Zielgruppe Senioren: Alternativen zum klassischen Unfallschutz

Uwe Schmidt-Kasparek Berater Versicherungen Top News

Nach Unfällen sind Senioren besonders oft auf fremde Hilfe angewiesen – das kann teuer werden. Spezielle Unfallpolicen mit Hilfeleistungen können allerdings auch noch im hohen Alter abgeschlossen werden.

Unfallschutz Bild: Adobe Stock/Racle Fotodesign

Gerade im eigenen Haushalt ist das Unfallrisiko groß, Senioren sind besonders gefährdet. Darauf haben sich viele Unfallversicherer eingestellt und bieten spezielle Service-Seniorenpolicen an. Bild: Adobe Stock/Racle Fotodesign

Die Zahl der Senioren steigt. Damit nimmt auch die Unfallgefahr zu, gerade im eigenen Haushalt ist das Risiko groß. Nicht nur privater Schutz wird daher wichtiger, auch Hilfeleistungen rücken in den Fokus – beispielsweise, wenn Senioren durch einen Unfall zeitweilig stark behindert sind. Hier können Versicherungsmakler mit Kombi- und Solo-Produkten punkten.

Nach einer Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Personen im Rentenalter ab 67 Jahren zwischen 2020 und 2035 um 22 Prozent von 16 Millionen auf voraussichtlich 20 Millionen steigen. Zudem nimmt die Lebenserwartung stetig zu: Männer, die heute 65 Jahre alt sind, leben noch durchschnittlich 18 Jahre; Frauen sogar mehr als 21 Jahre. Gleichzeitig wohnen immer mehr Menschen allein. Gut 30 Prozent aller Unfälle im „normalen“ Alltag ereignen sich in den eigenen vier Wänden, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ermittelt hat. Einige enden tödlich.

Nach einem Unfall sind Senioren besonders häufig auf fremde Hilfe angewiesen – und das kann teuer werden. Absichern kann man sich für einen solchen Ernstfall aber auch noch im hohen Alter. So bieten spezielle Unfallpolicen mit Hilfeleistungen für Senioren einen Kombischutz: Kapital bei andauernder Invalidität und bezahlte Hilfeleistungen bei zeitweiliger Hilfebedürftigkeit.

Welche Probleme nach einem Unfall auftreten können, wenn der Partner beispielsweise selbst pflegebedürftig ist und so plötzlich der aktive Teil einer Zweiergemeinschaft ausgefallen ist, zeigt folgender fiktiver Fall, den der Kölner Malteserhilfsdienst auf Basis seiner täglichen Erfahrungen darstellt.

Hohe Kosten bei zeitweiliger Hilfsbedürftigkeit

Maria Gerlach aus Dresden ist 72 Jahre alt und seit zwei Jahren verwitwet. Ihre beiden erwachsenen Kinder leben mit ihren Familien in Leipzig und bei Stuttgart. Beim Einkauf stürzt Frau Gerlach von einer Treppe im Supermarkt – ein typischer Alltagsunfall – und zieht sich hierbei eine schmerzhafte Knieprellung zu. Ferner sind zwei Finger ihrer rechten Hand ausgekugelt. In der Unfallchirurgie des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt werden Frau Gerlach die verletzten Finger im Rahmen einer ambulanten Operation wieder eingerenkt, genäht und per Verband fixiert. Zudem hat sie ein kleines Hämatom am Hinterkopf, eine Gehirnblutung konnte im CT ausgeschlossen werden.

Schnell wird klar, dass Maria Gerlach in den nächsten Wochen auf fremde Hilfe angewiesen ist. Durch ihre Knieprellung ist sie stark in ihrer Mobilität eingeschränkt und durch ihre verletzte rechte Hand ist sie auf Unterstützung im Haushalt angewiesen. Ihr Sohn aus Stuttgart engagiert daher einen privaten Hilfsdienst, der für die ersten 48 Stunden eine Tag- und Nachtwache stellt. Zudem wird ein Hausnotrufgerät installiert und eine Pflegekraft beauftragt, die beim An- und Auskleiden sowie bei der Körperpflege hilft. Zusätzlich wird mittags durch einen örtlichen Dienst ein warmes Mittagessen geliefert, ein Fahrdienst bringt sie zur Krankengymnastik und zur Nachbehandlung ins Krankenhaus. Fünf Monate lang wird Frau Gerlach von dem privaten Hilfsdienst unterstützt. Dafür zahlt ihr Sohn 4.750 Euro – fast 32 Euro am Tag. Allein hätte Frau Gerlach mit ihrer Rente diesen Aufwand nicht bezahlen können.

Profi-Hilfe per Versicherung

Ebendiese Leistungen sind versicherbar. Viele Unfallversicherer bieten spezielle Service-Seniorenpolicen an. Im Gegensatz zur reinen privaten Unfallversicherung wird hier schon bei kleineren Unfallverletzungen eine Leistung gewährt. Zudem übernehmen bei den Service-Policen professionelle, vom Versicherer beauftragte Dienstleister, wie Johanniter, Malteser, Caritas oder das Deutsche Rote Kreuz die Arbeit und kümmern sich um den zeitweilig Behinderten. Die klassische Unfallversicherung zahlt hingegen nur dann, wenn die Beeinträchtigung „voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen wird und eine Änderung des Zustandes nicht erwartet werden kann.“

Die finanzielle Absicherung der zeitweiligen Hilfsbedürftigkeit ist für Senioren nach einem Unfall sinnvoll. Sollte die Behinderung dauerhaft bestehen, gibt es in Kombination mit einer hochwertigen Unfallversicherung zusätzlichen Schutz. Dabei gilt: Wer mit 60 Jahren eine Kombi-Police kauft, erhält deutlich bessere Leistungen beim Unfallschutz, da noch eine Progression vereinbart werden kann. Dies bedeutet: Wenn der Unfall zu einer besonders schweren Behinderung geführt hat, steigt die Leistung um ein Mehrfaches.

Strenge Meldepflichten

Der Vermittler sollte den Versicherten umfangreich über seine Pflichten aufklären. Sinnvoll ist es zudem, dass der Kunde sich nach einem Unfall direkt beim Vermittler meldet. Der Unfall ist dem Versicherer unverzüglich anzuzeigen. Zudem muss ohne schuldhaftes Zögern ein Antrag bei der Krankenkasse auf eine Einstufung in eine Pflegestufe gestellt werden, wenn der Umfang der Verletzung dauerhafte Pflege nahelegt. Wer gegen diese Pflichten verstößt, kann den Versicherungsschutz verlieren. Wer bereits pflegebedürftig ist, kann in der Regel keine Police mit Hilfeleistungen mehr abschließen. So heißt es etwa bei der Huk-Coburg: „Im Unfall-Schutzbrief für Erwachsene sind nicht versicherbar: Personen, für die die gesetzliche Pflegeversicherung vor dem Unfall mindestens Pflegegrad 2 anerkannt hat.“

Die meisten Anbieter verkaufen die Versicherung von Hilfsleistungen nicht solo, sondern immer nur mit einer Unfallversicherung gekoppelt. Ausnahmen gibt es aber. Die Stiftung Warentest sieht die Solopolicen „Unfall-Schutzbrief“ der ARAG, „Reaktivierer“ der Basler, „Notfall-Programm Smart“ der Bayerischen und „Unfallversicherung Flex Premium/Exklusiv inklusive Hilfe- und Pflegeleistungen“ der Hanse Merkur als „empfehlenswerte Produkte“ an. Eine Reihe von Anbietern hat die Hilfeleistungen gedeckelt. Das kann bei einer Leistungsdauer von beispielsweise fünf Monaten dann ganz schön eng für den Versicherten werden: Werden etwa umfangreiche Leistungen für 80 Euro pro Tag abgerufen, kann ein Deckel von 10.000 Euro schon zu knapp sein.

Selektion per Maklerdatenbank

Für die Generierung eines guten Produktes eignet sich vor allem die Maklerdatenbank des Softwareanbieters Smartinsurtech. Hier können aus rund 100 Unfalltarifen die Angebote gefiltert werden, die für Senioren besonders geeignet sind. Dabei müssen Vermittler aufpassen: Eine Reihe von Angeboten organisiert die Hilfen nur, aber bezahlt sie nicht. Bei einer Selektion nach bezahlten Hilfeleistungen wurden im November zehn Tarife angegeben. Eine weitere Differenzierung nach Tarifen, bei denen im Fall von Vorerkrankungen weniger oder keine Abzüge gemacht werden, ist möglich. Eine sinnvolle Option für Senioren – Vorerkrankungen, die mitursächlich für einen Unfall sein können, sollten bei ihnen möglichst keine Rolle spielen. Wie die E+S Rückversicherung Ende 2020 feststellte, sei das Anrechnen von Vorerkrankungen allerdings rückläufig. Demnach gebe es immer mehr Produkte, bei denen Vorerkrankungen erst ab 50 Prozent berücksichtigt würden. Dabei bieten aktuell 14 Versicherer im Maklermarkt 27 Tarife an, bei denen auf die Mitwirkung verzichtet wird.

Wer daher bei der Selektion seiner Senioren-Angebote mit bezahlten Hilfeleistungen nur noch Tarife wählt, bei denen der Versicherer erst ab einer „Mitverursachung“ von 50 Prozent Abzüge bei den Leistungen machen darf, erhält aktuell gerade sieben Tarife zu Auswahl – mit einem überraschenden Ergebnis bei der Prämie: Für einen 70-jährigen Senioren gibt es den Tarif „Premium“ von Policenwerk für rund 94 Euro pro Jahr, wenn eine Invaliditätssumme von 100.000 Euro gedeckt wird. Den mit Abstand höchsten Preis ruft die Haftpflichtkasse (Komplett – Taxe Premium Plus - Hilfe-Paket - Papier-Police) mit über 505 Euro pro Jahr auf. Die Angebote der Adcuri (Premium-Schutz“ 280 Euro), WGV (PLUS 293 Euro), die Bayerische (Optimal Prestige 293 Euro), die Waldenburger (Premium Plus mit Reiten, Motorrad und Ski 352 Euro) und der Haftpflichtkasse (Komplett – Taxe Premium Plus - Hilfe-Paket - Papierlos 480 Euro) sind ebenfalls eher hochpreisig.

Auch wenn es bei den Invaliditätswerten der Gliedertaxe etwas weniger Leistung gibt, ist „Premium“ von Policenwerk unschlagbar. Auf Kürzung wegen Mitwirkung von Krankheiten oder Gebrechen verzichtet das Angebot ganz. Nach einem Unfall erhalten die Senioren bis zu sechs Monate „Hilfe bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen und Aufgaben des täglichen Lebens“, die sie unfallbedingt nicht mehr leisten können. Der Versicherer organisiert und bezahlt die tägliche Versorgung mit einer warmen Mahlzeit, bis zu zweimal pro Woche einen Einkauf und einen Fahrdienst zu Ärzten oder Behörden. Zusätzlich werden bis zu zehn Stunden pro Woche eine Reinigung der Wohnung, der Wäsche sowie die Versorgung der Pflanzen organisiert. Auch kann ein 24-Stunden Notruf eingerichtet werden.

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