„Altersgerechter Wohnraum spielt eine immer größere Rolle“

Stefan Terliesner Versicherungen

Die Überalterung der Bevölkerung schreitet weiter voran. Damit steigt auch die Nachfrage nach Pflegeimmobilien. Welche Chancen und Risiken sich hierbei für Kapitalanleger ergeben, erklärt Marc-Philipp Unger, Leiter Finanzierung bei MLP, im Interview.

Marc-Philipp Unger, Bild: MLP

Marc-Philipp Unger, Leiter Finanzierung bei MLP und Vorstand des MLP-Tochterunternehmens Deutschland.Immobilien, Bild: MLP

procontra: MLP vermittelt neuerdings Pflegeimmobilien. Was macht den Markt für Kapitalanleger interessant?

Marc-Philipp Unger: Aufgrund des demografischen Wandels steigt die Nachfrage nach dieser speziellen Wohnform kontinuierlich an – und das bei einem zu geringen Angebot, denn der Wohnungsbestand in Deutschland ist derzeit nicht auf unsere Demografie zugeschnitten. Kapitalanleger profitieren also nicht nur von guten Zukunftsaussichten, sondern können mit wenig Verwaltungsaufwand regelmäßige Mieteinnahmen und gute Renditen erwirtschaften. Langfristige, indexierte Pachtverträge mit Pflegeheimbetreibern geben Anlegern nicht selten über 20 bis 30 Jahre Planungssicherheit. Zudem kümmert sich der Betreiber um die Vermietung und trägt auch das Mietausfallrisiko.

procontra: Welche Renditen stellen Sie in Aussicht?

Unger: Das hängt natürlich immer vom Objekt ab. Im Regelfall erzielt der Anleger drei und in seltenen Fällen auch bis zu vier Prozent Rendite pro Jahr.

procontra: Wie hoch ist die Rendite nach Instandhaltungskosten?

Unger: Für gewöhnlich werden alle Instandhaltungsmaßnahmen bei Pflegeimmobilien bis auf „Dach und Fach“ vom Betreiber übernommen. Deshalb müssen Anleger – im Vergleich zu konventionellen Eigentumswohnungen – deutlich weniger Rücklagen bilden.

procontra: Was sind die Risiken?

Unger: Standorte könnten sich langfristig dahingehend wandeln, dass veränderte Sozialstrukturen zu einem geringeren Bedarf an Pflegeplätzen führen. Das Risiko für den Leerstand trägt zwar grundsätzlich der Betreiber, aber dieser kann unter Umständen ausfallen oder auch seine vertraglichen Pflichten hinsichtlich der Instandhaltung nicht erfüllen. Das geschieht allerdings recht selten.

procontra: Sind nicht auch neue gesetzliche Standards ein Risiko? Mehrere Bundesländer verlangen zum Beispiel eine Quote für Einbettzimmern. In Nordrhein-Westfalen liegt die Vorgabe seit 2018 bei 80 Prozent. Das hat einige Betreiber in die Pleite getrieben.

Unger: Regulatorische Eingriffe durch die Politik können immer auch Risiken mit sich bringen. Allerdings spielt altersgerechter Wohnraum eine zunehmend große Rolle in der Wohnungsbaupolitik – und die Politik ist gefragt, sinnvolle Lösungen für aktuell zu wenig Wohnraum zu finden. Sie sollte das Problem nicht auch noch verschärfen.

procontra: Welche Pläne hat MLP in Bezug auf das Geschäftsfeld Pflegeimmobilien?

Unger: Immobilien, darunter auch Pflegeimmobilien und betreutes Wohnen, sind ein wichtiges Wachstumsfeld im MLP Konzern. Dabei vermitteln wir diese nicht nur, sondern entwickeln über die MLP-Tochterfirma Deutschland.Immobilien auch eigene Objekte.

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