Wann wird Umsatzsteuer auf Services fällig?

Detlef Pohl Berater Panorama Top News

Grundsätzlich ist die Vermittlung von Versicherungen – und auch von Fonds – umsatzsteuerfrei. Das gilt jedoch nicht für alle weiteren Services für Kunden. Was insbesondere Versicherungsvermittler wissen sollten.

Neben der steuerfreien Vermittlung bieten Finanzberater weitere Service – häufig wird darauf Umsatzsteuer fällig. Das Finanzamt will seinen Teil. Bild: Pixabay/Alexas

Neben der steuerfreien Vermittlung bieten Finanzberater weitere Service – häufig wird darauf Umsatzsteuer fällig. Das Finanzamt verlangt natürlich seinen Teil. Bild: Pixabay/Alexas

Die Europäische Kommission will die europäische Mehrwertsteuerrichtlinie novellieren. Bis Ende dieses Jahres soll es erste Vorschläge zur Überarbeitung der Vorschriften für die Vermittlung von Versicherungs- und Finanzdienstleistungen geben. Möglicherweise wird manches einfacher als bisher. Maßgebend ist die aktuelle Fassung des Umsatzsteuergesetzes (UStG). Paragraf 4 Nummer 8f (Finanzberater) und Nummer 11 (Versicherungsvermittler) UStG besagen, dass die Vermittlung von Finanz- und Versicherungsprodukten von der vollen Mehrwertsteuer (19 Prozent) ausgenommen ist.

Vermittlung von Finanzprodukten bedeutet aus steuerrechtlicher Sicht, „das Erforderliche zu tun, damit zwei Parteien einen Vertrag schließen, an dessen Inhalt der Vermittler kein Eigeninteresse hat." Daraus folgt: Beratungsleistungen ohne das Ziel eines Produktverkaufs sind keine Vermittlung und daher auch nicht steuerbefreit. Beispiel: die reine Beratung von Privatkunden.

Was für Versicherungsvermittler gilt

Versicherungsvermittler (nach Paragraf 34d GewO) bekommen eine umsatzsteuerfreie Abschlussprovision. Die von den Bestandsprovisionen für die laufende Vertragsbetreuung sind ebenfalls steuerfrei. Gleiches gilt, wenn der Vertreter oder Makler eine Nettopolice ohne Provisionsanteil vermittelt: Das Kundenhonorar für die Beschaffung der Police und eine Gebühr für die gesetzlich vorgeschriebene Betreuung sind umsatzsteuerfrei. Falls vereinbart, darf der Vermittler auch dann ein steuerfreies Entgelt vom Kunden verlangen, wenn es trotz Vermittlungsabsicht nicht zu einem Abschluss kam. Gesetzlich verboten ist aber die reine Beratung von Privatkunden. Anders bei Gewerbekunden: Da ist sie erlaubt, aber nur mit Umsatzsteuer.

Doch wie ist die Steuer auf zusätzliche Services von Versicherungsvermittlern anzuwenden? Wenn der Vermittler die Kfz-Zulassung nach erfolgter Vermittlung einer Kfz-Police übernimmt, so ist dies eine steuerpflichtige Zusatzleistung. Faustregel: Je mehr der Service Teil der gesetzlichen Pflichten eines Vermittlers ist, desto sicherer ist er steuerfrei.

Weitere Faustregel: Ist ein Service eine Nebenleistung zur Vermittlung als Hauptleistung, ist sie ebenfalls steuerfrei. „Die Nebenleistung teilt immer das Schicksal der Hauptleistung“, sagt Daniel Ziska, Vorstand der Steuerberatungsgesellschaft GPC Tax. Es gebe aber auch zahlreiche Zweifelsfälle. „Da hilft nur, das zuständige Finanzamt um eine verbindliche Auskunft zu bitten“, ergänzt Ziska.

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