Containerverluste werden für Versicherer richtig teuer

Martin Thaler Versicherungen

Jahr für Jahr gehen Millionenwerte bei Stürmen oder anderen Ereignissen über Bord – das wollen die Versicherer nicht mehr tolerieren und fordern die Reeder zu erweiterten Sicherheitsmaßnahmen auf.

Langeoog Bild: picture alliance/Klaus Kremer

Vor fünf Jahren wurden tausende Ü-Eier und Lego-Figuren am Strand von Langeoog angespült. Bild: picture alliance/Klaus Kremer

Es war eine ziemliche Überraschung, die Strandspaziergänger vor knapp fünf Jahren auf der ostfriesischen Insel Langeoog erlebten: Zehntausende Überraschungseier – allerdings ohne die schmackhafte Schoko-Hülle – säumten über Kilometer den Badestrand. Daneben gab es zur Freude vieler Kinder auch Legosteine und Star-Wars-Figuren, die urplötzlich aus dem Sand ragten.  

Was bei vielen Kindern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben dürfte, sorgte bei Naturschützern für Sorge. Hunderte Säcke an Plastikmüll sammelten Insulaner und Touristen, um die Plastik-Plage vom Badestrand einigermaßen unter Kontrolle zu bringen.    

Die Ursache für die bunte Flut war schnell ermittelt: Der Frachter „Maersk Muneboe“ hatte auf seiner Fahrt von Rotterdam nach Bremerhaven fünf Container verloren, die offenbar bei rauer See über Bord gingen. Bei weitem kein Einzelfall und für die Versicherer ein immer kostspieligeres Problem. Laut GDV gingen im Winterhalbjahr 2020/21 insgesamt Waren im Wert von mehreren 100 Millionen Euro verloren, in diesem Jahr registrieren die Versicherer ähnliche Verluste.

„Wir müssen diese Entwicklung stoppen"

„Wir müssen diese Entwicklung stoppen: Die Containerverluste gefährden die Besatzung und das Schiff, verursachen hohe Kosten und tragen zur Verschmutzung der Meere bei“, warnt die stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach. Die Ursache für die vielen Containerverluste sind laut Käfer-Rohrbach bekannt: „Das Grundproblem ist, dass die Fahreigenschaften großer Containerschiffe und die gängigen Sicherungssysteme nicht mehr zusammenpassen.“ Um hier entgegenzuwirken, fordert der GDV von den Reedern Gegenmaßnahmen ein. Hierzu zählt unter anderem der Einbau zusätzlicher Ballastwassertanks, durch die harte Schwingungen besser ausgeglichen werden können. Bislang sind diese Tanks nicht verpflichtend, moniert der GDV – folglich würden sie nur von wenigen Reedern eingesetzt.  

Auch das sogenannte Laschsystem, mit dem die Container untereinander befestigt sind, müsse an die heutigen Bedingungen angepasst werden, fordert der Versichererverband. Schließlich würden Container heutzutage nicht mehr in vier bis fünf Lagen, sondern stattdessen in bis zu zwölf Lagen transportiert. Die Sicherungssysteme müssten folglich „mitwachsen“.

Darüber hinaus hat auch die korrekte Stapelung der einzelnen Container Auswirkungen auf die Stabilität der Ladung. So müssten die schwersten Container nach unten gestapelt werden, leichtere kommen in die höheren Schichten. Wird hier falsch gestapelt, kann es zu einem Dominoeffekt kommen, der den ganzen Stapel umwirft. Nur: Eine effiziente Kontrolle ist angesichts fehlender Mechanismen bislang nicht möglich.   

Sollten diese und weitere Maßnahmen nicht umgesetzt werden, könnte alternativ die Beladung der Schiffe verringert werden. Angesichts der weltweiten Lieferprobleme und angespannten Lieferketten dürfte das allerdings keine gangbare Option sein.

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