Taxonomie: Was Makler bald bei „grünen“ Anlagen tun müssen

Detlef Pohl Berater Versicherungen Investmentfonds

Neue EU-Verordnungen sollen mehr Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit bringen. 34d- und 34f-Vermittler müssen ab August 2022 die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden bei Fonds und Fondspolicen abfragen, doch manches ist offen.

Taxonomie: Was Makler bald bei „grünen“ Anlagen tun müssen Bild: AdobeStock/lovelyday12

Vermittler müssen in ihren Beratungsprozess künftig Nachhaltigkeitsrisiken einbeziehen, doch die harten Kriterien dafür stehen noch gar nicht fest. Bild: AdobeStock/lovelyday12

Die Transparenzverordnung (englisch: Sustainable Finance Disclosure Regulation) zwingt die Finanzbranche zu mehr Transparenz rund um das Thema Nachhaltigkeit. Diese Verordnung (kurz: TVO) bringt im Moment jedoch vielfach Unsicherheit trotz zahlreicher Empfehlungen für Vermittler, weil sie zeitlich der geplanten Änderungsverordnung zu den delegierten Verordnungen zu IDD und Mifid2 vorgreift, die ab 2022 auf Änderungen beim Vertrieb dringt.

Betroffen sind von den Transparenzpflichten „Finanzmarktteilnehmer“, also Anbieter von Finanz- und Versicherungsanlageprodukten, darunter Fonds und Vermögensverwalter, sowie „Finanzberater“. Letztere sind Kreditinstitute, Wertpapierfirmen, Asset Manager und Verwalter alternativer Investmentfonds, sofern sie Anlageberatung anbieten (nach Artikel 2).

Fondspolicen-Maklerhäuser ab 3 Beschäftigten betroffen

Auch Versicherungsmakler mit 34d-Zulassung gelten als Finanzberater, sofern sie Versicherungsanlageprodukte vermitteln. Finanzanlagenvermittler mit 34f-Zulassung sind nicht betroffen, sofern sie keine zusätzliche 34d-Zulassung besitzen und keine Fondspolicen vermitteln. Doch auch Versicherungsmakler sind nicht betroffen, wenn die Maklerfirma maximal zwei Mitarbeiter beschäftigt. Größere Maklerfirmen, die Fondspolicen vermitteln, müssen schon jetzt auf die Punkte in der TVO achten.

Ab dem 2. August 2022 kommen weitere Beratungspflichten: Vermittler müssen dann auch aktive Frage- und Beratungspflichten beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten wie Fondspolicen und andere Kapital-Lebensversicherungen beachten (Taxonomie-Verordnung). Grundlage dafür ist die zur bestehenden TVO ergänzende EU-Verordnung 2021/1257 vom 21. April 2021. Mit dieser Verordnung werden zwei sogenannte delegierte Verordnungen in Hinblick auf die Einbeziehung der Nachhaltigkeitsthematik bei der Beratung geändert: Einmal geht um eine delegierte Verordnung zur IDD (also Versicherungsbereich) und einmal zur Mifid2 (also Anlageberatung).

Folge: Damit Versicherungsanlageprodukte den Kundenpräferenzen entsprechen, wird die Beratung also noch differenzierter. Vermittler sind dann verpflichtet, die Wünsche und Ziele der Kunden bei der Produktauswahl einzubeziehen und diese auch schriftlich zu dokumentieren. Vor diesem Hintergrund ist jetzt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) mit einer überarbeiteten „Checkliste EU-Transparenzverordnung“ vorgeprescht.

Checklisten kommen noch zu früh

Betroffene Berater müssen in der Tat ab August 2022 nicht nur die Präferenz ihrer Kunden zu Produkten abfragen, sondern auch über die Nachhaltigkeit der Produkte berichten. „Die gesetzliche Aufgabenstellung ist klar formuliert, nicht hingegen bislang die Umsetzungskriterien“, sagt Bernward Maasjost, Geschäftsführer der [pma:] Finanz- und Versicherungsmakler GmbH, einem Maklerpool in Münster.

Eines der Probleme: Den Kunden sind Informationen über die Auswirkungen von möglichen Investitionsentscheidungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren zugänglich zu machen. „Wie die Berater an belastbare Informationen gelangen sollen, ist jedoch noch völlig unklar“, meint Maasjost. Im Markt formieren sich aktuell Anbieter, Verbände und Institutionen, die den Anforderungen an die neuen Beratungspflichten Struktur geben möchten, was aber schwierig ist, solange keine belastbaren Kriterien für nachhaltige Produkte im Rahmen der sogenannten Taxonomie vorliegen. „Noch warten alle auf Ergebnisse der Legislative“, dämpft Maasjost Hoffnungen auf schnelle Lösungen.

Seite 1: Der feine Unterschied von TVO und Taxonomie   
Seite 2: Was auf Firmen ab drei Beschäftigte im August zukommt