Wann wird Umsatzsteuer auf Services fällig?

Detlef Pohl Berater Panorama Top News

Verschiedene Umsatzarten strikt getrennt verbuchen

Auf der sicheren Seite sind Versicherungsmakler, wenn sie Umsätze aus Vermittlungen und Umsätze aus anderen Dienstleistungen strikt getrennt verbuchen. Günstig: Einnahmen aus umsatzsteuerpflichtigen Services können als Vorsteuerabzug geltend gemacht werden. Weiterer möglicher Vorteil: Der Gesamtumsatz wird abzüglich bestimmter steuerfreier Umsätze besteuert. Steuerfrei bleiben bis zu 22.000 Euro pro Jahr (nach Paragraf 19 Absatz 3 UStG).

Beispiel: Ein Versicherungsmakler macht 150.000 Euro Jahresumsatz. Davon entfallen 130.000 Euro auf Courtagen aus Versicherungsvermittlung. Damit bleiben die restlichen 20.000 Euro umsatzsteuerfrei. „Provisionen aus Kapitalanlage- oder Darlehensvermittlungen dürfen dagegen nicht vom Gesamtumsatz abgezogen werden“, weiß Ziska – eine fragwürdige Regelung.

Was für Finanzanlagen-Vermittler und -Honorarberater gilt

Finanzanlagenvermittler (nach Paragraf 34f GewO) können verschiedene Vergütungsmodelle wählen: Vermitteln sie nur Fonds, erhalten sie eine steuerfreie Abschluss- sowie eine laufende Vertriebsfolgeprovision. Verzichtet der Vermittler auf eine Provision oder darf er als Honorar-Finanzanlagenberater (nach Paragraf 34h GewO) keine annehmen, kann er ein umsatzsteuerfreies Honorar vom Kunden erhalten. Das Gleiche gilt, wenn provisionsfreie Anteilsklassen oder ETFs vermittelt wurden oder es trotz Vermittlungsabsicht nicht zu einem Abschluss kam. Die Vergütung für den Arbeitsaufwand ist steuerfrei.

Bieten Finanzanlagenvermittler dagegen eine laufende Betreuung gegen Servicegebühr oder lassen sich ihre Beratung auf Stundenbasis vergüten, müssen sie 19 Prozent Steuern auf dem Umsatz abführen. Hier entfällt die Vermittlungsabsicht. „Zumal diese Servicegebühren nicht unter den Ausnahmen aufgezählt sind", ergänzt Ziska. Möglich ist bei 34f-Zulassung auch eine Kombination aus Servicegebühr und (verminderter) Provision – der Vermittler muss die beiden Zahlungen nur getrennt verbuchen.

Kommen Vereinfachungen für reine Beratung?

Möglicherweise bringt die Überarbeitung der europäischen Mehrwertsteuerrichtlinie bald Vereinfachungen. Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung hat der EU-Kommission vorgeschlagen, auch die reine Beratung zu Finanzprodukten von der Umsatzsteuer zu befreien. Das würde die Arbeit von 34d- und 34f-Maklern deutlich vereinfachen.

Dies geschah im Rahmen eines Konsultationsverfahrens. „Ein Konsultationsverfahren ist ein recht frühes Stadium im politischen Verfahren“, dämpft Steuerberater Ziska übertriebene Hoffnungen. Er ist als steuerpolitischer Berater des AfW eng in die Gespräche eingebunden. Fast 83 Prozent der Antwortenden aus allen EU-Mitgliedsstaaten sieht die Steuerbefreiung auf Finanzdienstleistungen als essentiell an. „Eine Mehrheit kann sich vorstellen, das bisherige Verfahren zu erleichtern“, sagt Ziska etwa dadurch, indem auch die reine Beratung von der Umsatzsteuer befreit wird. „Der Ball liegt jetzt bei der EU-Kommission“, so Ziska.

Änderungen auch bei der Versicherungssteuer

Übrigens: Von der Besteuerung der Vermittler-Services unabhängig hat der Staat auch an der Steuerschraube auf Versicherungsleistungen gedreht. Die Versicherungssteuer wird bislang auf zahlreiche Personenversicherungen nicht erhoben. Das ändert sich jedoch: Ab 2022 tritt das „Gesetz zur Modernisierung des Versicherungssteuerrechts und zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften" in Kraft. Damit wird die Befreiung von der Versicherungssteuer, die ansonsten meist 19 Prozent beträgt, bei einigen Personenverträgen eingeschränkt.

Betroffen sind davon private Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, aber auch Kranken- und Pflegeversicherungsverträge, für die nun Abgaben anfallen. Steuerfreiheit wird nur noch gewährt, wenn es um die Versorgung der natürlichen Person oder Angehöriger dient. Durch die Änderungen müssen Ehegatten, die in der PKV mitversichert sind, im Scheidungsfall die Steuer entrichten, kritisiert der PKV-Verband. Das Gesetz betrifft nur Verträge, die ab 2022 neu abgeschlossen werden.

Seite 1: Der Unterschied von Vermittlung und reiner Beratung
Seite 2: Warum es sinnvoll ist, verschiedene Umsätze gtrennt zu verbuchen

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!