Versicherer beklagen Wertverlust von Riester-Zulagen

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Der GDV drängt auf eine rasche Reform der Riester-Rente: Nach seinen Berechnungen ist der Wert der staatlichen Zulagen seit 2002 stark gesunken – das hat vor allem auf Geringverdiener Auswirkungen. Nun fordert der Verband von der Ampelkoalition einen „Neustart“.

Zulagen Bild: Adobe Stock/SERSOLL

Seit Einführung der Riester-Rente im Jahr 2002 ist der Wert der staatlichen Zulagen erheblich gesunken. Der GDV fordert daher einen Neustart der privaten Altersvorsorge. Bild: Adobe Stock/SERSOLL

Vor der Bundestagswahl ist der große politische Wurf in puncto Riester-Rente ausgeblieben – auch die neue Regierung hat Riester in ihrem Koalitionsvertrag eher auf dem Abstellgleis positioniert: SPD, Grüne und FDP wollen „die gesetzliche Anerkennung privater Anlageprodukte mit höheren Renditen als Riester prüfen“. Zudem ist die Einrichtung eines öffentlich verwalteten Vorsorgefonds im Gespräch. Ein Bekenntnis zu Riester liest sich anders.

Dynamisches Fördersystem soll starre Zulagen ersetzen

Die Versicherungswirtschaft würde gerne am bestehenden Riester-System festhalten – dennoch pocht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Reformen: Er fordert einen „Neustart“ innerhalb des bestehenden Riester-Systems. Denn seit Einführung der Riester-Rente im Jahr 2002 sei nach GDV-Berechnungen der Wert der staatlichen Zulagen kontinuierlich gesunken, ohne dass die Politik gegengesteuert habe.

„Die Entwertung trifft vor allem Menschen aus unteren Einkommensgruppen, die ausschließlich von Zulagen profitieren und nicht von Steuervorteilen“, erklärt GDV-Geschäftsführer Peter Schwark und untermauert dies mit folgenden Rechenbeispielen: Ein alleinstehender Mann, der den Mindestlohn verdient, muss im kommenden Jahr 3,22 Euro einzahlen, um einen Euro vom Staat dazuzubekommen. 2002 waren es nur 2,66 Euro. Bei einer alleinstehenden Mutter mit einem Jahreseinkommen von 25.000 Euro und zwei Kindern (geboren vor 2008) ist der Effekt noch stärker: Während sie 2002 lediglich 44 Cent für einen Förder-Euro selbst aufbringen musste, ist es im kommenden Jahr mit 81 Cent fast doppelt so viel. Je nach Einkommens- und Familiensituation seien sogar noch höhere Einbußen möglich.

Ein dynamisches Fördersystem solle die bislang starren Zulagen ersetzen. „Denkbar wäre zum Beispiel, dass der Staat zu jedem eingezahlten Euro 50 Cent dazu gibt“, sagt Schwark. Wer bislang die volle staatliche Unterstützung bekommen wollte, musste inklusive Zulagen vier Prozent seines Vorjahreseinkommens in den Vertrag einzahlen. Heute sind die Löhne jedoch wesentlich höher als 2002 – die Grundzulage wurde trotzdem nur einmal, im Jahr 2018, von 154 Euro auf 175 Euro angehoben. Mittlerweile müssen Sparer also einen höheren Eigenbeitrag leisten, um die volle Förderung in Anspruch zu nehmen.

Daher sind die individuellen Ausgaben für die private Altersvorsorge für viele Kunden stärker gestiegen als die allgemeine Teuerungsrate. Diese Entwicklung verdeutlicht der GDV an dem bereits oben genannten Beispiel: Der alleinstehende Mindestlohnempfänger musste 2002 einen Eigenbetrag von 409 Euro leisten, im kommenden Jahr werden es 564 Euro sein. Das sind 37,8 Prozent mehr, verglichen mit einem Anstieg der Preise um 31,2 Prozent. Für die alleinerziehende Mutter sind es mit 442 Euro sogar 93 Prozent mehr als 2002.

Riester-Skepsis im Koalitionsvertrag

Für die Beispielrechnungen legte der Versichererverband ein Jahreseinkommen von 18.730 Euro zugrunde, das ein Mindestlohnempfänger 2022 verdienen würde. Da es zur Einführung von Riester noch keinen gesetzlichen Mindestlohn gab, wurde dieser Betrag mit der durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate abgezinst: 2002 entsprachen rund 14.300 Euro derselben Kaufkraft. Am Beispiel der alleinerziehenden Mutter waren 25.000 Euro 2002 gut 19.000 Euro wert.

Die Chancen, dass die Ampel-Regierung die GDV-Vorschläge aufgreift, dürften angesichts der aus dem Koalitionsvertrag durchschimmernden Riester-Skepsis gering ausfallen. Allerdings haben die Ampel-Parteien auch einen Bestandsschutz für Riester-Verträge besiegelt – angesichts von derzeit rund 16 Millionen Riester-Verträgen könnte eine Anpassung der Zulagen eventuell doch noch einmal ein Thema werden.

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