Taxonomie: Was Makler bald bei „grünen“ Anlagen tun müssen

Detlef Pohl Berater Versicherungen Investmentfonds

Was auf Vermittler ab August 2022 zukommt

Erste Lösungen zeichneten sich zwar ab, doch da sei noch viel Nebel, beobachtet auch der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung. „Am besten wäre es, sich für Vermittler auf eine brancheneinheitliche Lösung zu verständigen“, sagt AfW-Vorstandschef Norman Wirth. Er sieht jedoch auch „eine Vielzahl von Partikularinteressen bei diesem Thema am Markt“. Das könnte dazu führen, dass es zu weiteren Schnellschüssen einzelner Marktteilnehmer kommt, was dem Anliegen eher schaden dürfte als nutzen.

Was bedeuten die neuen Abfrage- und Beratungspflichten ab dem 2. August 2022 für 34d- und 34f-Vermittler? Rechtsanwalt Wirth fasst die Kernthesen so zusammen:

  • Der Anlegerschutz steht immer im Vordergrund (vor Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele des Kunden).
  • Vermittler müssen erst die Anlageziele definieren und dann die Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden abfragen.
  • Vermittler müssen eine genaue Übersicht über die Nachhaltigkeitsgrade von (Versicherungs-)Anlageprodukten geben können.
  • Greenwashing muss auf jeden Fall vermieden werden.
  • Vermittler müssen Aufzeichnungen über die Nachhaltigkeitsziele des Kunden führen.

Berater haben derzeit kaum die Möglichkeit zu prüfen, wie nachhaltig Fondsmanager und Portfolio-Unternehmen handeln. Es gibt eben noch keine verbindlichen Kriterien für die Nachhaltigkeit von Investmentfonds und fondsgebundenen Versicherungen. Eine solche Klassifikation soll von der EU erst im Laufe des nächsten Jahres eingeführt werden. Die Lage sei ungewiss und intransparent, ist von Fondsgesellschaften und Versicherern zu hören.

Green Finance nicht automatisch nachhaltig

Hinzu kommt: Green Finance weist nicht unbedingt die positiven Eigenschaften auf, die Anleger sich erhoffen. Der Grund: Es gibt in Unternehmen und im Staatshaushalt praktisch keine ursächliche Verknüpfung zwischen grünen Finanzierungsinstrumenten und einer Verwendung der Gelder für grüne Zwecke. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Analyse des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE, der Wirtschaftsuniversität ESMT Berlin und der Dresdner Niederlassung des ifo – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (Whitepaper gibt es hier, aber nur in englischer Sprache).

Einige Kernthesen: Ein grünes Aktienportfolio führe nicht zwangsläufig zu weniger Schadstoffemissionen. Und: Unternehmen, die grüne Aktien emittieren, wirtschafteten nicht allein dadurch nachhaltiger. „Wer in grüne Finanzanlagen investiert, macht dadurch zwar sein eigenes Portfolio grüner, aber es ändert sich nichts an den Emissionen der Gesamtwirtschaft“, sagt Jan Pieter Krahnen, SAFE-Direktor und einer der Autoren.

Kauf grüner Staatsanleihen verbessert Klimaschutz nicht

Ähnlich verhält es sich der Studie zufolge bei grünen Staatsanleihen, die der Bund in genau der Höhe emittieren kann, in der vorher grüne Ausgaben im Bundeshaushalt identifiziert werden konnten. „Dadurch werden dem Haushalt keine zusätzlichen Mittel zur nachhaltigen Transformation zur Verfügung gestellt“, betont ESMT-Präsident Jörg Rocholl. Kauften Privatanleger Green Bonds, hätte das keinen direkten Einfluss auf den Klimaschutz.

Allerdings könnten sich Privatanleger und Berater aktiv in Entscheidungsprozesse im Unternehmen einbringen, entweder persönlich oder über Vertreter der von ihnen gewählten beziehungsweise vermittelten Fonds, um mehr Nachhaltigkeit anzustoßen. „Man muss aber bereit sein, Renditeeinbußen hinzunehmen, denn eine grünere Unternehmenspolitik geht in der Regel zulasten der Erträge“, so Marcel Thum, Leiter der ifo-Niederlassung Dresden.

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