BaFin sorgt sich wegen Immobilienpreisen

Martin Thaler Sachwerte

Die Preise für Wohnimmobilien schießen durch die Decke. Um Banken gegen das Platzen einer Immobilienblase abzusichern, plädiert die deutsche Finanzaufsicht nun für strengere Voraussetzungen bei der Kreditvergabe.

Immobilienblase Bild: Adobe Stock/immimagery

Die BaFin möchte aus Angst vor einer drohenden Immobilienblase die Eigenkapitalanforderungen für Banken verschärfen. Bild: Adobe Stock/immimagery

Die Preise für Wohnungen und Häuser steigen und steigen – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Das statistische Bundesamt teilte Ende vergangenen Jahres mit, dass im 3. Quartal die Preise für Wohnimmobilien um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen waren – Rekord.  

Die Preisexplosion am Immobilienmarkt bereitet mittlerweile auch der deutschen Finanzaufsicht Sorgen. Laut einer an diesem Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung habe sich nach Einschätzung der BaFin das deutsche Finanzsystem zwar als robust erwiesen, jedoch hätten sich Verwundbarkeiten aufgebaut – insbesondere am Wohnimmobilienmarkt.  

Zusätzliche Eigenkapitalpuffer

Um diesem Risiko zu begegnen sollen Banken, aber auch Versicherer verpflichtet werden, bei der Vergabe von Immobiliendarlehen mehr Eigenkapital vorzuhalten. Neben einem sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer in Höhe von 0,75 Prozent soll speziell für Wohnimmobilienkredite ein zusätzlicher Puffer in Höhe von zwei Prozent gebildet werden. Insgesamt erhöht sich der Eigenkapital-Puffer bei Baufinanzierungen somit um 2,75 Prozent.  

Zugleich mahnt die BaFin Banken, Versicherer und andere Kreditgeber, bei der Neukreditvergabe vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen am deutschen Immobilienmarkt besonders vorsichtig zu sein. Die Finanzaufsicht erwarte seitens der Unternehmen eine konservative Kreditvergabepraxis, die sicherstelle, dass die Kreditnehmer die monatlichen Zahlungen für Zins und Tilgung aufbringen können, auch wenn die Zinsen steigen. Die Kreditvergabepraxis soll von der BaFin stetig überwacht werden – handeln Banken und Versicherer zu lax, behält sich die Finanzaufsicht verbindliche Vorgaben, wie eine Obergrenze für den Fremdkapitalanteil, vor.  

Warnungen vor Immobilienblase

Warnungen vor dem Entstehen einer Immobilienblase waren in letzter Zeit häufiger zu vernehmen. „Die Zeichen mehren sich, dass die Wohnungspreise in einigen Städten und Marktsegmenten nicht mehr allein durch die Entwicklung der Mieten und die niedrigen Zinsen zu erklären sind", warnte im Dezember der DIW-Immobilienexperte Konstantin Kholodilin gegenüber „tageschau.de“. Die Schweizer Großbank UBS sah in einer Erhebung im Oktober weltweit vor allem in den deutschen Städten München und Frankfurt am Main die Gefahr einer Immobilienblase.  

Mit den nun geplanten Schritten wolle man die Widerstandsfähigkeit der Banken, sollte eine solche Blase platzen, stärken. Durch die beiden zusätzlichen Risikopuffer erwartet die BaFin ein zusätzliches Finanzpolster bei den Banken in Höhe von 22 Milliarden Euro. Gelten sollen die Auflagen ab 1. Februar 2023. Allerdings sieht die BaFin nur bei wenigen Banken zusätzlichen Kapitalbedarf – bei den meisten entsprechen die Eigenkapitalpuffer schon den angestrebten neuen Vorgaben.

Auch für die Kreditnehmer seien große Veränderungen erst einmal nicht zu erwarten. „Aufgrund der steigenden Immobilienpreise beobachten wir schon seit Längerem, dass Banken die Kreditvergabe sehr genau prüfen“, erklärt Jörg Utecht, CEO des Immobilenkreditvermittlers Interhyp auf procontra-Nachfrage.

Perspektivisch sei jedoch eine Erhöhung der Konditionen denkbar. „In welchem Maße die Zinsen steigen werden, ist jedoch noch offen. Genauso wie die Frage, ob das wiederum zu einer geringeren Nachfrage am Immobilienmarkt führt. Ein gewisser Einfluss ist durchaus möglich, wie groß dieser sein wird, ist nicht absehbar“, so Utecht.

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