteile aus den wachsenden Datenvolumina zu ziehen.“

Geld macht den Data Master

Gemeint ist damit Folgendes: Mithilfe von Daten können neue Märkte erschlossen werden, der Absicherungsschwerpunkt kann auf Prävention statt auf Schadenregulierung verlagert werden und bisherige versicherungsmathematische Annahmen können so auf den Prüfstand gestellt werden. In diesem Sinne nutzen 40 Prozent der befragten Unternehmen ihre vorhandenen Daten. 43 Prozent nutzen zudem Echtzeitdaten, um versicherungsstatistische Modelle zu aktualisieren. Ein Drittel verwende die Daten zur Modellierung neuer Risiken, so die Studienautoren.

Zwar zeigen in verschiedenen Bereichen immer wieder auch einzelne Versicherer Kompetenzen – in den meisten Bereichen finden sich aber immer wieder dieselben Data Masters in der Spitzengruppe. Bei ihnen handle es sich um Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Millionen US-Dollar, heißt es von Capgemini. Ihre Finanzstärke ermögliche es ihnen, sich in Schlüsselbereichen von mittelgroßen und kleinen Versicherern abzugrenzen.

So haben 97 Prozent der Data Masters Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) geschaffen, um externen Organisationen Zugang zu firmeneigenen Daten zu ermöglichen – gegenüber nur 36 Prozent ihrer Mitbewerber. Fast 90 Prozent der Data Masters können zudem externe Quellen leicht mit ihren Plattformen verknüpfen, um einen Austausch zum beiderseitigen Vorteil zu etablieren. Dadurch können 39 Prozent dieser Unternehmen Schäden schneller und genauer regulieren.

Drei wichtige Echtzeit-Datenquellen für Versicherer

„Klassische Versicherer müssen zunehmend mit Konkurrenz von InsurTechs, BigTechs und Herstellern rechnen", sagt Joachim Rawolle, Head of Business Technology Solutions für Banken und Versicherungen bei Capgemini. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen sie einen datenbasierten Ansatz, der ihnen hilft, Marktanteile zu halten, Schlüsselkennzahlen zu verbessern und präzise Risikoanalysen zu erstellen. Vorreiter dabei sind die großen Versicherer, während viele kleinere Häuser in ihrer IT-Landschaft erst noch die nötigen Voraussetzungen dafür schaffen müssten."

Als entscheidenden Erfolgsfaktor nennen die Studienautoren die Erschließung von Echtzeit-Datenquellen, zum Beispiel über Telematik, Wearables und Social-Media. Versicherer, die diese Quellen nutzen, seien in der Lage, die steigenden Kundenerwartungen an Komfort, individuelle Beratung und dynamische Preisgestaltung zu erfüllen.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!