PKV: Experte kritisiert konservative Kapitalanlage der Versicherer

Martin Thaler Versicherungen Top News

Die Solvenzquoten der Krankenversicherer sind weiterhin stabil – ihre gute finanzielle Ausgangslage würde die Versicherer aber nur unzureichend zum Wohl der Kunden nutzen, kritisiert Mathematiker Carsten Zielke. Dies hat jedoch auch politische Gründe.

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Mit mehr Präventionsmaßnahmen ließen sich die Kosten im Gesundheitssystem deutlich senken, ist Mathematiker Carsten Zielke überzeugt. Bild: Pixabay/aitoff

Die Solvenzquoten der deutschen Krankenversicherer erweisen sich weiter als stabil: Mit einem durchschnittlichen Niveau von 485 Prozent fiel die durchschnittliche Solvenzquote zwar um 52 Prozentpunkte beziehungsweise knapp zehn Prozent niedriger aus als noch im Vorjahr, liegt aber weiter deutlich über der geforderten 100-Prozent-Marke. Dies ergab eine Auswertung der Beratungsfirma Zielke Research Consult GmbH.  

Im Gegensatz zu vielen Lebensversicherern können die deutschen Krankenversicherer weiterhin hohe Gewinne verbuchen. Dies ist wenig verwunderlich, schließlich können die privaten Krankenversicherer im Gegensatz zu den Lebensversicherern bei Bedarf die Prämien ihrer Kunden anpassen.  

Kritik an konservater Kapitalanlage

Allerdings nutzen die Krankenversicherer ihre komfortable Solvenzsituation nicht zugunsten ihrer Kunden, kritisierte Mathematiker Carsten Zielke. Grund der Kritik: Die Kapitalanlage der PKV-Anbieter ist zu konservativ und kann somit nicht die steigenden Kosten im Gesundheitswesen ausgleichen. Laut Zielke entfallen gerade einmal sechs Prozent der Kapitalanlagen auf Aktien, der Großteil wird nach wie vor in Rentenpapiere angelegt.  

Einer der Gründe für die konservative Anlagepolitik der Versicherer ist laut Zielke die immer wiederkehrende Diskussion über die Einführung einer Bürgerversicherung. „Je nach Parteienkonstellation ist ihr Geschäftsmodell gefährdet. Dies führt zu einer zu konservativen Kapitalanlagepolitik, die letztlich durch höhere Prämienzahlungen der Kunden kompensiert werden müssen“, schlussfolgerte Zielke.  

Bürgerversicherung nicht zielführend

Eine Abschaffung der PKV wird von Zielke entsprechend auch als nicht zielführend betrachtet. Zwar könnte dadurch kurzfristig die Einnahmenseite der Gesetzlichen Krankenversicherung gestärkt werden. Langfristig werde das Umlageverfahren der GKV allein schon durch die demographische Entwicklung diese Mehreinnahmen auffressen und für Solvenzprobleme sorgen. Schon jetzt würden die 65- bis 85-Jährigen bereits die dreifachen Kosten der 15- bis 65-Jährigen verursachen, so Zielke.  

Die privaten Krankenversicherer federn die demographische Entwicklung hingegen mit den Altersrückstellungen ihrer Kunden ab. Die Aufhebung dieser Teilkapitaldeckung, die die Folge einer Abkehr vom dualen Gesundheitssystems wäre, „würde einerseits eine Enteignung der aktuellen PKV-Versicherten darstellen, andererseits einen Rückschritt aus volkswirtschaftlicher Sicht darstellen“, warnt Zielke.

Stattdessen plädiert Zielke dafür, dass bestehende duale System weiter zu fördern – unter anderem mit einer Senkung der Beitragsbemessungsgrenze. Auf diese Weise könnte ein größerer Teil der Bevölkerung auf ein teilkapitalgedecktes Verfahren bauen. Allerdings sollte in diesem Zusammenhang auch der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung erleichtert werden, schlägt Zielke vor. 

Prävention stärker fördern

Zugleich spricht sich der renommierte Mathematiker dafür aus, Präventionsmaßnahmen stärker zu fördern. So könnten die Gesundheitskosten um knapp ein Drittel gesenkt werden, wenn die Versicherten motiviert würden, sich mindestens 45 Minuten am Tag zu bewegen. Zielke verweist in diesem Zusammenhang auf Studien, wonach durch 45 Minuten Sport täglich das Krebsrisiko um 43 Prozent gesenkt werde.  

Doch die privaten Krankenversicherer werden laut Zielke am Ausbau von Präventionsmaßnahmen gehindert. Grund hierfür sei Paragraph 192 des Versicherungsvertragsgesetzes, der als Leistungsbegriff für die PKV nur die medizinisch notwendige Heilbehandlung nenne. Versuche, diesen Paragraphen auch um den Präventionsgedanken zu erweitern, waren in der Vergangenheit gescheitert – dies sollte auch Zielkes Sicht, dringend geändert werden.  

Die Versicherer selbst haben diesen Trend offenbar erkannt und erweitern ihr Angebot, finanziert aus ihren Marketingbudgets. Auf einer Skala von 0 bis 3 erreichten die Versicherer in diesem Jahr eine Durchschnittsnote von 1,4 – im vergangenen Jahr lag diese noch bei 1,2. Gewinner sind hierbei die Allianz, die Axa, Gothaer sowie die Hallesche, die die Höchstnote von 3 erreichten. Acht Gesellschaften kümmern sich laut Zielke hingegen nicht um das Thema – hierbei handelt es sich meist um kleinere Gesellschaften.

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