Teilzeit-Tücken in der bAV

Stefan Terliesner Berater Versicherungen Top News

Immer wieder sind Teilzeitbeschäftigte überrascht, dass sie nicht mehr Betriebsrente bekommen. Das liegt auch an Mängeln in der Versorgungsordnung. Ausführliche Informationen sind notwendig.

bAV und Teilzeit, Bild: Adobe Stock/ magele-picture

Augen auf bei der Gestaltung der Versorgungsordnung – Immer häufiger landet die Frage nach der Berechnung der Betriebsrente bei Teilzeitbeschäftigung vor Gericht. Bild: Adobe Stock/ magele-picture

Die Kombination Teilzeit und Betriebsrente ist durchaus heikel. Wie das Beratungsunternehmen Longial berichtet, landet die Frage nach der Berechnung der Betriebsrente bei Teilzeitbeschäftigten häufiger vor Gericht. Meist gerate die Versorgungsordnung in den Fokus. Denn es gebe eine Fülle an Regelungen und Gestaltungsmöglichkeiten zu berücksichtigen – entsprechend leicht könne es zu Fehlern kommen. Das sei für Makler „sehr relevant“, wie Longial-Geschäftsführer Michael Hoppstädter betont. „Ein Makler muss die passende Produktlösung zu den Vorgaben der Versorgungsordnung finden beziehungsweise umsetzen.“

Und Fabian von Löbbecke, Chef von HDI Pensionsmanagement und Vorstand der HDI Leben, ergänzt auf Anfrage: „Der Denkanstoß für eine Versorgungsordnung in kleineren und mittleren Betrieben geht meist vom Vermittler aus. Deren Installation, Überprüfung und Aktualisierung stärkt die Kundenbeziehung und liefert neue Beratungsansätze.“

Großer Frust

Es ist für einen Makler sinnvoll, die Tücken bei der Gestaltung der Versorgungsordnung insbesondere im Zusammenhang mit Teilzeit zu kennen, wenn der Vermittler sich als geeigneter und kompetenter Partner des Unternehmens erweisen will. Dies gilt auch mit Blick auf die Bezugsberechtigten einer bAV. Wenn die irgendwann feststellen sollten, dass ihre Betriebsrente geringer ausfällt als jahrelang angenommen, ist der Frust groß.

Auch Alexander Bauer, Leiter des Rechtsbereichs bei Heubeck, einem Beratungsunternehmen in allen Fragen der Altersvorsorge, sieht hier Potenzial für Streitfälle. „Wie sich die Teilzeitbeschäftigung genau auf die Höhe der bAV auswirkt, sollte in der Versorgungsordnung explizit geregelt sein“, lautet seine Empfehlung. Und weiter: „Fehlt eine explizite Regelung, muss die Versorgungsregelung für die betriebliche Praxis unter Berücksichtigung der Vorgaben des Teilzeit- und Befristungsgesetzes ausgelegt werden“. Dann sind Konflikte fast zwangsläufig.

Verantwortlich für die Versorgungsordnung ist laut Hoppstädter zwar der Arbeitgeber, weil er die „Leitplanen“ für das betriebliche Versorgungswerk festlegt. „Dabei können sich Arbeitgeber von Pensionsberatern unterstützen lassen, wenn diese die Erlaubnis zur Rechtsberatung haben.“ Standard-Muster-Vereinbarungen würden zwar auch von Produktgebern zur Verfügung gestellt, müssten aber häufig auf die individuellen Wünsche und Ausgangslage des jeweiligen Unternehmens angepasst werden. Heubeck-Experte Bauer erinnert daran, dass eine Arbeitnehmervertretung an der Gestaltung der Versorgungsordnung beteiligt werden muss, sofern diese im Unternehmen vorhanden ist.

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