Welche Aufgaben Makler am liebsten loswerden würden

Martin Thaler Berater Nachfolgeregelung

Makler müssen immer mehr regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig ihren Betrieb auf digitale Prozesse umstellen, für die Beratung bleibt somit immer weniger Zeit. Bei den Vermittlern wächst laut einer neuen Studie dadurch die Unzufriedenheit.

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Immer mehr bürokratische und technische Aufgaben halten Makler von ihrer Kerntätigkeit, der Beratung, ab. Bild: Pixabay/cocoparisienne

Fragt man Versicherungsmakler, welchen Aspekt ihrer Arbeit sie besonders wertschätzen, lautet die Antwort häufig: die Beratung ihrer Kunden. Doch für diese Kernaufgabe bleibt Maklern angesichts eines ständig größer werdenden bürokratischen Aufwands immer weniger Zeit.  

Laut dem aktuellen Maklerbarometer von Policen Direkt verbringen Versicherungsmakler durchschnittlich mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit bürokratischen beziehungsweise IT-Aufgaben. So ist es kaum verwunderlich, dass Makler diese Tätigkeiten gerne komplett abgeben würden: 65 Prozent der von Policen Direkt befragten 411 Makler würden das Thema Bürokratie gerne outsourcen. Knapp die Hälfte der Befragten (47,5 Prozent) möchte sich zudem nicht mehr selbst um die eigene IT, Technik und Digitalisierung kümmern.  

Vergleichsweise wenig Makler empfinden hingegen die Neukundengewinnung (25 Prozent) beziehungsweise die Bestandskundenbetreuung (13 Prozent) als lästig und würden diese Aufgaben lieber in andere Hände geben.  

„Die Ergebnisse unseres Maklerbarometers zeigen, dass Deutschlands Makler offenbar immer seltener dazu kommen, sich um die Themen zu kümmern, die ihnen Freude bereiten“, erklärt Policen-Direkt-Geschäftsführer Dr. Philipp Kanschik. Maklern würde es immer schwerer fallen, die eigenen Prozesse zukunftsfähig zu gestalten, so Kanschik, wodurch bei vielen die Unzufriedenheit steige.  

Nachfolge weitgehend ungelöst

Auch das Thema Nachfolge scheint bei vielen Maklern, die sich an der Umfrage beteiligt haben, weiter ungelöst zu sein. 74 Prozent der Über-60-Jährigen gaben an, ihre Nachfolge noch nicht geregelt zu haben. „Die Nachfolgewelle türmt sich immer weiter auf. Wir erwarten, dass die Anzahl der Makler, die eine Nachfolgelösung suchen, Jahr für Jahr steigen wird und erst gegen Mitte der 2020er ihr Zenit erreicht. Vor allem im Privatkundenbereich beginnt die Marktkonsolidierung gerade erst“, kommentiert Kanschik dieses Ergebnis.  

Dass das Thema für viele Makler jedoch von entscheidender Bedeutung sei sollte, unterstreichen weitere Umfrageergebnisse: So erklärte knapp die Hälfte der Befragten, dass ihre Bestand ihre primäre Altersvorsorge darstelle. 40 Prozent zeigten sich zudem überzeugt, auch nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters weiterarbeiten zu müssen.  

Kanschik wirbt in diesem Zusammenhang für ein Nachfolgemodell, das aus gemeinsamer Übergangsphase mit anschließender Rente besteht – auch weil ein klassischer Unternehmensverkauf für viele Makler gar nicht in Frage komme. „Das ist finanziell am attraktivsten und schützt vor Bestandsabrieb beim Übergang“, erklärt Kanschik. Nicht ohne Hintergedanken – mit einem solchen Modell wirbt Policen Direkt um Bestände.  

Viele Angebote im Markt

Auch andere Marktteilnehmer gewichten das Thema Nachfolgeplanung mittlerweile sehr hoch. Auch Maklerpools wie beispielsweise Blau Direkt, SDV Servicepartner der Versicherungsmakler oder seit April dieses Jahres auch Maxpool haben Maklerrenten im Angebot. Der Maklerpool Fonds Finanz, dessen Mehrheit in der vergangenen Woche vom britischen Private-Equity-Investor HG Capital übernommen wurde, bietet den an den Pool angebundenen Maklern derzeit an, ihre Bestände zu einem „überdurchschnittlichen Preis“ abzukaufen.

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