Coya verkündete Berlin-Pariser Insurtech-Hochzeit

Martin Thaler Digital Versicherungen

Zuletzt schienen die ambitionierten Pläne des Berliner Digitalversicherers ins Stocken gekommen zu sein. Nun bündelt das Unternehmen seine Kräfte mit einem französischen Insurtech und strebt bereits wieder die europäische Marktführerschaft an.

Coya-CEO Max Bachem (links) und Raphael Vullierme, CEO von Luko. Bild: Luko

Arbeiten künftig zusammen: Coya-CEO Max Bachem (links) und Raphael Vullierme, CEO von Luko. Bild: Luko

Es war ruhig geworden in den vergangenen Monaten um den Berliner Neo-Versicherer Coya – zumindest im Vergleich zu anderen Insurtechs. Während WeFox neue Investitionsrunden-Rekorde vermeldete, ließ Neodigital durch eine Kooperation mit der HUK-Coburg aufhorchen. Der digitale Krankenversicherer Ottonova schaffte es in die Schlagzeilen, als es den Streit mit der Wettbewerbszentrale um die Bewerbung von Fernbehandlungen bis vor den Bundesgerichtshof trug – dort setzte es aber eine juristische Niederlage.

Nun meldet sich Coya zurück – beziehungsweise Luko. Wie der Berliner Digitalversicherer am Donnerstag vermeldete, habe man sich mit dem französischen Assekuradeur Luko zusammengeschlossen, unter dessen Namen man in Zukunft agieren wolle.  

Ökosystem trifft auf Versichererlizenz

Der Zusammenschluss macht Sinn: Das 2018 in Paris gegründete Insurtech Luko hat rund um Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen ein Ökosystem aufgebaut, in dem die Kunden zahlreiche zusätzliche Services rund ums Thema Wohnen herum buchen können – möglich ist beispielsweise die Buchung von Handwerkerservices oder die Überwachung von Strom- und Wasserverbrauch. Die Versichererlizenz, mit der es möglich ist, als eigener Risikoträger zu agieren, bringt hingegen Coya mit ins neue Unternehmen.  

Durch den Zusammenschluss komme man insgesamt auf eine Kundenanzahl von über 300.000, wodurch man zum wachstumsstärksten Digitalversicherer Europas werden, teilen beide Unternehmen mit. Laut Pressemitteilung entfallen davon auf die Franzosen rund 200.000 Kunden, womit Coya auf eine Kundenzahl von rund 100.000 käme.  

Laut des Geschäftsberichts von 2020, der vor kurzem im Bundesanzeiger veröffentlicht worden war, kamen die Berliner in ihrem zweiten vollen Geschäftsjahr auf einen Versicherungsbestand von 122.238 Verträge – das waren knapp 30.000 Verträge mehr als im Vorjahr. Im Bereich der Hausratversicherungen hatte sich der Vertragsbestand sogar negativ entwickelt.  

Ambitionierte Wachstumspläne

Das Portal „FinanceForward“ meldete im vergangenen Sommer zudem Probleme bei der Investorensuche. Offenbar gelang es den Berlinern nicht, neue Geldgeber von einer Investition zu überzeugen – Marktinsider berichteten gegenüber „FinanceForward“, dass die Zahlen des Insurtechs nicht zu überzeugen wussten. Letztlich mussten die Altinvestoren fünf Millionen Euro nachschießen. 

Nun scheinen die Weichen wieder auf Wachstum gestellt: „Durch die Zusammenführung von Lukos einzigartigem Ökosystem sowie Coyas Technologie und Versicherungslizenz entsteht ein neuer europäischer Marktführer, der über das Versicherungswesen hinaus agiert“, teilt Luko-CEO Raphael Vullierme gewohnt selbstbewusst mit.  

Der Standort Berlin soll inklusive gesamten Team und Management nicht nur erhalten, sondern kräftig ausgebaut werden. So sollen 50 neue Mitarbeiter eingestellt werden, vor allem in den Bereichen Schaden- und Kundendienst sowie im Vertrieb. Zudem werden weitere Entwickler gesucht, die den Ausbau der Luko-Plattform in Deutschland vorantreiben sollen.

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