Weihnachtszeit: Schadenhöhe durch Brände gestiegen

Hannah Petersohn Versicherungen Panorama

Die Adventsaison ist traditionell bekannt für einen Negativrekord: Zwischen Weihnachtszeit und Jahreswechsel verdoppelt sich stets die Anzahl der Brände. Im vergangenen Jahr erreichten zudem die Kosten pro Brand einen neuen Höchststand. Dieses Jahr sollten Kerzenliebhaber noch vorsichtiger sein.

Weihnachtszeit: Schadenhöhe durch Brände gestiegen Foto: picture alliance/dpa/Paul Zinken

„Rund um Weihnachten und Silvester nehmen die Feuerschäden regelmäßig zwischen 40 und 50 Prozent zu“, warnt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Foto: picture alliance/dpa/Paul Zinken

Die dunkle und ungemütliche Jahreszeit hat noch aus jedem Weihnachtsmuffel einen heimeligen Kerzenliebhaber gemacht. Auch jetzt stehen wieder blinkende Lichter und Adventskränze hoch im Kurs. Ganz vorfreudige Mitbürger wagen bereits den Gang zum Weihnachtbaumverkauf. Vor wenigen Tagen vermeldete die dpa sichtlich erleichtert: Pünktlich zum Beginn der Weihnachtsbaumsaison muss keiner um seinen Baum bangen. „Anders als etwa voraussichtlich in Großbritannien gebe es hierzulande keine Engpässe“, sagte eine Sprecherin des Verbands natürlicher Weihnachtsbaum gegenüber der Nachrichtenagentur.

Seit Beginn der Pandemie werden die Bäume noch früher gekauft, weil sich viele Menschen, die im Homeoffice arbeiten, länger an dem geschmückten Grün erfreuen wollten, so die Sprecherin. Doch Obacht! Wer sich nicht gedulden kann und sich schon jetzt die grüne Tanne in sein trautes Heim stellt, erntet an Heiligabend ein eher trockenes Gewächs. Das ist schon allein optisch von fragwürdiger Ästhetik, und da hilft auch kein gnädiges Kerzenlicht mehr; ganz abgesehen von den abfallenden Nadeln, die sich gerne durch die Strümpfe in die Fußsohle bohren. Es ist aber auch im Sinne der Gefahrenabwehr keine gute Idee, denn: Was ausgetrocknet ist, brennt besonders gut.

Zahl der Brände sinkt, Schadenhöhe steigt

„Rund um Weihnachten und Silvester nehmen die Feuerschäden regelmäßig zwischen 40 und 50 Prozent zu“, warnt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Statistik zeigt: Im vergangenen Jahr zählten die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer etwa 8.000 Brände mehr zum Jahresende.

Zwar sei die Zahl der Weihnachtsbrände im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, allerdings erreichten die Kosten pro Brand mit durchschnittlich 3.800 Euro einen neuen Höchststand. Der Schadenaufwand für die zusätzlichen Brände zum Jahresende lag bei rund 31 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2019 waren es 32 Millionen Euro, der Schadendurchschnitt lag knapp über 3.500 Euro. Insgesamt leisteten die deutschen Versicherer für etwa 300.000 Feuerschäden im gesamten Jahr 2020 rund 1,6 Milliarden Euro.

Pandemiebedingt: Intensivmediziner warnen vor Unfallgefahren

Die Lösung ist denkbar einfach: Den Weihnachtsbaum erst kurz vor Heiligabend kaufen, Kerzen nicht unbeaufsichtigt und schon gar nicht in Nähe von leicht brennbaren Materialien wie Vorhängen flackern lassen, besser auf Strohsterne als Baumschmuck verzichten und zu guter Letzt: Mensch, Tier und Umwelt zuliebe die Sache mit den Böllern und Feuerwerkskörpern lassen.

Zumal, und das sei an dieser Stelle frei von jeder Ironie gesagt: Berliner Intensivmediziner warnen eindringlich vor Unfallgefahren, weil die Versorgung verletzter Menschen durch die hohe Anzahl an Covid-Patienten kaum noch gestemmt werden kann. „Wir raten dazu, in den nächsten Wochen besonders vorsichtig zu sein“, sagte Jörg Weimann, Chefarzt der Intensivstation im Sankt Gertrauden-Krankenhaus in Berlin-Wilmersdorf, am Dienstag gegenüber dem Berliner Tagesspiegel.

In einem Appell haben sich 40 Chef- und Oberärzte der großen Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg an die Öffentlichkeit gewandt: „Auch in der Notversorgung von Opfern schwerer Unfälle kann wichtige Zeit dadurch verloren gehen, dass Rettungswagen und Notärzte nicht mehr einfach die nächstgelegene Klinik anfahren können, sondern längere Wege für das nächste freie Intensivbett in Kauf nehmen müssen.“

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