BVK-Studie: Kostenlose Vergleichssoftware von Maklerpools kann Vermittler in die Bredouille bringen

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung Versicherungen

Viele Versicherungsmakler nutzen bei ihrer Kundenberatung die kostenlose Vergleichssoftware von Maklerpools. In einer aktuellen Studie rät der BVK aber zur Vorsicht. Sich nur auf die Tools zu verlassen, könne Vermittlern rechtliche Probleme bereiten.

Bild: Adobe Stock/Teodor Lazarev

Kostenlose Vergleichssoftwares von Maklerpools sind unter Maklern beliebt. Doch in puncto Rechtssicherheit sollten sich die Vermittler nicht blind auf solche Tools verlassen, heißt es in einer Studie des BVK. Bild: Adobe Stock/Teodor Lazarev

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) ruft Makler und Mehrfachvertreter, die in der Kundenberatung kostenlose Vergleichssoftware einsetzen, zur Vorsicht auf. Makler als Sachwalter ihrer Kunden sollten beachten, dass sie durch die Nutzung von Tools keineswegs aus ihrer Verantwortung entlassen wären, sich selbst einen sorgfältigen Marktüberblick zu verschaffen. „Eine kostenlose Vergleichssoftware kann damit Folgekosten für eigene ergänzende Marktrecherchen (z.B. durch Ausschreibungen) oder im schlimmsten Fall von Schadenersatzzahlungen an falsch beratene Kunden nach sich ziehen“, heißt es dazu in der Studie „Pools und Dienstleister für Versicherungsmakler“, die der procontra-Redaktion vorliegt.

Im Text wird auf die jüngeren Urteile gegen die als Makler tätigen Vergleichsportale Check24 und Verivox verwiesen. Bei beiden Unternehmen erkannten die Richter die Verletzung einer Pflicht nach dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG): Es mangelte jeweils an einem hinreichenden Marktüberblick, weil nicht genügend Anbieter in den Versicherungsvergleich mit einbezogen wurden.

Ein juristischer Rüffel, der auch Maklern drohen könnte. Aus Sicht der Studienautoren sollten sie bei der Anwendung von Vergleichssoftwares also zusätzlich darauf achten, dass bei der Auswahl des besten Tarifs für ihren Kunden genügend Versicherungsunternehmen berücksichtigt werden. Doch wie viele sind genug? Bei der Angabe eines konkreten Prozentwerts aller Anbieter tun sich Juristen noch schwer. Eine ungefähre Einschätzung lieferte Rechtsanwalt Jens Reichow von der Hamburger Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte. Zudem seien auch Direktversicherer im Vergleich nicht zu vernachlässigen.

Jeder Zweite nutzt kostenlose Vergleichssoftware

Im Kern der Studie geht es um die Frage, wie abhängig die eigentlich unabhängigen Vermittler von sogenannten Intermediatoren – gemeint sind vorrangig Maklerpools – sind. Autor der vom BVK herausgegebenen Untersuchung ist Professor Matthias Beenken, Inhaber des Lehrstuhls BWL inklusive Versicherungswirtschaft an der Fachhochschule Dortmund. Die Studie entstand in Kooperation mit bbg Betriebsberatungs GmbH, Versicherungsforen Leipzig GmbH und Maklerforen Leipzig GmbH.

Als Datengrundlage dienten 204 vollständig ausgefüllte, umfassende Fragebogen von Maklerbetrieben. Demnach arbeiten 77 Prozent der Befragten mit Maklerpools zusammen. Etwa die Hälfte von ihnen gab an, für die von ihnen genutzte Vergleichssoftware kein Geld auszugeben. „Sehr viele Teilnehmer beziehen ihre zentrale Software, mit der sie sich das Marktangebot erschließen und auf deren Grundlage sie Produktempfehlungen an Kunden aussprechen, über Pools und Verbünde kostenfrei“, schreibt Beenken. Für sie alle empfiehlt sich, in Zukunft etwas genauer hinzuschauen und sich gegebenenfalls bei ihrem Pool rückzuversichern, dass das genutzte Tool eine hinreichende Anzahl Anbieter in den Vergleich mit einbezieht.

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