Ruhestandsplanung: Passende Anlage statt Strafzinsen

Detlef Pohl Berater Investmentfonds Versicherungen

Die finanzielle Gestaltung des Ruhestandes ist wegen magerer Zinsen oder gar Strafzinsen eine Zumutung. Finanzanalytiker Volker Looman hat Rentenpolice, Fonds-Vermögensverwaltung und einen ETF-Mix aus Anleihen und Aktien verglichen.

Für den finanziellen Ruhestandsplanung rät Volker Looman in vielen Fällen zu einem Mix aus Aktien und Anleihen, der alle 10 Jahre „umgetopft“ werden sollte. Bild: Pixabay/pasja1000

Für den finanziellen Ruhestandsplanung rät Volker Looman in vielen Fällen zu einem Mix aus Aktien und Anleihen, der alle 10 Jahre „umgetopft“ werden sollte. Bild: Pixabay/pasja1000

„Spare für die Zeit im Alter, auch wenn es dafür keine Zinsen gibt“, riet Finanzanalytiker Volker Looman in seiner FAZ-Kolumne schon mehrmals. Versicherungs- und Finanzmakler stehen bei der Beratung ihrer Kunden zur „Erntezeit“ der Altersvorsorge vor der schwierigen Aufgabe, eine gescheite finanzielle Ruhestandsplanung samt der Wiederanlage ausgezahlter Lebensversicherungen hinzubekommen.

Wie die passende Ruhestandsplanung aussehen könnte, berichtet Looman in regelmäßigen Abständen in seiner FAZ-Kolumne, zuletzt mit diesem Beispiel: Ein Mann (71) hat seine Firma verkauft und soll nun für 500.000 Euro auf dem Sparkassenkonto 2.250 Euro Strafzinsen pro Jahr zahlen. Er ärgert sich und fragt die Sparkasse, wie das Geld straffrei angelegt werden kann. „Das hätte er besser sein lassen, denn die Offerte ist eine Gefahr für sein seelisches Wohl“, schreibt Looman.

Verschachtelte Fondspolice mit katastrophalem Ergebnis

Die Sparkasse reicht den Wunsch des Kunden nämlich an die Sparkassen-Versicherung weiter, deren Vertreter empfiehlt, den gesamten Betrag in die Rentenversicherung „Sparkassen-Tresor-Garant“ zu stecken. Dahinter verbirgt sich eine aufgeschobene Fondspolice, in der das Geld zunächst sieben Jahre weiter angespart werden muss und ausschließlich in Deka-Fonds fließen würde. Der Betrag könnte so auf 597.000 Euro anwachsen.

Danach hätte der Ex-Unternehmer im Alter von 78 Jahren die Wahl, sich das Kapital sofort voll auszahlen zu lassen oder in Form von zwei alternativen Renten: pro Jahr 60.521 Euro Zeitrente für insgesamt zehn Jahre oder lebenslang jeden Monat 2.207 Euro. Bei diesen Verschachtelungen verlieren selbst routinierte Berater den Überblick, was solche Angebote taugen.

Alternative Zeitrente auch nicht kundengerecht

Nicht so Looman, der vorrechnet: „Teilt man die 597.000 Euro durch 2.207 Euro, kommt man auf 271 Monate beziehungsweise 22,54 Jahre, die der Versicherer für die lebenslange Rente kalkuliert hat.“ Die Rechnung beginnt jedoch nicht mit 71 Jahren, sondern erst nach Ablauf der Zeitrente, also im Alter von 78,5 Jahren. „Der Kunde müsste 101 Jahre alt werden, damit sich das Geld überhaupt zu rentieren beginnt – was soll man dazu sagen?“, meint Looman rhetorisch.

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