Corona-Beatmete im Schnitt 31 Tage im Krankenhaus

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Eine aktuelle Analyse der Debeka zeigt die Altersstruktur der Patienten auf, die wegen Corona auf der Intensivstation behandelt und künstlich beatmetet werden müssen. Der Pflegeaufwand ist höher als bei Krebskranken – das schlägt sich auch auf die Kosten nieder.

Corona Bild: picture alliance/Hendrik Schmidt

Laut einer aktuellen Debeka-Analyse liegen beatmete Corona-Patienten im Schnitt 31 Tage im Krankenhaus. Bild: picture alliance/Hendrik Schmidt

Muss ein Corona-Erkrankter an eine Beatmungsmaschine angeschlossen werden, kostet das schnell mal 200.000 Euro oder sogar mehr. Durchschnittlich 31 Tage dauert bei schweren Fällen (inklusive Beamtung)  laut einer Auswertung der Debeka der Klinikaufenthalt, 12,4 Tage verbringen die Patienten dabei im Schnitt an einer Beamtungsmaschine. Ist eine Beamtung indes nicht notwendig, können Corona-Patienten nach durchschnittlich 12,7 Tagen bereits das Krankenhaus verlassen, ermittelte die Debeka. 

800 von 11.000 stationär Versorgten wurden beatmet

Für die Auswertung prüfte die Debeka die Krankenhaus-Rechnungen, die zwischen März 2020 und Ende November 2021 eingegangen waren. Von den in dieser Zeit 11.000 stationär versorgten Covid-Kranken mussten 800 beatmet werden. Dies entspricht einem Anteil von rund sieben Prozent.

Für seine Erhebung analysierte der Versicherer auch die Altersstruktur der ins Krankenhaus eingelieferten Corona-Patienten: Knapp 70 Prozent der Versicherten war 60 Jahre und älter, 8,8 Prozent dieser Altersgruppe wurden an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. 14,5 Prozent der Klinik-Patienten waren hingegen jünger als 40 Jahre. Hier war auch der Anteil schwerer Fälle wesentlich geringer: Nur rund zwei Prozent der Corona-Patienten wurden beatmet.  

Wie AOK und Barmer gegenüber der Deutschen Presseagentur mitteilten, koste ein Corona-Intensivpatient rund 1.500 bis 3.000 Euro am Tag. Die Behandlung von invasiv beatmeten Patienten schlage im Schnitt mit 32.000 bis 33.000 Euro zu Buche. Corona-Erkrankte, die auf der Intensivstation liegen – ohne Beatmung – würden im Schnitt Behandlungskosten von etwa 8.000 Euro verursachen.

Größerer Aufwand als für Onkologie-Patienten

„Der Aufwand für die Behandlung schwer erkrankter Corona-Patienten ist wesentlich höher als beispielsweise der Aufwand für onkologische Patienten beziehungsweise für die Versorgung von Unfallopfern", erklärte dazu Andreas Weichert, Referatsleiter Krankenhausfinanzierung der Landeskrankenhausgesellschaft. Grund dafür seien unter anderem die umfangreicheren Selbstschutzmaßnahmen des Personals. Zudem sei für das Umdrehen der Patienten mehr Personal nötig.

Die hohen Behandlungskosten hatten zuletzt immer wieder Debatten angefacht, Ungeimpfte stärker an den Kosten der Behandlung zu beteiligen. So hatte der R+V-Vorstandsvorsitzende Norbert Rollinger im September die Einführung von unterschiedlichen Versicherungstarifen für Geimpfte und Ungeimpfte ins Spiel gebracht. „Impfverweigerer zeigen ein sozial schädliches Verhalten“, sagte er damals gegenüber dem Newsportal t-online. „Wenn jemand wegen Corona auf der Intensivstation landet, ist das deutlich teurer als eine Impfung.“ Daher werde die Versicherungsbranche früher oder später darüber nachdenken müssen, möglicherweise Tarife nach Impfstatus zu unterscheiden. Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) schlug Alarm und forderte eine Beteiligung von Ungeimpften an den Krankenhausleistungen.

Ende Dezember schlug Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) in dieselbe Kerbe. Aus seiner Sicht sei es vorstellbar, dass für Ungeimpfte höhere Krankenkassenbeiträge gelten oder sie die im Krankheitsfall entstehenden Kosten mitzutragen hätten. Dagegen gab es unter anderem aus den Reihen der AOK Bayern Kritik. Sie verwies darauf, dass die gesetzliche Krankenversicherung seit über 100 Jahren solidarisch sei und Menschen unabhängig von ihrem Krankheitsrisiko versichere. Es gebe keine Risikozuschläge, für alle Mitglieder sei der Beitragssatz gleich.

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