Start-ups: „Richtige Absicherung erhöht Finanzierungschancen“

Berater Zielgruppenansprache von Udo Trichtl

Worauf Makler im Umgang mit Startups besonderen Wert legen sollten, erklärt Ruth Schöllhammer, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Gründerverbands, im Interview.

Ruth Schöllhammer, Bild: Deutscher Gründerverband

Ruth Schöllhammer ist Vorstandsvorsitzende des Deutschen Gründerverbands, Bild: Deutscher Gründerverband

procontra: Welchen spezifischen Risiken sind Startups ausgesetzt?

Ruth Schöllhammer: Zunächst ist unsere Erfahrung, dass junge Unternehmer meistens falsch versichert sind. Sie sind entweder überversichert oder unterversichert. Die wesentlichen Ausfallrisiken sind nicht abgedeckt.

Ein Beispiel: Ein Architekt hat im ersten Jahr vier Aufträge akquiriert, davon ein Hausprojekt eines jungen Ehepaars. Kurz vor der Fertigstellung beziehungsweise Beendigung des Auftrags entzweit sich das Paar – und die jeweiligen Partner weigern sich, die Rechnung zu begleichen. Eine Absicherung der Kundenforderung bei Ausfall wirkt für den jungen Architekten liquiditätsschonend.

Ich gebe Ihnen ein weiteres Beispiel. Ein Schreiner möchte sich selbstständig machen, gründet ein Unternehmen und ist die ersten drei Monate überwiegend mit Akquise beschäftigt. Im vierten Monat sollen die ersten Aufträge bearbeitet werden. Dazu kommt es nicht, weil sich der Schreiner einen Arm bricht. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung auf Umsatzbasis könnte existenzbedrohend sein. Der Schreiner benötigt deshalb eine Absicherung, die vom ersten Tag an die Fixkostenbelastung vollständig abdeckt.

procontra: Worauf müssen Makler im Umgang mit Startups besonderen Wert legen?

Schöllhammer: Darauf, dass sie direkt zu Beginn ein umfassendes Absicherungspaket schnüren, damit der Unternehmer seine Kernaufgaben erfüllen kann und keine Existenzängste haben muss. Dabei sollte der Makler großen Wert auf eine Versicherungsleistung legen, die die individuellen Risiken des Unternehmens abdeckt. Existenzgründer-Rabatte bieten einen Anreiz, aber meist keine ausreichende Absicherung.

Der Fokus bei der Beratung zur Risikoidentifikation und -abwehr bei Startups sollte darauf liegen, dass zum einen der Zugang zum Kapitalmarkt geöffnet ist und zum anderen, dass die Liquidität gesichert ist. Startups und Jungunternehmen haben in der Regel noch keine nennenswerten Sicherheiten wie auch Rücklagen im Vergleich zu etablierten Unternehmen und größeren Mittelständlern. Dabei geht es nicht nur darum, Ertragsausfälle abzufedern, sondern auch, frisches Kapital einzusammeln.

procontra: Sie meinen die für Startups wichtigen Finanzierungsrunden?

Schöllhammer: Ganz genau. Die Sicherstellung der Finanzierung stellt eine der größten Herausforderungen in der Entwicklung von jungen Entrepreneuren dar. Wenn ein Startup eine neue Finanzierungsrunde anstrebt, um weiteres Kapital für die Expansion einzusammeln, kann das häufig daran scheitern, dass die Jungunternehmer nicht genügend verwertbare Sicherheiten vorweisen können. Die potenziellen Kapitalgeber befürchten, dass der Kapitaldienst womöglich nicht mehr geleistet werden kann, wenn die Umsatzerwartungen nicht erfüllt werden und sie über keine kompensierenden Sicherheiten verfügen. Dies gilt auch für den Fall, dass der Gründer als Kernkompetenzträger gesundheitsbedingt ausfällt oder eine Betriebsunterbrechung den Absatz blockiert. Startups bestehen oftmals aus ein oder zwei Personen und der Unternehmenserfolg hängt von deren Kernkompetenzen ab.

Der richtige Versicherungsschutz inklusive qualifizierter Abtretung kann bei Kapitalgebern als Kompensation für den Mangel an verwertbaren Sicherheiten eingesetzt werden. Dementsprechend haben Startups mit einer speziellen Betriebsausfallversicherung auch bessere Chancen, eine Finanzierung zu erhalten, weil diese den Fixkostendruck nachhaltig senkt. Denn auch der Kapitaldienst gehört zu den Fixkosten.

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