Schadenfall der Woche: Catch Me If You Can

Hannah Petersohn Versicherungen Panorama

Eine Boutique wird ausgeraubt, die Ladenbesitzerin meldet der Versicherung den Schaden. Nur werden die Ermittler schon bald stutzig und weisen ihr Versicherungsbetrug nach. Der Verurteilung entzieht sich die Angeklagte erfolgreich, solange bis die Tat fast verjährt ist.

Schadenfall der Woche: Catch Me If You Can Bild: procontra

Eine Ladenbesitzerin, die nach einem Einbruch den Versicherungschaden größer macht als er tatsächlich ist, soll sich deswegen vor Gericht verantworten. Knapp zehn Jahre lang gelingt es ihr, sich dem Verfahren zu entziehen. Bild: procontra

Im Januar 2012 wird eine Ladenbetreiberin in Unterfranken Opfer eines Einbruchs. Anschließend meldet die geschäftstüchtige Frau ihrer Versicherung den Diebstahl von Kleidungs- und Modegegenständen in Höhe von über 34.000 Euro. Ganze acht Seiten umfasst die Liste ihrer angeblich verlustig gegangenen Preziosen, wie die Mainpost berichtet.

Einziger Haken: Die heute 70-jährige Rentnerin meldet nur jene Gegenstände als gestohlen, die wie durch ein Wunder ausgerechnet nicht von ihren Kunden vorbestellt waren. Zudem fällt den Ermittlern der Kriminalpolizei auf, dass die Einkaufsrechnungen des vermeintlichen Diebesguts manipuliert worden sind: Sie wurden offensichtlich neu angelegt und mit einem Datum versehen, dass den Einkauf der Kleidungsstücke vor dem Einbruch belegen soll. Noch dazu sagen Angestellte der Boutique aus, dass sie im Geschäft selbst keine derartig großen Leerstellen, die ein Diebstahl in dem Ausmaß hätte nach sich ziehen müssen, in den Regalen oder an den Kleiderstangen feststellen konnten. Auch die erwischten Einbrecher beteuern vor Gericht, dass sie keine Kleider hätten mitgehen lassen. Tatsächlich räuberten die beiden Diebe „lediglich“ Bargeld und Schmuck im Wert von über 3.000 Euro.

Aus dem Diebstahlopfer wurde also eine Versicherungsbetrügerin und das nicht nur einmal. Ihr wird zudem Betrug in einem Regenwasserschaden, Verleumdung und falsche Verdächtigung vorgeworfen. Stets wusste die nunmehr selbst Angeklagte sich aus der Malaise zu ziehen: So ließ sie sich eine Verhandlungsunfähigkeit attestieren, die Verfahren wurden eingestellt.

Auf Shoppingtour statt im Gerichtssaal

Auch in dem aktuell verhandelten Fall ist es der trickreichen Ladenbesitzerin immer wieder gelungen, eine Verurteilung abzuwenden. 2015 hatte sie gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt. Als die Gerichtsverhandlung dennoch stattfinden sollte, setzte sie abermals auf "verhandlungsunfähig", was das Gericht aber nicht gelten ließ. Am Donnerstag sollte sie sich im Gerichtssaal einfinden. Als sie nicht erschien wurde ihr Ehemann angerufen, der wiederum dem Vorsitzenden erklärte, seine Frau unternehme eine Shoppingtour durch die Haßfurter City. Eine Polizeistreife gabelte die Angeklagte schließlich in der Innenstadt auf und brachte sie zur Gerichtsverhandlung.

Das Charaktermerkmal Schuldeinsicht ist offenbar nicht Teil des Verhaltensrepertoires der Angeklagten, vielmehr warf sie dem Gericht vor: „Sie lassen mich abführen wie einen Verbrecher“, wird sie von der Mainpost zitiert. Da sie sich eines Geständnisses verweigerte, drohte der Vorsitzende Richter an, auch die anderen Verfahren wieder aufzunehmen. Daraufhin zeigte sich die heutige Rentnerin konziliant und gestand den Betrug. Eine Freiheitsstrafe muss sie jedoch nicht verbüßen. Das Haßfurter Amtsgericht verurteilte sie wegen Versicherungsbetrugs zu 3.750 Euro - und das knapp vor der Verjährungsfrist. Das Urteil ist rechtskräftig.

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