bAV: Was tun mit der Auszahlung vom Arbeitgeber?

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Ein Finanzanalytiker hat sich mit den Auszahlungsoptionen bei einer Betriebsrente des Arbeitgebers beschäftigt. Sowohl die Einmalzahlung als auch Teilauszahlungen mit nachfolgend kleinen Renten haben mindestens steuerliche Tücken.

bAV: Was tun mit der Auszahlung vom Arbeitgeber? Bild: Adobe Stock/Fokussiert

Die Form der Auszahlung einer vom Arbeitgeber spendierten bAV hat steuerliche und oft auch sozialversicherungsrechtliche Folgen. Bild: Adobe Stock/Fokussiert

In der Vergangenheit hat procontra schon öfter über die Möglichkeiten privater und betrieblicher Altersvorsorge berichtet, aber auch über der Wiederanlage der Auszahlung. Seltener ist zu lesen, wie das angesparte Vermögen zu Rentenbeginn sinnvoll ausgezahlt werden sollte. Dafür gibt es meist mehrere Optionen, weiß Finanzanalytiker Volker Looman aus Berlin.

In seiner wöchentlichen FAZ-Kolumne zeigt er dies am Beispiel eines verheirateten Mannes (67) auf, dessen bAV-Versorgungskonto bei der Firma Bosch zum Rentenstart reichlich 200.000 Euro aufweist. Der künftige Betriebsrentner wurde vor die Wahl gestellt, sich lebenslang für 986 Euro Monatsrente zu entscheiden oder stattdessen eine oder mehre größere Teilauszahlungen plus „Kleinrenten“ zu wählen – entweder einmalig 132.500 Euro plus 269 Euro lebenslange Monatsrente oder 20 Jahresraten à 6.625 Euro plus 269 Euro lebenslange Monatsrente.

Rente vom Chef: Was die lebenslange Sofortrente bringt

Die richtige Entscheidung dürfte selbst routinierten Beratern schwerfallen. Looman tut in solchen Fällen, was er nach eigener Aussage am besten kann: Er rechnet nach. Zuvor stellt er aber klar: Die Vorteilhaftigkeit dieser drei Varianten hängt von der „Restlaufzeit“ des Ingenieurs ab. Zudem seien Abzüge an Einkommensteuer (100 Prozent) und für gesetzlich Versicherte auch Kranken- und Pflegeversicherung (nur in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es aktuell 164,50 Euro Freibetrag pro Monat, in der Pflegeversicherung nicht) zu berücksichtigen.

Ausgangspunkt der Renditeberechnung ist eine Rentendauer von 23 Jahren, „weil der Mann der guten Hoffnung ist, wie seine Vorfahren rund 90 Jahre alt zu werden“, schreibt Looman. Was kommt nun bei den drei Auszahlungsvarianten heraus?

Bei der lebenslangen Betriebsrente fallen bei rund 25.000 Euro gesetzlicher Altersrente in der Familie 2.772 Euro Einkommensteuer plus monatlich 127 Euro für die Krankenkasse sowie 30 Euro für die Pflegekasse an. Macht nach Looman 598 Euro monatlich netto (986 Euro brutto). Rendite bis zum 90. Geburtstag: minus 1,36 Prozent.

Hohe Einmalzahlung mit starken Abzügen

Wählt der Bosch-Ingenieur die hohe Einmalzahlung von 132.500 Euro, führt das zu 48.410 Euro Steuerzahlung. Die Krankenkasse verteilt die Einmalzahlung auf zehn Jahre und verlangt dafür 120 Beiträge à 187 Euro, die Pflegekasse 120 Beiträge à 42 Euro. Die restlichen 269 Euro lebenslange Monatsrente sinkt durch dieselben Abgaben auf 244 Euro. Rendite bis zum 90. Geburtstag: minus 7,66 Prozent. „Das sind rund 81.000 Euro weniger als bei der reinen Verrentung“, sagt Looman. Man komme „nur vom Regen in die Traufe“.

Wählt der Mann die dritte Option, sei dies „die Mitte des Rentenschmerzes“, meint der Finanzanalytiker. Die Monatsrente von 269 Euro und die jährlichen Extraleistungen von 6.625 Euro führen in den nächsten 20 Jahren zu Steuern von jeweils 2.268 Euro. Danach wird der Fiskus noch drei Jahre lang je 666 Euro fordern – falls der Mann noch länger lebt, auch in den Jahren danach. Die Monatsrente sinkt nach SV-Abgaben wiederum auf 244 Euro. Rendite bis zum 90. Geburtstag: minus 3,39 Prozent. Das macht 55.000 Euro weniger als bei der reinen Verrentung.

Der Kompromiss ist faul, aber Demut angesagt

Bei allem Ärger über die zum Teil heftigen Abzüge mahnt Looman zu Demut: „Das Kapital stammt nicht vom Ingenieur selbst, sondern aus dem Betriebsvermögen seines Arbeitgebers.“ Er empfiehlt, sich den Standpunkt zu eigen zu machen, der mit einem Sprichwort gut umschrieben ist: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. „Die Betriebsrenten großer Konzerne sind für ihre Empfänger ein Geschenk des Himmels“, so der Finanzanalytiker.

Er hat dem Mann übrigens zur lebenslangen Rente geraten, weil der „Schaden“ da am geringsten ist. Das stimmt aber nur, wenn der Rentner mindestens 90 Jahre alt wird. Übrigens: Looman verweist Leser gern auf einen Zinsrechner für regelmäßige Sparraten im Internet und den zusätzlichen Blick auf einen Rechner für einen Entnahmeplan.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!